Der auf den Herzschlag horcht

Der auf den Herzschlag horcht

Neuer Chef, neue Sitten: Seit drei Monaten haben die Gerolsteiner Fernmelder einen neuen Kommandeur. Nach der Phase des Kennenlernens zieht Oberstleutnant Uwe Larsen (49) eine erste Bilanz.

Gerolstein. (mh) Uwe Larsen, seit Ende März neuer Kommandeur des Führungsunterstützungsbataillons 281 in Gerolstein, mag es sportlich und ist gerne an der frischen Luft. Und daher werden sich die Soldaten in den nächsten zwei Jahren (so lange bleibt normalerweise ein Kommandeur in Gerolstein) daran gewöhnen müssen, dass ihnen der Neue öfter mal unangemeldet über die Füße läuft.

Einmal pro Woche Bataillons-Spaziergang



"Ich mache mindestens einmal pro Woche meinen Bataillons-Spaziergang, bei dem ich mich so durch den Verband treiben lasse und mal hier, mal da reinschaue", berichtet Larsen. "Und wenn ich sehe, dass es nicht läuft, Soldaten rumlungern oder nicht ihrer Arbeit nachgehen, dann stelle ich das auch sofort ab. Aber nicht, ohne mit dem Soldaten zu reden und auch seinem Kompaniechef ein Feedback zu geben. Denn die Kommunikation erachte ich als sehr wichtig", sagt der verheiratete 49-jährige Vater zweier Söhne (4 und 6 Jahre). "Das mache ich bei meinen Jungs übrigens auch immer so." Durch die Spaziergänge will er "ein Gefühl für den Herzschlag des Bataillons" bekommen, sehen, wo es gut läuft, wo weniger gut.

Grundsätzlich aber sagt der Oberstleutnant im Generalstab, der einer der jüngsten Kommandeure in der Geschichte der Gerolsteiner Fernmelder ist: "Ich habe sehr gute Leute hier, habe einen intakten Verband übernommen und profitiere von der guten Arbeit meines Vorgängers."

So könne er nun nach dem Kennenlernen daran gehen, eigene Akzente zu setzen. Die sollen erstens darin liegen, "jetzt, wo wir endlich das notwendige Material dafür haben, die fernmeldespezifische Ausbildung wieder zu verstärken". Ein Problem, das auch sein Vorgänger Egbert Fikowski öfter bemängelt hat. Zweitens will er die Belastungen der vielen Auslandseinsätze "gleichmäßig auf alle verteilen, was in der Vergangenheit nicht funktioniert hat - auch wenn das alles seine Gründe hatte".

So sei von den sieben Komapaniechefs, die alle schon viele Jahre dabei sind, erst einer im Auslandseinsatz gewesen. "Das geht nicht, denn in erster Linie sind sie es ja, die die Soldaten nach Afghanistan oder ins Kosovo abkommandieren. Da müssen sie auch wissen, was das für den Soldaten und seine Familie bedeutet", sagt der Kommandeur, der selbst Auslandserfahrung aufweist. Deshalb weiß er: "So ein halbjähriger Auslandseinsatz ist eine enorme Belastung. Da haben wir in der Bundeswehr erhebliche Probleme, auf jeden Fall mehr als es die offiziellen Verlautbarungen glauben machen wollen", spricht Larsen ein offenes Wort.

Erst kürzlich habe er mit einem 26-jährigen Feldwebel gesprochen, der gerade vor seinem vierten Auslandseinsatz stand und erst seit zwei Jahren verheiratet ist. Larsen sagt: "Solange ich hier Kommandeur bin, geht niemand, wenn er aus familiären Gründen erhebliche Bedenken dagegen hat." Und die Reaktion auf seine Ankündigung, dass jeder einmal an der Reihe ist? "Ein Hurra erwarte ich nicht. Das ist unser Alltag", sagt der Oberstleutnant knapp.