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Vor ungefähr einem Jahr brach ich an dieser Stelle eine Lanze für Quark als Wundermittel bei Muskel- und Sehnenverletzungen. Mehrmals wöchentlich angewendet, verschaffte mir die von Lauffreunden empfohlene Wickelmasse tatsächlich Linderung am verletzten Fußgelenk.

Dass Quark jedoch kein Allheilmittel ist, sollte ich bald erfahren: Die Achillessehne riss.Noch während ich an Krücken ging, hatten meine Läuferkollegen erneut gute Ratschläge parat: Verletzungen dieser Art könne man am besten vorbeugen, indem man Bänder und Sehnen durch Gymnastik wie Hochzehenstand, Beinbeugen und Barfußlaufen geschmeidig hält, lautete ihr Tipp.Gymnastik verschrieb mir auch der Arzt, was ich zur Beschleunigung des Heilungsprozesses auch bereitwillig mitmachte. Aber freiwillig zur Vorbeugung? Ein paarmal rappelte ich mich dazu auf, doch dann war es schnell vorbei mit der Motivation und den Übungen.Schließlich war es der Tipp eines Physiotherapeuten, der mir jetzt morgens und abends zur Fuß- und Beingymnastik verhilft, die sogar Spaß macht. Gymnastik müsse in Fleisch und Blut übergehen wie das Zähneputzen, hat er gesagt, nur so wende man sie regelmäßig an. Und ab diesem Tag praktiziere ich es: Zähneputzen auf Flamingo-Art. Einfach eine Minute auf dem linken Bein stehen, das Knie leicht gebeugt, dann eine Minute aufs rechte Bein - und dabei immer fleißig weiterbürsten. Man spürt förmlich, wie die Muskulatur arbeitet, denn man ist laufend am Ausbalancieren.Inzwischen habe ich der Flamingo-Dental-Gymnastik noch eine Koordinationsübung hinzugefügt, die darin besteht, die Zahnbürste zwischendrin auf die schwächere (linke) Putzhand zu wechseln. Man könnte also von einer Mehrfach-Prophylaxe sprechen, die einen keine Sekunde zusätzliche Zeit kostet und - nebenbei bemerkt - alle Lügen straft, die behaupten, Männer könnten nicht mehr als eine Sache gleichzeitig machen. Meine Frau beeindruckt mein neues Bad-Ritual allerdings wenig. Neulich meinte sie kess, ob ich nicht mit der freien Hand noch den Spiegel putzen könne…