Klare Botschaft statt schriller Parade - Christopher-Street-Day in Trier (Fotos)

Klare Botschaft statt schriller Parade - Christopher-Street-Day in Trier (Fotos)

Der Trierer Christopher Street Day verzichtet auf lauten Umzug und zeigt statt dessen eine hochkarätig besetzte Diskussion, Show und Musik auf der Bühne.

Foto: Hans Krämer

Nach jahrzehntelangem Kampf der Homosexuellenbewegung ist mit der Ehe für alle ein großer Schritt in Richtung Gleichstellung erreicht. Das Motto des Christopher Street Days (CSD) 2017, "Keine faulen Kompromisse mehr", zeigt, dass weiterhin an der Akzeptanz von LSBTI (lesbisch, schwul, bisexuell, transident und intersexuell) gearbeitet werden muss. Zahlreiche Infostände rund um den Kornmarkt bieten den Besuchern der Innenstadt am Samstag während des CSD die Gelegenheit, ins Gespräch zu kommen und sich über die Vielfalt sexueller Orientierungen aufklären zu lassen.

In Trier findet der CSD bereits zum 15. Mal statt. Wie immer liegt der Schwerpunkt nicht auf schrillen Paraden - hier sollen vor allem Inhalte vermittelt werden. "Eine Parade erzielt eine kurze Aufmerksamkeit der Leute für einen kurzen Moment auf unsere Szene. Aber wir wollen Inhalte transportieren", sagt Ulrich Hufschmidt vom Verein Schmit-Z.

Indes haben sich auf der Bühne am Kornmarkt hochkarätige Gäste zu einem Politik-Talk eingefunden. Johannes Kram, unter anderem Autor des Nollendorfblogs, richtet unter dem Applaus des Publikums mitunter provokante Fragen an die Direktkandidaten des Wahlkreises Trier Adrian Assenmacher (FDP), Katarina Barley (SPD), Corinna Rüffer (Grüne), Andreas Steier (CDU) und Mateusz Buraczyk (stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Linken in Vertretung von Katrin Werner). Kram fragt nach, was die einzelnen Parteien gegen die noch offenen rechtlichen Diskriminierungen tun. "Gute Auswahl!", lobt ein Zuhörer aus dem Publikum im Vorübergehen Initiator Alex Rollinger. Aber auch Musik, Tanz und Unterhaltung kommen nicht zu kurz; am Abend unterhält der Trierer Sänger Steff Becker mit dem Music Colours Orchestra den gut gefüllten Kornmarkt.

Durch das Programm führt Sänger und Schauspieler Norman Stehr. Regenbogenfamilien, verliebte Mädchen und Männer in High Heels stehen neben älteren Ehepaaren - was hier so selbstverständlich wirkt, war ein langer Weg, der noch nicht zu Ende ist. Aufklärung und Diskussion sind auch weiterhin nötig, um gegen Trans- und Homophobie in der Gesellschaft vorzugehen. Eine größere Gruppe Luxemburger Frauen, die einen typischen Hetero-Junggesellinnenabschied feiern, ist sich einig: "Ehe für alle - natürlich sind wir dafür! In Luxemburg ist das ja schon länger erlaubt", sagt die zukünftige Braut nicht ohne Stolz.