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Podiumsdisrunde in Waldrach zur regionalen Energierevolution

Energie : So gelingt die regionale Energierevolution

Lösungsansätze für eine regionale Energiewende haben drei Referenten auf der Veranstaltung „Regionale Energierevolution – Nachhaltigkeit als Fundament der Energieversorgung“ präsentiert. Was der aktuelle Stand ist und wie die Energierevolution gelingen kann.

Im Bürgerzentrum in Schweich stellten Arndt Müller, Vorstand der Stadtwerke Trier, Gerd Schöller, Geschäftsführer Schoenergie GmbH, und Volker Quaschning, Professor für Regenerative Energiesysteme, Lösungsansätze vor, um eine regionale Energierevolution auf die Beine zu stellen. Dabei erläuterten sie, wie unsere aktuelle Energieversorgung aussieht und was sich wie ändern muss, um das Klima zu retten.

Arndt Müller erklärte, welchen Beitrag die Stadtwerke Trier (SWT) zu einer nachhaltigen Energiewende leisten möchten. Um das zu erreichen, haben sie vier Sektoren für die Stadt Trier entwickelt, die sie energetisch und nachhaltig vernetzen möchten. Diese sind Mobilität, Energie, Daseinsvorsorge und Kommunikation. Im Sektor Mobilität soll es beispielsweise gelingen, den Straßenverkehr in Trier flüssiger zu machen. Dabei sollen große Bildschirme in der Stadt helfen, die den Autofahrern bereits früh freie Parkplätze anzeigen, um den Verkehrsfluss aufrechtzuerhalten. Bei der Mobilität möchten sie zudem, so weit es geht, auf Strommobilität zurückgreifen.

Auch im Sektor Energie möchte man vermehrt auf grüne Erzeugung, wie die Energiegewinnung durch Windkraft, setzen. Die Energiestrategie der SWT zeichne sich durch vier Punkte aus, so Müller. Zuerst soll durch neue Techniken und effiziente Prozesse Energie gespart werden. Anschließend wird Energie grün erzeugt. Das gelingt durch Photovoltaik-Anlagen, Wind- und Wasserkraft und Blockheizkraftwerke. Dann soll die Energie mithilfe von Kraft-Wärme-Kopplung, Energie-Speichern oder Batterien gespeichert und geregelt werden. Abschließend wird die Energie durch Künstliche Intelligenz (KI) digital abgeglichen. Beim Trinkwasser beispielsweise nutzen die Stadtwerke die Hochbehälter der Trinkwasserversorgung mittels KI als Energiespeicher. Auch bei den Klärwerken komme bereits eine KI zum Einsatz. Sie steuert die Reinigung und das Energiemanagement der Klärwerke. So gelinge es bereits, durch die Klärwerke mehr Energie zu erzeugen, als sie verbrauchen. Die Ersparnis lag 2021 bei 800.000 Kilowattstunden im Jahr.

Müller gab einen konkreten Ausblick, bis wann sie ihre Ziele für die SWT-Kunden erreicht haben möchten. Die Stromwende möchten sie bis 2030 umsetzen, die Verkehrswende bis 2034 und die Wärmewende bis 2038. Um dies schaffen  zu können, betont Müller, müsse aber jeder zusammenarbeiten.

Die Firma Schoenergie aus Föhren installiert Solarstromprojekte in den Kommunen vor Ort. In den vergangenen 15 Jahren haben sie 800 Megawatt an Leistung umgesetzt, wie der Geschäftsführer Gerd Schöller berichtet. Um die Energiewende zu bewältigen, müsse aber an Tempo zugelegt werden, so Schöller weiter. Das Problem sei, dass es aktuell eine Diskrepanz gäbe zwischen den Planungen der Unternehmen bezüglich des Strombezugs in der Zukunft und der aktuell tatsächlich zur Verfügung stehenden Energiemenge. Denn zum jetzigen Stand sei die erforderliche Energiemenge nicht verfügbar. Um das zu ändern, müsse man auch auf die Solarenergie setzen, da sie bezahlbare und nachhaltige Energie verspreche. So sei es möglich, durch Solarenergie 90.000 Kilowattstunden pro 1000 Quadratmeter an Energie zu erzeugen. Betrachtet man die für Solarenergie zur Verfügung stehende Freifläche, könne man pro Hektar 1000 Megawattstunden an Energie erzeugen.

Bei einem Unternehmen im Ruhrgebiet beispielsweise konnte Schoenergie die Energiemengen zur Versorgung des Unternehmens erhöhen. Das gelang ihnen durch den Bau eines Batterie-Speichers und durch die Nutzung einer angrenzenden Freifläche für Solarenergie. Weil diese Maßnahmen jedoch wegen eines zu hohen Energieverbrauchs  noch nicht zur Selbstversorgung von Unternehmen ausreichen, brauche es den Schulterschluss der Kommunen, sagt Schöller. Auch die Elektromobilität müsse man nutzen, um die Energiewende zu schaffen. Hier könne man die Autos der Mitarbeiter eines Unternehmens als Energiespeicher nutzen. Sie laden ihre Autos am Arbeitsplatz und können die restliche Energie abends für ihre Häuser verwenden. „Die Energiewende kann nur durch die Flucht nach vorne erfolgreich sein. Dazu braucht es mutige Entscheidungen“, sagt Gerd Schöller.

Prof. Dr. Volker Quaschning macht darauf aufmerksam, dass wir bei unbegrenzter Erderwärmung bis 2100 einen Anstieg des Klimas auf +4 Grad Celsius haben könnten. Dieser Klima-Anstieg habe katastrophale Folgen, da große Lebensräume nicht mehr bewohnbar wären. Allein von 1900 bis 2021 stieg das Klima um +1 Grad Celsius, was laut Quaschning ein rasanter Anstieg sei. Wir haben jetzt noch die Chance, etwas zu tun. „Wir müssen alle bei uns selbst anfangen, sonst funktioniert der Klimaschutz nicht“, sagt Quaschning. 2021 wurde die Energieversorgung laut Quaschning zu 20 Prozent durch erneuerbare Energien gedeckt. Da das zu wenig sei, brauche man nun eine Energierevolution. Dafür müsse man die Wärmeversorgung durch Öl und Gas reduzieren und ersetzen.

Die Lösung sei der Einbau von Wärmepumpen, da diese zusätzlich die Umgebungswärme nutzen. Auch die Anzahl der Autos müsse reduziert werden. Dabei müsse man die Autos mit Verbrennungsmotor durch E-Autos ersetzen. Zusätzlich müsse der Ausbau der Windenergie verfünffacht werden. Dies sei auch platztechnisch möglich, da das Fundament aller erforderlichen Windkrafträder lediglich 0,007 Prozent der Landesfläche einnehme. Zudem müssen Dächer und Balkone mit Photovoltaik-Anlagen ausgestattet werden. Auch auf den Ackerflächen könne man ohne Probleme Photovoltaik-Anlagen anbringen. Diese könne man trotzdem weiterhin landwirtschaftlich nutzen. Außerdem brauche es zusätzliche Arbeiter und Weiterbildungsmaßnahmen, um die Anlagen zu installieren. „Wenn wir alle einen Beitrag zum Klimaschutz leisten und jetzt handeln, haben wir eine gute Chance, es zu schaffen“, sagt Quaschning.