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Heftiger Streit um Pegida in Trier

Trier. Die Alternative für Deutschland Trier hat auf einer öffentlichen Veranstaltung die Bewegung "Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlands" (Pegida) unterstützt und verteidigt. Eine große Gruppe von Pegida-Gegnern hielt mit harter Kritik und dem Vorwurf der Fremdenfeindlichkeit dagegen. Jörg Pistorius

Trier. Michael Frisch sieht eine streng getrennte Zuhörerschaft vor sich. Der seit 2014 für die Alternative für Deutschland (AfD) im Trierer Stadtrat sitzende Lehrer eröffnet den "offenen Bürgertreff" im Saal einer Gaststätte in Trier-Nord vor einer Gruppe von Mitgliedern und Unterstützern seiner Partei, die einer ebenso großen Gruppe junger Skeptiker und Gegner gegenübersitzt. Als eine AfD-Anhängerin, etwas später eingetroffen, nach einem Sitzplatz fragt, weiht einer der Sitzenden sie ein: "Es ist nichts mehr frei, denn das ganze bunte Trier ist da."
Damit hat er nicht Unrecht. Zu der Gruppe der Gegner gehört Nicola Rosendahl, Sprecherin des Vereins "Für ein buntes Trier, gemeinsam gegen Rechts" zusammen mit vielen Sympathisanten. Auch Jungpolitiker und Hochschulgruppen wie die Katholische Studierende Jugend (KSJ) sind vertreten. Sie alle sind nicht gekommen, um die AfD-Veranstaltung zu stören oder gar zu verhindern, sondern um an ihr teilzunehmen und Flagge zu zeigen - gegen Pegida. Denn die AfD Trier hat im Vorfeld angekündigt, über die Bewegung "Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlands" sprechen zu wollen.
Frisch begrüßt die Gruppe der Gegner und garantiert ihnen die gleichberechtigte Teilnahme an der Diskussion. Der AfD-Politiker eröffnet diese mit einem klaren Bekenntnis: "Ich unterstütze Pegida", betont er. "Es gibt eine schleichende Islamisierung unserer Gesellschaft. Es ist ein legitimes Anliegen, die eigene Heimat bewahren zu wollen." Aus den Pegida-Thesen, darunter der "Vorrang und Schutz der Abendlandkultur", lasse sich kein Rassismus ableiten. "Das sind vernünftige Fragen, die auf demokratiefeindliche Weise geächtet werden." Politik und Presse bilden, so Frisch, eine "Front gegen das eigene Volk".
Nicola Rosendahl meldet sich, Frisch erteilt ihr sofort das Wort. "Pegida schürt rassistische Ressentiments, die man natürlich deutlich zurückweisen muss", betont sie. Als Frisch sie für ihre Diskussionsbereitschaft lobt, weist sie ihn zurück: "An einer Debatte mit Befürwortern ist mir nicht gelegen."
Rosendahl erhält Unterstützung von Sebastian Tittelbach, er repräsentiert die Katholische Studierende Jugend Trier. "Die Pegida-Forderungen zeigen in der Tat keinen offenen Rassismus", räumt er ein. "Aber sie wirken suggestiv und stellen Zusammenhänge her, die fremdenfeindliche Tendenzen schüren." Versammlungsleiter Frisch behält angesichts empörter Zwischenrufe die Nerven und rüffelt auch die eigenen Leute, wenn sie zu laut werden: "Wir sind eine offene und tolerante Gruppe."
Inhaltlich ist damit alles gesagt. Den Rest des Abends prägen Momentaufnahmen: Jonas Becker von der Grünen Jugend Trier erklärt "Der Islam hat uns den Döner gebracht", ein AfD-Anhänger wedelt mit dem Büchlein "Der Islam von A bis Z", ein weiterer sagt "Wenn ich mein Leben lang hier gearbeitet habe, dann möchte ich auch bestimmen, wer hier einreisen darf." Die Gruppen trennen sich friedlich.Meinung

Mit Entschlossenheit dagegen
Die Alternative für Deutschland Trier gibt offen zu erkennen, dass sie ein realitätsfernes und fremdenfeindliches Gedankengut unterstützt. Denn nichts anderes sind die Forderungen der Pegida-Bewegung. Allein schon die "Islamisierung des Abendlandes" ist völliger Unsinn. Weder nehmen muslimische Einflüsse in Deutschland in schädlicher Weise überhand, noch dominieren sie die Kriminalitätsstatistiken. Die Pegida-Repräsentanten bleiben deshalb diffus und schüren damit die ebenfalls diffusen Sorgen vieler Menschen, die selbstverständlich keine Rassisten sind, aber gerade jetzt durch die Präsenz vieler Flüchtlinge und Asylbewerber verunsichert und überfordert werden und irreale Ängste auf diese projizieren. Die AfD hat ihre Karten auf den Tisch gelegt. Sie fordert, ihre Meinung sagen und für diese werben zu dürfen. Das darf sie auch, denn ihre Vertreter wurden demokratisch gewählt, ihre Partei ist nicht verboten. Die Folgen sind klar: Viele Politiker, Vereine und einzelne Meinungsträger werden diesen Thesen mit derselben Konsequenz und Entschlossenheit entgegentreten, die in Trier schon seit Jahren den Kampf gegen Fremdenfeindlichkeit prägen. j.pistorius@volksfreund.deExtra

Die Bewegung "Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlands" ist ein Demonstrationsbündnis und eingetragener Verein. Initiator ist Lutz Bachmann (41), der im Oktober damit begann, Demonstrationen in Dresden zu organisieren, die sich gegen die derzeitige Einwanderungs- und Asylpolitik des Bundes richten. Die Demos fanden auch in anderen Städten statt. Die Alternative für Deutschland sieht laut Frauke Petry, eine von drei Sprechern des Bundesvorstands, "inhaltliche Schnittmengen" mit Pegida und strebt eine Zusammenarbeit an. jp