Leser kehren dem Buchhandel den Rücken

Leser kehren dem Buchhandel den Rücken

Bücher werden immer häufiger online bestellt oder gleich im E-Format gelesen. Auch in der Region Trier haben die klassischen Buchhändler zu kämpfen. Während auf dem Land die persönliche Beratung noch gefragt ist, schließt in der Stadt Trier der erste Laden Ende April.

Trier. Es ist ja so einfach: Computer an, Buch ausgewählt, bestellt und - klick - ist es oft schon am nächsten Tag im Haus. Was immer mehr Verbraucher praktizieren, treibt den Buchhändlern die Sorgenfalten ins Gesicht. Denn der Umsatz des klassischen Ladenverkaufs ist rückläufig, der des Internethandels dagegen boomt (siehe Extra). Nun fällt auch in der Region Trier der erste große Buchladen dem Umbruch zum Opfer: Die angeschlagene Douglas-Tochter Thalia schließt zum 30. April eine von zwei Filialen in Trier. In der Grabenstraße werden dann rund 1000 Quadratmeter Ladenfläche frei; was mit den 14 betroffenen Mitarbeitern geschieht, ist noch unklar. Auch Kündigungen werden nicht ausgeschlossen. Die seit 2008 bestehende Filiale in der Trier Galerie mit 641 Quadratmetern soll jedoch erhalten bleiben. "Vor dem Hintergrund des derzeitigen massiven Branchenumbruchs und der starken Abwanderung der Kunden ins Internet gibt es für uns keine andere Lösung, als im Rahmen unserer strategischen Neuausrichtung auch einen von zwei Standorten in Trier zu schließen", sagt Mirjam Berle, Thalia-Sprecherin aus der Firmenzentrale in Hagen auf TV-Anfrage. Neben Trier sind bundesweit sieben weitere Filialen von dem Aus betroffen. Ein Teil des neuen Thalia-Kurses, von dem sich das Unternehmen wieder mehr Umsatz erhofft: die Einführung von mehr Spielwaren und Geschenkartikeln. Platzhirsch Mayersche (Ex-Interbook) hat es vorgemacht und auf seinen 1800 Quadratmetern am Trierer Kornmarkt gleich eine ganze Spielwarenabteilung mit Karussel integriert.
Diese Sortimentserweiterung ist für Sabine Rehm, Inhaberin der nun 80 Jahre bestehenden Buchhandlung Hildesheim in Prüm, keine Neuerung: "Wir arbeiten schon immer nach diesem Konzept - mit Erfolg", sagt sie. Für ihren Standort in der Eifel habe sich diese Kombination bewährt. Dennoch stellt auch sie mit ihren fünf Mitarbeitern eine Abwanderung der Kunden zum Internet fest: "Jeder Kollege, der etwas anderes behauptet, irrt sich", sagt sie.
So bestätigen uns diesen Trend bei einer Stichprobe denn auch alle befragten regionalen Buchhändler. "Durchs Internet brechen in allen Bereichen Einnahmen weg", sagt Peter Schiwek, Inhaber einer Bitburger Buchhandlung mit Wurzeln bis ins Jahr 1875. Er schätzt, dass jedes Jahr gut ein Prozent seiner Kunden so wegfalle. "Was mir vor allem Kopfzerbrechen bereitet, ist die Ausblutung der Innenstädte durch den zunehmenden Online-Handel", sagt der Buchhändler.
Einbruch bei Fachbüchern


Eine Sortimentsausweitung kommt für ihn jedoch nicht in Frage. "Ich bin mit Leib und Seele Buchhändler." Dabei bekommt er Unterstützung von Michael Scheid, Inhaber der Buchhandlung Rieping in Wittlich: "Durch eine Ausweitung auf Geschenkartikel geht der Identifikationscharakter einer Buchhandlung verloren", sagt er. "Unsere Stärke ist die Beratung vor Ort."
Allgemein stellt Georg Stephanus, zusammen mit seinem Bruder Peter Geschäftsführer der Trierer Buchhandlung Stephanus, einen Trend zum "weniger Lesen" fest. "Heute wird vieles gegoogelt und nicht mehr angelesen. Vor allem bei den Wissenschaftsbüchern und Sprach-Wörterbüchern merken wir das", sagt er. Deshalb habe man auch die Fläche der Filiale an der Trierer Uni um ein Drittel verkleinert. "Wir setzen verstärkt auf die Innenstadt-Filiale, die wir offensiv umgebaut haben." Da sich die Buchhandlung in der Fleischstraße mit ihren 300 Quadratmetern nicht erweitern kann, hofft Stephanus auf ein Stück vom Kuchen des Umsatzes, der durch die Thalia-Schließung wegfällt. "Wir glauben auch weiter an die Zukunft des Buchhandels", gibt er sich überzeugt
Allein der zunehmende Buchkauf im Internet wäre für die Buchhändler nichts Schlimmes, kauften die Kunden nicht ausschließlich beim Online-Giganten Amazon, sondern auch in den Web-Shops der heimischen Läden. "Schon die Kleinsten werden auf den Schulbuchkauf im Internet hingewiesen. Sie und ihre Familien gehen uns dann verloren, wenn sie nur bei dem einen großen Anbieter bestellen", sagt Peter Schiwek. Denn die meisten Buchhändler in der Region pflegen ihre eigene Homepage, bieten darüber Lesungen am Kachelofen, aktuelle Specials zum Papstrücktritt oder zum Tod Otfried Preußlers an. Zudem gibt es Kundenkonten und persönliche Wunschzettel. "Wir versuchen, uns keinen Kunden entgehen zu lassen", sagt Michael Scheid aus Wittlich. Auch Sabine Rehm aus Prüm will die Internetpräsenz nicht mehr missen, erzielt sie immerhin knapp zehn Prozent des Umsatzes online: "Für die Leute auf den Dörfern ist das ideal. Sie bekommen alles bis vor die Haustüre geliefert."Extra

Die jüngsten Zahlen aus dem deutschen Buchmarkt von 2011 zeigen, dass zuletzt ein Umsatz von rund 9,6 Milliarden Euro erwirtschaftet wurde - ein Minus von vier Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dabei trägt der klassische Sortimentsbuchhandel immer noch den Löwenanteil von 49,7 Prozent mit rund 4,8 Milliarden Euro zum Geschäft bei. Allerdings ist dies ein Rückgang gegenüber dem Vorjahr um drei Prozent. Demgegenüber legt der Versandbuchhandel, vor allem der Internetverkauf, deutlich zu. Allein der Umsatz im Web wächst um fünf Prozent auf einen 14,8-Prozent-Anteil am Gesamtumsatz im Buchmarkt. sas