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Läuft - fast schon eine Ewigkeit

Läuft - fast schon eine Ewigkeit

Die Stadt Hillesheim hat den Pachtvertrag für das Hotel Augustinerkloster mit dem Betreiber vorzeitig bis 2030 verlängert. Bemühungen um einen Verkauf sind nicht zu spüren.

Hillesheim Am 1. September werden es zehn Jahre, seitdem das städtische Hotel Augustinerkloster wiedereröffnet wurde und eine neue Ära begann - nach zuvor langem Streit zwischen Teileigentümer und Kommune, Jahren des Leerstands und einem Kommen und Gehen von Interessenten - darunter zwielichtige, Rotlicht-Erfahrene und finanziell Leichtfüßige. Die Stadt Hillesheim nutzte 2006 die Gelegenheit und kaufte den ihr noch nicht gehörenden Restteil des Hauses für 500 000 Euro, steckte anfangs 2,2 Millionen Euro in die Sanierungen (und fortan weitere Hunderttausende) und verpachtete es an die Alemannia aus Frankfurt am Main mit den Geschäftsführern Bernd Gutjahr und Jörg Mintrop. Die haben die Hotel Augustiner Kloster GmbH gegründet, die seither Pächterin ist. Inzwischen hat die Stadt auf deren Wunsch den 2020 auslaufenden Pachtvertrag vorzeitig verlängert: bis 2030. Parallel haben Gutjahr und Mintrop den privaten Pachtvertrag des gemeinsam betriebenen Krimihotels bis dann verlängert. Die vereinbarte Pacht fürs Augustinerkloster ist laut Stadtbürgermeister Matthias Stein (CDU) erneut gestaffelt. "Und sie liegt höher als bisher", sagt er, will aber keine konkreten Zahlen nennen. Laut TV-Informationen startete sie bei 50 000 Euro jährlich und lag zuletzt bei 90 000 Euro. Stein sagt dazu: "Damit können beide Seiten gut leben. Wir haben einen guten Partner, und der Betreiber soll auch merken, dass die Stadt ein ebenso guter Partner ist." Das bestätigt auch Bernd Gutjahr: "Auch wenn sich die Stadt etwas mehr Pacht gewünscht hat, ging alles sehr geräuschlos und ohne Stress über die Bühne." Die Verlängerung sei erwünscht gewesen, weil "einige beachtliche Investitionen anstehen, und für die brauchen wir Planungssicherheit" (siehe Extra). Festgehalten wurde an der Vereinbarung, wonach die Stadt regelmäßig erforderliche Unterhaltungs- und Modernisierungsarbeit am Haus vornimmt. Dafür werden jährlich 50 000 Euro in den Etat eingestellt. In diesem Jahr werde daraus aber nichts, da die Kommunalaufsicht der Stadt den Posten gestrichen hat wie der Stadtbürgermeister mitteilt. Dennoch sagt er: "Wenn es der Haushalt hergibt, werden wir auch künftig über die reine Instandhaltung hinaus ins Haus investieren, denn es muss modern und auf dem Vier-Sterne-Niveau bleiben." Laut altem und auch neuem Vertrag übernimmt die Stadt beispielsweise die Kosten für die Sanierung der Bäder - wohingegen der Betreiber für die Zimmerrenovierung aufkommt. Stein begründet das finanzielle Engagement so: Das Hotel, das seinesgleichen in der Region suche und hervorragend betrieben werde, bringe enorm viel Kaufkraft in Stadt und Region und sein ein wichtiger Arbeitgeber. "Jeder Euro, den wir ins Haus stecken, bedeutet erfolgreiche Wirtschaftsförderung", sagt Stein.Ein Verkauf des Hauses, wie bereits vor zehn Jahren und fortan immer wieder von der Kommunalaufsicht gefordert, hat angesichts der Vertragsverlängerung offensichtlich keine Priorität mehr. Zwar betonen Kommunalaufsicht und die übergeordnete Aufsichtsrat- und Dienstleistungsdirektion (ADD) weiterhin, dass es nicht Aufgabe einer Kommune sei, ein Hotel zu besitzen - und der Verkauf weiterhin Thema sein müsse. "Aber sie sehen auch, dass es gut ist, so wie es läuft", sagt Stein. Erst kürzlich sei eine Delegation der ADD vor Ort gewesen. "Sie wollen nun jährlich wissen, wie es um die Verkaufsverhandlungen bestellt ist, und diese Info werde ich ihnen natürlich zukommen lassen", sagt Stein. Einen Makler werde er aber "selbstverständlich nicht" einschalten, "und wir werden das Haus auch mit Sicherheit nicht an jeden verkaufen, sondern es muss schon ein tolles Angebot mit einem tollen Betreiber vorliegen", betont Stein. Ohnehin habe die Augustiner-Kloster GmbH ein vertraglich fixiertes Vorkaufsrecht. Und nach den vielen Erfahrungen könne er sich nur einen Verkauf an den jetzigen Partner vorstellen. Zum Thema Kauf sagt Betreiber Gutjahr "das Gleiche, wie seit Jahren": "Wenn jemand etwas verkaufen will, muss er sagen, was und zu welchem Preis. Die Stadt ist da aber noch nie konkret geworden. Wir sind gesprächsbereit, aber auch mit der jetzigen Situation zufrieden." Während das Thema Kauf/Verkauf demnach kein großes ist, macht man sich bereits Gedanken um den 1. September. Denn, so Gutjahr: "Zehn Jahre sind bei diesem Haus ja schon so etwas wie eine kleine Ewigkeit. Das sollte gefeiert werden." KommentarMeinung

Feier ist angebracht, Verkauf ebenfallsHerzlichen Glückwunsch! Das Hotel Augustinerkloster ist nach seiner Wiedergeburt vor zehn Jahren prächtig gediehen und hat allen voran seinem Ziehvater Mätti Stein - nach zuvor reichlich Kummer - viel Freude bereitet und der Stadt Hillesheim einen beachtlichen Aufschwung beschert. Kaum auszumalen, wie sich die Stadt ohne die jährlich rund 30 000 Übernachtungsgäste (Hotel Augustinerkloster und Krimihotel) entwickelt hätte. Daran haben die erstens die Verantwortlichen der Stadt Hillesheim Anteil. Sie haben die notwendigen Investitionen gegen alle Widerstände und trotz oftmals mieser Finanzlage durchgesetzt. Zweitens ist das auch ein Verdienst der Pächter. Die haben ebenfalls investiert, solide gewirtschaftet und das Haus (wie auch das Krimihotel) gut vermarktet. Daher ist es durchaus angebracht, das Zehnjährige gebührend zu feiern. Trotz dieser erfolgreichen Zusammenarbneit gilt: Es ist nicht Aufgabe einer Stadt, ein Hotel zu besitzen und sich darum regelmäßig zu kümmern. Daher muss der Verkauf endlich ernsthaft angepackt werden. m.huebner@volksfreund.deExtra: DAS HOTEL AUGUSTINERKLOSTER

Bilanz: Die Auslastung des Hotels Augustinerkloster mit seinen 57 Zimmern lag laut Geschäftsführung in den vergangenen Jahren konstant zwischen 68 und 72 Prozent, im Vorjahr waren es 71 Prozent beziehungsweise 13 500 belegte Zimmer. Im Krimihotel mit seinen 25 Zimmern waren es 50 Prozent beziehungsweise 4000 belegte Zimmer. Mitarbeiter: In den beiden Häusern sind rund 70 Menschen beschäftigt, davon 45 mit Ganz- oder Halbtagsjob sowie fünf 5 Auszubildende und 20 Aushilfen. Betreiber Bernd Gutjahr beklagt: "Mangels Bewerbern konnte in diesem Jahr keine weitere Ausbildungsstelle besetzt werden. Daneben sind weitere zehn Arbeitsplätze nicht besetzt." Investitionen: Nachdem kürzlich alle Zimmer mit neuen Fernsehern ausgestattet wurden, werden derzeit die drei Saunen erneuert - jeweils Ausgaben von "mehreren Zehntausend Euro". Mittelfristig sollen noch die restlichen zwei Dutzend Zimmer renoviert werden, die noch nicht an der Reihe waren. Gutjahr rechnet pro Zimmer mit Kosten von 10 000 bis 12 000 Euro, also mit einer Gesamtinvestition von gut einer Viertelmillion Euro. Die gleiche Summe schlage nochmals für die Renovierung der Bäder zu Buche, die Sache der Stadt ist.