Dreilappenkrebse aus dem Weinberg

Dreilappenkrebse aus dem Weinberg

KERPEN. Mehr als 3000 Besucher werden am Sonntag, 18. Juni, zur Georallye zwischen Schuld/Ahr und Dreis-Brück erwartet. Eine Station ist bei Erwin Wirtz in Kerpen. Der Archäologe wird erstmals eine außergewöhnliche Sammlung präsentieren, denn bereits sein Urgroßvater sammelte Fossilien.

"Professoren der berühmten Cambridge-Universität sind 1839 und 1840 oft bei meinem Urgroßvater gewesen. Auch Professor Adam Sedgewick, der Lehrer von Charles Darwin, war dabei", berichtet der 68-jährige Wirtz stolz. Damit kann er punkten, denn immerhin hat Darwin 1859 die Evolutionstheorie veröffentlicht. Wirtz erzählt weiter: "Die englischen Professoren waren zusammen mit Kollegen aus Bonn hier. Sie wollten die Altersstufen der Erdgeschichte gliedern." Die Wissenschaftler bekamen von Jakob Wirtz senior (1850 bis 1930) wertvolle Tipps. Urenkel Erwin, ebenfalls gebürtiger Kerpener, lässt allen Berichten Beweise folgen. Er legt historische Bücher vor, in denen die Vorlesungen der damaligen Chemie- und Geologie-Professoren aufgezeichnet sind. Außerdem besitzt er eine Dissertation von 1883, die Doktorarbeit eines Berliner Studenten über die Eifelkalkmulde Kerpen. Die historische Landkarte daraus hat er vergrößern lassen und als Kopie für die Ausstellung am Sonntag aufgehängt. Die Besucher seiner Ausstellung erwarten viele authentische Berichte. Der 68-Jährige ist ein wahres "Eifel-Geo-Lexikon". Schmunzelnd verrät er: "Schon seit Kindertagen habe ich mich damit beschäftigt. Als Siebenjähriger konnte ich nicht eher einschlafen, bis ich meine Schatzkiste an einem sicheren Ort wusste." Sein Vater Jakob junior (1900-1978) machte es ihm vor. Der Gemischtwarenladen der Familie Wirtz sei in den 50er- und 60er- Jahren Anlaufstation für viele Geologie-Interessierte gewesen. Im Gästebuch stehen Einträge von Besuchern der ganzen Welt, vor allem Araber und Asiaten. Wirtz erinnert sich: "Wir zählten pro Jahr zwischen 500 und 1000 Besucher." Vom Vater lernte er viel. Der Vater fand bei Grabungen einen besonders großen Tintenfisch. Beim Brechen der Steine für den Bau des Elternhauses wurden 1932 am Weinberg, am Ortsrand von Kerpen, etliche Trilobiten (versteinerte Dreilappenkrebse) gefunden. "Sie sind etwa 380 Millionen Jahre alt und damit aus der Mitteldevon-Zeit", erklärt der Archäologe. Um den Besitz dieser Exponate beneidet ihn manches Museum.Eine enorme Aufwertung für die Eifel

Aber auch versteinerte Korallenkolonnen, etwa in der Größe eines halben, prallen Kopfkissens, zeigt Wirtz in seiner Geo-Sammlung. Besonders auffallend daran sind die exakt sechseckigen Ausbuchtungen in Größe einer 50-Cent-Münze, die den gesamten Steinbrocken überziehen. Die filigranen Muster dieser außergewöhnlichen Fossilien lassen für den Betrachter Ehrfurcht vor der Natur und der Erdgeschichte spürbar werden. Auch Manfred Schmitz, Chef der Hillesheimer Urlaubsregion, ist begeistert. Er sagt: "Die Sammlung hält jedem Vergleich mit Ausstellungen in bekannten Museen stand." Schmitz meint: "Die Einheimischen sollten auch die Chance nutzen und sich die Premiere ansehen." Wirtz, der engen Kontakt zu den Bonner Geologen hat, arbeitet seit Wochen an den Vorbereitungen für die Ausstellung. Damit der Besucherstrom gelenkt wird, hat er die Vitrinen und Ausstellungstische in einem Rundgang durch das ehemalige Hotel Burghof im Kerpener Ortskern arrangiert. Touristikchef Schmitz fühlt sich dem Ansturm am Sonntag gewachsen: "Erfahrungsgemäß verteilen sich die Besucher auf die einzelnen Stationen, und mehr als vier der zehn großen Anlaufpunkte schafft man sowieso nicht." Für den Geotourismus in der Eifel bedeute die Georallye der drei Institute (Geologie, Paläontologie und Mineralogie-Petrologie) der Bonner Universität "eine enorme Aufwertung". Weitere Informationen zur Georallye stehen auf der Internetseite www.georallye.de