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Tempo 20 in Trier: Verkehrsplaner der Stadt bringen nach Grünen-Antrag ganz neue Variante ins Spiel

Tempo 20 in Trier: Verkehrsplaner der Stadt bringen nach Grünen-Antrag ganz neue Variante ins Spiel

Eine Tempo-30-Zone in der östlichen Altstadt von Trier könnte schon bald Realität werden. Doch damit nicht genug: Am Knotenpunkt vor der Konstantin-Basilika in der Weberbach gilt künftig möglicherweise sogar Tempo 20. Es wäre der erste sogenannte verkehrsberuhigte Geschäftsbereich der Stadt.

Geschwindigkeitsbeschränkungen spielen im Mobilitätskonzept (Moko) Trier 2025 eine wichtige Rolle. So soll die Stadt sicherer und auch etwas leiser werden.

Bündnis 90/Die Grünen haben einen ersten konkreten Antrag gestellt, der sich auf die Verkehrsberuhigung in der östlichen Altstadt bezieht . In der jüngsten Sitzung des Bauausschusses lobte Baudezernent Andreas Ludwig (CDU), hinter dem Antrag steckten viel Arbeit und Sorgfalt. Wilko Kannenberg vom Stadtplanungsamt erläuterte einige Überlegungen der Verwaltung zu den Vorschlägen - und legte dabei eine ganz neue Variante auf den Tisch. Tempo-30-Zone: Im nördlichen Teil, wo Max-Planck-Gymnasium, Auguste-Viktoria-Gymnasium und die Grundschule am Dom liegen, ist eine 30er-Zone aus Verwaltungssicht umsetzbar. Einziger Haken: Drei Fußgängerüberwege müssten durch Querungshilfen ersetzt werden, denn Zebrastreifen sind in einer solchen Zone normal nicht vorgesehen.

Weberbach: Auf der Verkehrsachse Weberbach ist von der Kaiserstraße an zwar keine Tempo-30-Zone möglich, da darin grundsätzlich rechts vor links gilt und Autofahrer aus Seitenstraßen deshalb automatisch Vorfahrt hätten. Ein normales Tempolimit 30 wäre aber denkbar. Als Voraussetzung nennt die Stadt ein Anhörungsverfahren. So sollen sich unter anderem die Stadtwerke äußern, welche Auswirkungen Tempo 30 auf den Linienbusverkehr hätte. Schutzstreifen für Radfahrer seien auf der Straße nicht möglich. Stattdessen kann sich die Verwaltung eine Piktogrammkette vorstellen, das heißt eine Reihe von aufgemalten Radsymbolen auf der Fahrbahn, um auf Radfahrer aufmerksam zu machen.

Knotenpunkt Konstantinplatz: An der Kreuzung Weberbach/Konstantinstraße/Mustorstraße überqueren viele Fußgänger die Fahrbahn. Dort liegt die Verbindungsachse zwischen Fußgängerzone, Konstantin-Basilika und Kurfürstlichem Palais mit Palastgarten. Die insgesamt vier Zebrastreifen sind oft stark frequentiert, zudem liegt dort eine Bushaltestelle. Die von den Grünen vorgeschlagene Einrichtung eines verkehrsberuhigten Bereichs (nur Schrittgeschwindigkeit erlaubt) würde Umbaumaßnahmen voraussetzen. Daher bringt Stadtplaner Kannenberg als Kompromiss einen sogenannten verkehrsberuhigten Geschäftsbereich ins Gespräch (siehe Extra).

Tempo-20-Zone: Für Triers ersten verkehrsberuhigten Geschäftsbereich schwebt der Stadt Tempo 20 vor. Konkret könnte die Zone ein Teilstück der Weberbach und der Mustorstraße sowie drei einmündende Straßen umfassen. Beginnend mit der Jesuitenstraße, zentral die Konstantinstraße und abschließend An der Meerkatz. Zu klären wäre, ob die Weberbach als Verkehrsachse vorfahrtsberechtigt bleiben kann, denn normal gilt in verkehrsberuhigten Geschäftsbereichen rechts vor links.

Die Diskussion: Thomas Albrecht (CDU) erklärte sich mit den Überlegungen "grundsätzlich einverstanden". Rainer Lehnart (SPD) wollte die Erläuterungen lediglich als "Input" verstanden wissen: "Die Aussagen der Verwaltung sind absolut neu. Mit dem Moko haben wir schon einen Maßnahmenkatalog, aus dem jetzt ein Punkt herausgegriffen wird. Da fehlt erst mal eine Prioritätenliste." Christiane Probst (FWG) forderte zunächst eine Kostenermittlung. Antragsteller Ole Seidel (Grüne) attestierte der Verwaltung konstruktive Vorschläge und betonte, der Status quo am Konstantinplatz könne nicht so bleiben wie bisher.

Um eine Kontroverse zu vermeiden, schlug Dezernent Ludwig vor, dass die Verwaltung Details ausarbeitet und Kosten ermittelt. Der Ausschuss signalisierte Zustimmung, allerdings ohne formal abzustimmen.

Das war Dominik Heinrich (Grüne) deutlich zu wenig: "Ich bin enttäuscht von der SPD, die immer von Verkehrsberuhigung spricht." Es folgten zwar noch empörte Zwischenrufe aus den Reihen der SPD, doch Ludwig beendete flugs den Tagesordnungspunkt, um eine Eskalation zu vermeiden.

Liebe Leserinnen, liebe Leser! Tempo 30 in Teilen der Altstadt. Tempo 20 an der Ecke Weberbach/Konstantinstraße - wie ist Ihre Meinung dazu? Schreiben Sie uns in aller Kürze (maximal 60 Zeilen mit 30 Anschlägen) an echo@volksfreund.de (bitte Name und Anschrift nicht vergessen!).?Kontra Tempo 20

Eine Straße ist eine Straße
Von Marcus Hormes
Tempo 50, 30, 20 oder gar Schrittgeschwindigkeit: Kommunalpolitiker und Planer überbieten sich derzeit darin, den Verkehr auszubremsen. So wie beim Pleiten-Modellprojekt in der Trie?rer Saarstraße: Dort gilt ausgerechnet nachts auf gänzlich freier Strecke Tempo 30. Die angestrebte Lärmreduzierung brachte das nachweislich nicht.
Nun ernsthaft zu verlangen, dass Autofahrer über eine wichtige Verkehrsachse wie die Weberbach mit Tempo 20 oder Schrittgeschwindigkeit schleichen, geht an der Realität vorbei. Konsequent wäre dort eine Sackgasse, aber die Straße dichtzumachen, traut sich aus guten Gründen niemand. Denn das würde wegen der nötigen Umfahrung insgesamt nur zu noch mehr Verkehr führen. Tempo 20 würde rund um die Uhr gelten, auch wenn weit und breit kein Fußgänger mehr zu sehen ist. Auch Linienbusse, die den Individualverkehr bekanntlich verringern sollen, würden ausgebremst, der ausgeklügelte Fahrplan ausgehebelt. Womöglich müssten die Zebrastreifen in der Tempo-20-Zone entfernt werden, was neue Sicherheitsfragen aufwerfen würde. Eine Straße ist eine Straße. Solange die autofreie Innenstadt eine Utopie ist, muss der Verkehr zügig abfließen können, statt ihn unnötig zähflüssig zu machen. Tempo 30 in Wohngebieten und an Gefahrstellen macht Sinn, und die Einhaltung muss kontrolliert werden. Aber bitte kein Schleichzwang! m.hormes@volksfreund.dePro Tempo 20

Diese Straße ist ein Platz
Von Michael Schmitz
Vermutlich sind es in der Hochsaison mehrere Tausend Touristen und Einheimische, die sich täglich von der Fußgängerzone aus auf den Weg zur Kontantinbasilika machen - einem der eindrucksvollsten Römerbauwerke in Trier. Dazu müssen sie an der Ecke Weberbach/Konstantinstraße eine Straße überqueren, die mehr Platz ist als Straße. Dass hier jenseits von Anliegern und Parkhausbenutzern überhaupt so ein reger Autoverkehr ist, ist schon schwer nachvollziehbar. Keine Frage also: An dieser Ecke gibt es Verbesserungsbedarf. Tempo 20 einzuführen, wie die Stadtverwaltung es erwägt, ist dabei ein guter Kompromiss. Denn eine solche Tempobegrenzung hätte gleich mehrere Vorteile: Die Sicherheit für die vielen Fußgänger wird dadurch erhöht. Vielleicht schreckt Tempo 20 auch all jene ab, die die Weberbach routinemäßig als vermeintliche Abkürzung für Ostallee beziehungsweise Weimarer Allee nutzen. Und wenn die Stadt sich schon Gedanken über die Verkehrssituation macht, lässt sich bei dieser Gelegenheit vielleicht auch gleich endlich mal der nach wie vor vorhandene, überaus ärgerliche Parksuchverkehr reduzieren, der trotz riesiger Verbotsschilder immer noch die Fußgängerzone quert und über die Johann-Philipp-Straße auf den Kornmarkt fährt. Neue Ideen wie Tempo 20 sollten die Stadtratsfraktionen nicht gleich zerreden, sondern offen diskutieren - und vielleicht auch einfach mal eine Zeit lang ausprobieren. m.schmitz@volksfreund.de
Extra

In der Straßenverkehrsordnung, Paragraf 45 (1c und 1d), heißt es: "Die Straßenverkehrsbehörden ordnen innerhalb geschlossener Ortschaften, insbesondere in Wohngebieten und Gebieten mit hoher Fußgänger- und Fahrradverkehrsdichte sowie hohem Querungsbedarf, Tempo 30-Zonen im Einvernehmen mit der Gemeinde an. (…)
In zentralen städtischen Bereichen mit hohem Fußgängeraufkommen und überwiegender Aufenthaltsfunktion (verkehrsberuhigte Geschäftsbereiche) können auch Zonen-Geschwindigkeitsbeschränkungen von weniger als 30 km/h angeordnet werden." cus