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Tiere
Auf dem Laufband gibt Jule alles

Tiertherapeutin Daniela Helbach setzt den Laser zur Behandlung von „Jule” ein, einer Jack Russel-Hündin. Die Hundehalter Uta Fischer und Werner Lorig schauen mit Schutzbrillen zu.
Tiertherapeutin Daniela Helbach setzt den Laser zur Behandlung von „Jule” ein, einer Jack Russel-Hündin. Die Hundehalter Uta Fischer und Werner Lorig schauen mit Schutzbrillen zu. FOTO: Albert Follmann
Schöndorf. In Schöndorf gibt es ein Reha-Zentrum, in dem Hunde und Katzen fit gemacht werden.
Albert Follmann

Man könnte meinen, Jule wüsste, dass sie sich erst plagen muss, damit es ihr später besser geht. Die zierliche und zutrauliche Jack Russel Terrier-Hündin hat Probleme mit dem linken Hinterlauf – eine beginnende Arthrose. Der Muskel hat sich bereits zurückgebildet. Jetzt trabt Jule tapfer auf dem Laufband. Heute sind es zehn Minuten, die nächste Trainingseinheit wird 15 Minuten dauern. Die Hündin soll sich daran gewöhnen, wieder normal zu laufen und nicht im Schongang auf drei Beinen, was ihren Zustand nur verschlimmern würde.

Tierphysiotherapeutin Daniela Helbach (34) hält die zehnjährige Hundedame ganz kurz am Halsband, übt vorne leichten seitlichen Druck aus, den Jule hinten links ausgleichen muss, damit sie Richtung und Geschwindigkeit auf dem Laufband beibehalten kann. Das ist der Sinn der Übung. So wird die verkümmerte Muskulatur trainiert und gestärkt.

Der Laufübung schließt sich eine Magnetfeldtherapie an. Sie soll bei Jule  die Schmerzen lindern und die Regeneration fördern. Dann folgt eine Lasertherapie. Die Strahlen stärken Zellen und Gewebe. Auch die richtige Ernährung gehört zur ganzheitlichen Behandlung. Jule bekommt Vitamin B, das entspannt die Muskeln und bringt mehr Sauerstoff ins Blut.

Zum sechsten Mal sind die Besitzer Werner Lorig und Uta Fischer aus Trier-Irsch mit ihrem kleinen Schützling zur ambulanten „Reha” ins Tiergesundheitszentrum nach Schöndorf gekommen. Das Tiergesundheitszentrum „Theravet” ist die einzige Einrichtung dieser Art in der Region.

„Warum sollten Besitzer ihren Tieren weniger Gutes tun als sich selbst?”, sagt Geschäftsführer Ralph Franzen (41). Der Hersteller und Vertreiber von medizinisch-technischem Gerät erkannte früh das Potenzial, das in der Tierphysiotherapie steckt. Sein Credo lautet: die Ursachen bekämpfen und nicht die Symptome.

Nach einigen Jahren als Serviceleiter einer Firma, die Laser vertrieb, machte sich Franzen selbstständig. Das Tiergesundheitszentrum eröffnete der Schöndorfer kürzlich in seinem Heimatort in den Räumen eines ehemaligen Lebensmittelladens in der Hauptstraße. Einige Apparaturen, die dort im Einsatz sind, hat er mit entwickelt.

Überwiegend werden Hunde behandelt, aber auch Katzen und Pferde. Letztere besucht Therapeutin Helbach vor Ort.  Eine Behandlungseinheit kostet etwa 50 Euro pro Stunde. Störend auf die Nachbarschaft wirke sich der Betrieb nicht aus, sagt der Geschäftsführer. Mehrere Tiere seien nie gleichzeitig da, es gebe nur Einzelbehandlungen.

Großen Wert legt Franzen auf die Kooperation mit Tierärzten. Eine Konkurrenz gebe es nicht. Oft kontaktiere man sogar Tierärzte, um mehr über die Krankheitsentwicklung der zu therapierenden Tiere zu erfahren. So war es auch bei Jule.

Als ihren Mentor und Ansprechpartner für besonders schwierige Fälle bezeichnet Therapeutin Daniela Helbach den Longuicher Tierarzt Thomas Backhaus. Bei ihm hat sie viele Jahre gearbeitet. Backhaus behandelt nach dem Prinzip der biologischen Ganzheitsmedizin. Die von ihm entwickelte Tierfutter-Produktlinie 5E wird auch im Theravet angeboten.

Jack Russel-Hündin Jule, darin sind sich Halter und Trainerin einig, hat große Fortschritte gemacht. Nach einem Monat seien die Verspannungen an der Wirbelsäule verschwunden, sagt Daniela Helbach. Jule mache einen fitten Eindruck, die Augen seien klarer, das Fell glänzender. Eine offene, juckende Hautstelle, an der sich Jule vorher immer gekratzt und geleckt habe, sei durch die Laserbehandlung fast vollständig verheilt. Ihre Empfehlung an die Besitzer bis zur nächsten Reha-Einheit: mit Jule hügelige Passagen beim Gassigehen einbauen. Das trainiert den Hinterlauf ...