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Eine tote Leitung und viel Ärger - Telekom kappt voreilig Anschluss von Mehringer Winzer

Bei Problemen mit der Telekom soll es die Service-Hotline richten – vorausgesetzt, man erreicht jemanden. TV-Foto: Christian Kremer
Bei Problemen mit der Telekom soll es die Service-Hotline richten – vorausgesetzt, man erreicht jemanden. TV-Foto: Christian Kremer
Mehring. Der Mehringer Winzer Robert Schroeder ist sauer auf die Telekom. Mehrere Tage war er ohne Telefon- und Internetanschluss, weil der Konzern die alte Anlage lahm legte, bevor die Geräte für die neue geliefert waren. Albert Follmann

Mehring. Robert Schroeder (64) war von der Außenwelt abgeschnitten - und das mitten in der Saison. Der Winzer und Gästehausbetreiber aus Mehring konnte vergangene Woche mehrere Tage nicht telefonieren, nicht faxen und auch nicht ins Internet gehen. Alle Anschlüsse waren tot, was nicht nur ärgerlich ist, sondern auch schlecht fürs Geschäft. Dabei wollte Schroeder mit der Telekom in das Zukunftsnetz Internet-Protokoll (IP, siehe Extra) einsteigen.

Insbesondere das Versprechen, er bekomme schnelleres Internet, überzeugte Robert Schroeder. Der Anruf kam von einem Call-Center. "Die haben sich im Auftrag der Telekom gemeldet, der Anrufer hat mit ausländischem Akzent gesprochen", sagt er. Schon bald nach der mündlichen Einwilligung habe der Konzern die alte ISDN-Leitung abgeschaltet. Das wäre auch kein Beinbruch gewesen, hätte Schroeder zu diesem Zeitpunkt die Endgeräte für die IP-Technik gehabt. Aber die sind bis heute nicht geliefert worden. "Ohne passendes Endgerät ist man tot", sagt Peter Dartsch. Er ist Stammferiengast bei den Schroeders, hat beruflich mit Computertechnik zu tun und bot sich an, zu helfen. Zunächst habe er versucht, über die Hotline der Telekom weiterzukommen, berichtet Dartsch. Alle Mitarbeiterplätze seien belegt gewesen, nach 40 Minuten habe sich dann endlich eine Dame gemeldet. Zur Lieferung für Herrn Schroeder habe sie nichts sagen können, aber dazu, dass eine Rückabwicklung auf ISDN zehn Tage dauern würde. Die Dame sei sehr bemüht gewesen, sagt Dartsch, und habe schließlich als Option ein Leihgerät aus einem Telekom-Laden empfohlen.

Im Telekom-Laden in Trier erfuhr Peter Dartsch dann, dass kein Leihgerät zur Verfügung steht. "Die hatten nur Altgeräte auf Lager, die nicht IP-fähig sind." Was hingegen in den Regalen lag, waren Neugeräte für 220 Euro. Dartsch kaufte schließlich auf Geheiß von Robert Schroeder einen Router "Speedport" und einen ISDN-Adapter, baute die Geräte noch am gleichen Tag in Mehring ein und konfigurierte sie. Es funktionierte auf Anhieb. Tags zuvor, berichtet der Moselurlauber, habe sich ein Anrufer von der Telekom aus Bonn über Handy bei ihm gemeldet und gesagt, er würde sich um eine Teillieferung für Herrn Schroeder bemühen. Dartsch lehnte dankend ab: "Dann hätte Robert zwar Internet gehabt, aber kein Telefon." Fast drei Tage war die Familie Schroeder ohne Telefonanschluss. Die versprochene Lieferung sei immer noch nicht da. Gegenüber unserer Zeitung teilt die Telekom mit, man werde alles daran setzen, dem Kunden zu helfen. Lieferschwierigkeiten gebe es keine, es sei genügend Hardware vorhanden. Je nach Betriebsweg könne es jedoch vereinzelt zu Verzögerungen kommen, was wohl bei Herrn Schroeder der Fall gewesen sei. Im Übrigen funktioniere dessen Anschluss ja wieder. "Das stimmt", sagt Robert Schroeder, "aber ohne Zutun der Telekom".Meinung

Mit Risiken und Nebenwirkungen
Die Telekom verfolgt derzeit mit großem Eifer die Umstellung auf die Internet-Telefonie. Einige Medien berichten, dass Kunden sogar mit der Kündigung ihrer Verträge gedroht wird, wenn sie nicht binnen vier Wochen umstellen. Die Internet-Telefonie ist zwar recht günstig, aber Verbraucherschützer warnen vor "neuartigen Problemen", die auftreten können. Das störungsfreie Telefonieren sei nämlich von einer funktionierenden DSL-Leitung und einer ausreichenden Übertragungsqualität abhängig. Hinzu kommt, dass nicht jeder Kunde wie Robert Schroeder aus Mehring einen Computerspezialisten bei der Hand hat, der beim Einbau der Endgeräte behilflich sein kann. Viele werden am Ende aus lauter Verzweiflung den Techniker vom Elektro-Fachhandel anheuern, weil sie mit der Installation nicht klarkommen. Es ist kaum davon auszugehen, dass die Verkäufer im Call-Center auf Risiken und Nebenwirkungen der neuen, offenbar noch nicht ausgereiften Technik eingehen. Ach ja: Und Pannen, wie das verfrühte Abschalten einer Leitung, das kann ja mal vorkommen ... a.follmann@volksfreund.deExtra

IP steht für Internet Protokoll und bedeutet, dass alle Verbindungen wie Telefonieren, Faxen, Surfen, Mailen und Fernsehen über das Internet laufen. Kunden müssen dafür unter Umständen einen neuen Router kaufen. IP ersetzt die alte ISDN-Technik. Die Telekom hat sich zum Ziel gesetzt, bis Ende 2014 in Deutschland vier Millionen Kundenanschlüsse auf die neue Technik umgestellt zu haben. alf