Tabuthema Vergewaltigung

TRIER. (as) Opfer von Vergewaltigungen fühlen sich nach der Tat hilflos und allein. Die Einrichtung "Notruf und Beratung für Vergewaltigte und von sexueller Gewalt bedrohte Frauen" möchte den betroffenen Frauen eine Anlaufstelle bieten und Beistand leisten.

Diese Hilfe wird von vielen Frauen in Trier dankend angenommen. "Wir verzeichnen pro Jahr etwa 120 Erstkontakte", berichtet Bettina Mann. Die Diplom-Psychologin ist eine der hauptamtlichen Mitarbeiterinnen der Einrichtung. Viele der Klientinnen sprechen zum ersten Mal über die Vergewaltigung, wenn sie sich an den Notruf wenden. "Wir hören den Frauen zu und versuchen, ihnen zu helfen, die Tat zu verarbeiten." Nach der ersten telefonischen Kontaktaufnahme nehmen viele der Frauen auch das Angebot eines Beratungsgespräches in Anspruch. Auf Wunsch begleiten die Mitarbeiterinnen vom Notruf die Frauen zur Polizei oder zum Gericht. "Leider ist es sehr schwierig, die Zielgruppe zu erreichen", sagt Bettina Mann. Das Thema Vergewaltigung ist immer noch häufig ein Tabuthema in Deutschland. Für das Jahr 2006 hat sich die Einrichtung viel vorgenommen. Eines der anstehenden Projekte ist die Neuauflage der Ausstellung "Tabuzone". Schon vor fünf Jahren forderte der Notruf Trierer Werbeagenturen auf, das Thema Vergewaltigung in Plakaten zu verarbeiten. Entstanden ist eine umfangreiche Ausstellung, die auch weit über die Grenzen von Trier Erfolg hatte. Die Neuauflage in diesem Jahr widmet sich besonders der Problematik der sexualisierten Gewalt gegen Migrantinnen. Besonders stolz sind die Mitarbeiterinnen des Notrufs auf die neue Homepage der Einrichtung. Unter www.notruf-trier.de erfährt man nun alles über die Einrichtung selbst und über das Thema Vergewaltigung im Allgemeinen. Mitarbeiterin Alrun Scheiff betont, die Aufgabe der Homepage sei es, "eine Anknüpfung an den Notruf herzustellen" und zusätzlich "mögliche Klientinnen zu informieren". Offen über Sexualität und sexuelle Gewalt zu sprechen, fällt vielen Menschen nicht leicht. Mit dem Theaterstück "Vagina Monologe" möchten die Mitarbeiter des Notrufs zeigen, dass unbefangenes Reden über das Thema möglich ist. Für das Stück gewann der Notruf Frauen aus der Region Trier, die für einen Abend ihren Beruf als Politikerin oder Professorin gegen die Schauspielerei eintauschen. Die Laien-Schauspielerinnen schlüpfen in Rollen von Frauen, die ganz offen über sexuelle Erlebnisse oder auch Vergewaltigungen sprechen. Kontakt: Unter der Telefonnummer 0651/19740 kann man die Einrichtung "Notruf und Beratung für vergewaltigte und von sexueller Gewalt bedrohte Frauen" erreichen.