Gewerbe- und Verkehrsverein (GVV) Daun und Gewerbeverein Gerolstein und die Internet-Konkurrenz

Wirtschaft : Projekt Online-Kaufhaus: Kein Zeitdruck beim Gewerbeverein

Wie kann sich eine Einkaufsstadt gegenüber der Internet-Konkurrenz behaupten? Ein Beispiel aus Siegen ist den Mitgliedern des Gewerbe- und Verkehrsvereins Daun präsentiert worden.

Dass dürfte wohl eine Premiere gewesen sein: Der Gewerbe- und Verkehrsverein (GVV) Daun hat den Gewerbeverein Gerolstein zu seiner Mitgliederversammlung eingeladen.  Und eine kleine Delegation aus der Brunnenstadt, angeführt vom Geroteam-Vorsitzenden Hans-Hermann Grewe, hat sich auf den Weg in die Kreisstadt gemacht, denn auf der Tagesordnung stand ein Thema, das alle angeht: Welche Möglichkeiten hat der lokale Einzelhandel, sich im Internet zu präsentieren und den Giganten wie Zalando, Amazon oder Ebay zumindest etwas Paroli zu bieten? Denn die großen Online-Einkaufsportale mit ihren Milliardenumsätzen stellen für viele Einzelhändler eine immer größere Bedrohung dar. Denn sie müssen trotz sinkender Einnahmen weiter Service und Beratung bieten, nicht selten für Kunden, die dann ein Produkt doch im Internet kaufen.

„Ganz klar: Das Kaufverhalten hat sich stark geändert, die Kundenfrequenzen sind gesunken“, sagt die GVV-Vorsitzende Stefanie Mayer-Augarde. „Aber das wollen wir nicht einfach so hinnehmen, sondern schauen, wie wir stärker präsent sein können im Internet.“ Über eine Möglichkeit hat sie sich mit ihrer Stellvertreterin Marina Stolz in Siegen in Nordrhein-Westfalen informiert. Dort gibt es seit 2016 das Onlinekaufhaus Lokaso, gegründet von Patrick Schulte. Der ist in die Eifel gekommen, um von seinen Erfahrungen zu berichten. „Mit Lokaso sind wir angetreten, zumindest einen Teil der durch das Internet weggebrochenen Umsätze zurück in die Region holen“, sagt der Unternehmer. Im regionalen Online-Kaufhaus wird das Sortiment der Einzelhändler mit rund 1,5 Millionen Artikeln präsentiert, wer bis 15 Uhr bestellt, bekommt die – kostenlose – Lieferung am selben Tag. Die monatlichen Gebühren belaufen sich zwischen 149 und 249 Euro. Eins zu eins ist das Modell für Daun sicher nicht zu übertragen, denn Siegen hat rund 100 000 Einwohner und damit gut 40 000 mehr als der ganze Kreis Vulkaneifel.

Um ein regionales Online-Kaufhaus starten zu können, sollten laut Schulte mindestens 20 Einzelhändler mitmachen. „Das werden wir in Daun allein kaum schaffen, deshalb schauen wir auch über die Stadtgrenzen hinaus“, sagt Marina Stolz. Und damit kommt gegebenfalls auch Gerolstein ins Spiel, wo man sich laut Hans-Hermann Grewe mit dem Thema Digitalisierung im Einzelhandel auch schon seit längerer Zeit beschäftigt. „Bei unserer nächsten Versammlung werden wir uns damit befassen“, sagt der Gewerbevereinsvorsitzende und stellt in Aussicht, „dass wir mit Daun auf jeden Fall weiter im Gespräch bleiben werden.“

Bevor man sich auf die Suche nach Händlern macht, die sich für das Online-Kaufhaus interessieren, ist die wohl größte Hürde zu überwinden: die Gründung einer Betreibergesellschaft, zwingende Voraussetzung, um überhaupt starten zu können. „Der GVV selbst wird das definitiv nicht leisten können“, stellt die Vorsitzende Stefanie Mayer-Augarde klar. Wie geht es weiter? „Wir setzen uns nicht unter Zeitdruck“, sagt GVV-Geschäftsführer Wolfgang von Wendt. „In kleiner Runde werden wir das Projekt weiter vorantreiben.“