1. Region
  2. Wirtschaft

Ingenieure fordern mehr Geld für Planungen

Ingenieure fordern mehr Geld für Planungen

Ohne Ingenieure läuft in Rheinland-Pfalz wenig. Der Präsident der Ingenieurkammer Rheinland-Pfalz, Horst Lenz aus Winterspelt in der Eifel, warnt im Gespräch mit dem TV vor Nachwuchsmangel und lahmer Investitionsbereitschaft des Landes.

Trier. Horst Lenz aus Winterspelt im Eifelkreis Bitburg-Prüm führt als Präsident seit 2010 die Ingenieurkammer Rheinland-Pfalz und steht damit an der Spitze von 60 000 Ingenieuren im Land. Schon bei seinem Amtsantritt hat der Bauingenieur aus der Eifel zwei Fehlentwicklungen angeprangert: Mangelnder Nachwuchs und zu geringe Investitionen seitens des Landes in die Infrastruktur. Sechs Jahre später hat sich die Situation in einigen Bereichen verändert - verbessert hat sie sich aus Sicht von Lenz jedoch nicht.
Mehr Geld für Straßen gefordert


"Das Land muss mehr Geld für die Infrastruktur bereitstellen" ist seine zentrale Forderung. 2015 seien rund 70 Millionen in den Ausbau von Land- und Kreisstraßen investiert worden. "Diese Summe soll auf 85 Millionen erhöht werden, dabei wurden bereits 2012 schon rund 125 Millionen Euro bereitgestellt." Notwendig wären aus Sicht des Kammerpräsidenten 160 Millionen im Jahr. Aus seiner Sicht gebe es landesweit "zu wenig Planungen in der Schublade". Lenz: "Wer in Straßen und Maßnahmen investieren will, muss vorher geplant haben", moniert Lenz. Dabei sieht der freie Ingenieur den Landesbetrieb Mobilität (LBM) in einer schwierigen Situation. "Dort gibt es nicht genügend Personal, und das Land vergibt lediglich vier bis sieben Prozent der Bausumme für die Planungen an freie Ingenieurbüros. Das reicht nicht", sagt Lenz.
Doch die schwierige Situation sieht der Kammerpräsident auch in der Nachwuchswerbung. Hier setzt die Berufsvereinigung mit einigen Aktionen an. Dazu gehört seit 2007 der jährliche Schülerwettbewerb. In diesem Jahr stand er unter dem Motto überdacht, und es war die Aufgabe, ein Stadiondach zu bauen.
Auf der Internetseite ing-rlp.de/index.php?id=155 bietet die Kammer zudem eine Praktikumsbörse für Studierende und Schüler an. "Mit Vorträgen an Schulen und Hochschulen, bei Veranstaltungen und auf Messen werben wir für unseren schönen Beruf", sagt Horst Lenz.
Dabei steht die Kammer für eine fundierte Hochschulausbildung. "Wir haben im Bereich der Ausbildungsqualität große Sorgen", erklärt Bauingenieur Lenz. Ein großes Problem sehe die Ingenieurkammer in der Abgrenzung zwischen Studienabschluss und Berufsbezeichnung - etwa Master of Engineering gegen Ingenieur. In Rheinland-Pfalz sei es möglich, ohne vorherige grundständige Ausbildung in vier Semestern Fernstudium den Abschluss Master of Science zu erwerben. "Da die Landesregierung diesen Absolventen ermöglichen möchte, die Berufsbezeichnung Ingenieur zu führen, fürchten wir um die grundsätzliche Qualität des Bauens für Verbraucher und Gesellschaft sowie um den guten Ruf, den Ingenieure im In- und Ausland bis dato größtenteils genießen." Die Kammer kritisiert, dass man dem Fachkräftemangel "nicht durch das Herabsetzen von Standards und Anforderungen" begegnen könne. "Die Sicherung der Ausbildungsqualität ist enorm wichtig, sie darf nicht verwässert werden. MINT-Fächer müssen in der Schule noch stärker in den Vordergrund rücken", fordert der Kammerpräsident.
Mehr Geld und hohe Ausbildungsstandards seien notwendig, um die Wirtschaft im Land wettbewerbsfähig zu halten, so die Kammer.