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Spiel und Spaß mit Springer, Läufer und Dame

Viktor Reichert aus Trier Feyen spielt seit seinem vierten Lebensjahr Schach. Seit acht Jahren ist der 18-Jährige Mitglied der Schachgesellschaft Trier. Dem TV hat er erzählt, was seinen Verein auszeichnet.

"Das Klischee der langweiligen Schachspieler, die stundenlang vor einem Brett sitzen, erfüllen wir hier nicht. In unserem Verein ist Leben. Es gibt viele verschiedene Typen von Menschen. Wir sind einfach ein bunter Haufen.
In der Schachgesellschaft sind 24 Nationalitäten vertreten. Das wird auch deutlich, wenn man unseren Trainingsraum anschaut. Wir trainieren in einer Schule. Wir haben keinen extra Vereinsraum, sondern nutzen die Mensa. Besonders stolz sind wir auf unsere Bundesliga-Mannschaft, die sehr erfolgreich ist. Sie ist aber keine Gruppe für sich, sondern fest integriert in den ganzen Verein.
Es herrscht einfach viel Nähe. Das erlebe ich auch als Trainer der Kleinen. Seit vier Jahren trainiere ich mit den Kindern und Jugendlichen. Das Training findet jeden Freitag in der Medardschule in Trier-Süd statt. Insgesamt trainieren wir zwar 76 Jugendliche, trotzdem kennen wir jeden Einzelnen. Man weiß einfach, was jeder kann. Es ist so schön, wenn man hinter seinem Schützling steht und weiß, welchen Zug er machen sollte und er tut es dann tatsächlich.
Die Erfolge unserer Schüler sind auch unsere Erfolge. In der Arbeit als Trainer sehe ich, wie sich die Kinder und Jugendlichen verändern. Viele waren zu Beginn des Trainings unruhig und unkonzentriert. Mit dem Schachspielen wächst die Konzentration. Das kann auch für die Schule nützlich sein. Schach ist für viele Jugendliche ein Ausgleich zum Schulleben, aber auch zu anderen Freizeitbeschäftigungen wie Fußball oder Basketball. Schach wird hier einfach als Spiel gesehen, nicht als Sport. Es geht mehr um den Spaß als um die Leistung. Es wird gelacht und auch mal ein Scherz gemacht. An anderen Tagen wird dann aber auch wieder konzentriert gelernt.
Um die Kinder und Jugendlichen zu motivieren, laden wir Großmeister aus verschiedenen Ländern ein. Vor dem letzten Bundesliga-Wochenende war der Trierer Dietmar Kolbus, der derzeit auf der Isle of Man (einer Insel in der Irischen See) lebt, zu Besuch. Viele Kinder sind gekommen, die sonst nicht regelmäßig zum Training kommen."
Aufgezeichnet von Anna-Sophie Schindler

In unserer neuen TV-Serie "Mein Verein" lassen wir Sie, liebe Leserinnen und Leser, zu Wort kommen. Jeden Mittwoch stellen wir einen Verein aus der Perspektive eines Mitglieds vor. Dazu gibt es die wichtigsten Daten über den Verein in Kurzform. Sie wollen Ihren Verein vorstellen? Schreiben Sie uns bitte eine E-Mail mit einigen Daten an
trier@volksfreund.de
Die Schachgesellschaft Trier besteht aus zwei Vereinen: Die Schachgesellschaft Trier Turm wurde 1877 gegründet. Dort spielten die Profis und die Bundesligamannschaft. Im Schachclub Trier-Süd ging es in erster Linie um die Jugendarbeit. Mit der Fusion der beiden Vereine wollte man Schach als Sport fördern und den Amateursport mit dem Leistungssport vereinen - mit Erfolg. Heute zählt die Schachgesellschaft 164 Mitglieder, darunter 76 Kinder und Jugendliche. Der älteste Spieler ist 81 Jahre alt und der jüngste sechs Jahre. Vorsitzender ist Kurt Lellinger. Er ist Ansprechpartner für Interessierte: Telefon 0651/36215. Weitere Infos gibt es unter www.sgtrier.de. Wer Interesse am Schach hat, kann vom 1. bis 3. August unverbindlich zum Mattheiser Ferienturnier vorbeikommen. ass Die neunjährige Charlotte Sanati aus Trier ist bei ihrer zweiten Teilnahme an der deutschen Meisterschaft in Oberhof, Thüringen, in der Klasse U 10 deutsche Meisterin geworden. In ihrer Altersklasse hat sich die Schülerin gegen 92 Konkurrenten durchgesetzt. Von elf Spielen gewann Sanati sechs und spielte einmal Unentschieden. "Es war anstrengend. Ich musste nicht nur meine Partien spielen, sondern mich darauf vorbereiten und am Ende jedes Spiel analysieren." Der Höhepunkt des neuntägigen Turniers war eine Blitzpartie gegen den französischen Großmeister Laurent Fressinet. Die Neunjährige konnte die Partie zwar nicht gewinnen, hat sich aber für die EM in Bulgarien und die WM in Brasilien im Herbst 2011 qualifiziert. ass