| 11:36 Uhr

Bildung
„Seid wachsam und kritisch“

 Die Ausstellung „Gegen das Vergessen“ mit den Eindrücken einer Gruppe Gerolsteiner Gymnasiasten von einer Studienfahrt nach Polen ist zurzeit in der KSK Vulkaneifel in Daun zu sehen. Das Foto zeigt die Schüler und ihre Lehrer sowie ihre Gesprächspartner –  darunter Dieter Burgard (links) von der rheinland-pfälzischen Staatskanzlei – bei der Eröffnung der Ausstellung.
Die Ausstellung „Gegen das Vergessen“ mit den Eindrücken einer Gruppe Gerolsteiner Gymnasiasten von einer Studienfahrt nach Polen ist zurzeit in der KSK Vulkaneifel in Daun zu sehen. Das Foto zeigt die Schüler und ihre Lehrer sowie ihre Gesprächspartner –  darunter Dieter Burgard (links) von der rheinland-pfälzischen Staatskanzlei – bei der Eröffnung der Ausstellung. FOTO: Brigitte Bettscheider
Daun/Gerolstein. Eine Schülergruppe des St. Matthias-Gymnasiums (SMG) Gerolstein zeigt in der Kreissparkasse (KSK) Vulkaneifel in Daun eine Ausstellung, die ihre bei einer Studienfahrt nach Auschwitz gewonnenen Einblicke in die Grauen der Nazizeit dokumentiert.

Schon der Blick auf das klug komponierte Konzept der Ausstellungseröffnung macht deutlich, dass es den Beteiligten um weit mehr geht als um die Präsentation von acht Tafeln, auf denen das Lagerleben von Auschwitz und Birkenau, die Begegnung mit einem 96-jährigen Zeitzeugen, die Jugendbegegnungsstätte, das nahe Krakau und die Geographie dokumentiert werden – äußerst professionell übrigens.

  Die Eröffnung der Ausstellung war eine Gedenkstunde, in der vor allem eins deutlich wurde: Ein Besuch in Auschwitz verändert den Menschen. Und wenn es sich - wie in diesem Fall - bei den Besuchern um ein Dutzend Oberstufenschüler (siehe Info) handelt, die nun ihre Einblicke, Eindrücke, Erlebnisse und Erfahrungen aus der Studienfahrt im Mai vergangenen Jahres mit möglichst vielen Menschen teilen wollen, wird diese Veränderung allein schon greifbar in ihren Äußerungen. Etwa wenn Helena Steffes sagt: „Auschwitz ist bedrückend und beeindruckend gleichzeitig. Es ist beklemmend und macht betroffen.“ Oder Anke Laub einräumt: „Trotz der intensiven Vorbereitung auf den Auschwitz-Besuch konnte ich das Unfassbare, das ich dort gesehen habe, nicht fassen.“ Und Caspar Schwarz erklärt: „Der Zeitzeuge hat uns die Verantwortung mitgegeben, die Erinnerung an die schreckliche Zeit zu bewahren.“

Die betreuenden und begleitenden Lehrer Jennifer Hoffmann und Thorsten Moog bringen es so auf den Punkt: „Die Auseinandersetzung mit dem millionenfachen Mord an den europäischen Juden in seiner schärfsten Form an dem konkreten Ort lässt wachsen und fürs Leben lernen.“ Und betonen: „Jeder, der einem Zeitzeugen zuhört, wird selbst zum Zeugen.“

    Ein Besuch in Auschwitz verändert den Menschen: Wie ein roter Faden zieht sich der Satz durch die Beiträge der weiteren an der Ausstellungseröffnung Beteiligten. So hebt Landrat Heinz-Peter Thiel, auch Vorsitzender des Stiftungsrates der KSK-Stiftung, die die Studienreise und die Ausstellung finanziell unterstützte, hervor, wie wichtig und wertvoll es bei zunehmendem Antisemitismus sei, dass die Schülergruppe mit ihren Eindrücken an die Öffentlichkeit gehe. Moderator Tim Becker sagt: „Meine Polenreise mit Besuch von Auschwitz vor 30 Jahren war prägend für mein Leben.“

Und bescheinigt den Gerolsteiner Gymnasiasten: „Ihr seid mit dem sehr heiklen Thema sehr sensibel umgegangen und präsentiert es nun vorbildlich und  kompakt.“

   „Das Fremde bleibt fremd“, meint Dieter Burgard, ehemals Bürgerbeauftragter und neuerdings im Auftrag der Ministerpräsidentin „für jüdisches Leben und Antisemitismusfragen“ tätig, mit Blick darauf, dass Menschen und Einrichtungen jüdischen Glaubens in Deutschland nicht allgemein bekannt und zudem gefährdet seien. Sein Appell an die Schüler: „Seid wachsam und kritisch, engagiert euch für die Demokratie, zollt allen Menschen Respekt.“ Im Rahmen der Ausstellungseröffnung weist Christa Karoli vom Forum Eine Welt auf das Buch „Gegen das Vergessen“ hin, das der Ausstellung der Schüler den Titel gab (siehe Info). Die musikalischen Beiträge von Hubert Blaum (Klavier) und Claudia Scheiner (Gesang) tragen zum äußerst nachdenklichen und zuweilen traurigen Charakter der Veranstaltung bei.

Die Dokumentation „Gegen das Vergessen“ der SMG-Schülergruppe kann bis zum 5. April während der Schalteröffnungszeiten der KSK Vulkaneifel in der Leopoldstraße 1 in Daun besichtigt werden. Kontakt und Info: Telefon 06592/9350, E-Mail: kultur@ksk-vulkaneifel.de.