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Wirtschaft
Mehr junge Frauen streben in technische Berufe

 Bianca Kreber, Auszubildende bei Benninghoven, gemeinsam mit ihrer Ausbildungsleiterin Martina Kappes und Heribert Wilhelmi, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Trier.
Bianca Kreber, Auszubildende bei Benninghoven, gemeinsam mit ihrer Ausbildungsleiterin Martina Kappes und Heribert Wilhelmi, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Trier. FOTO: Christoph Strouvelle
Wittlich. Die Arbeitsagentur Trier hat das Wittlicher Unternehmen Benninghoven, das Asphaltmischanlagen konstruiert, für sein Engagement ausgezeichnet, Auszubildende zu gewinnen und Mädchen zu fördern. Von Christoph Strouvelle

Große Ehre für Benninghoven in Wittlich: Heribert Wilhelmi, Vorsitzender Geschäftsführer der Agentur für Arbeit in Trier, hat das Unternehmen mit dem Ausbildungszertifikat ausgezeichnet. Damit würdigt die Agentur der Arbeit alle zwei Jahre ein Unternehmen der Region für dessen besonderes Engagement, neue Auszubildende zu gewinnen. Denn die Situation auf dem Ausbildungsmarkt habe sich geändert, sagt Wilhelmi. Es gebe mehr offene Stellen als Bewerber, so dass sich Unternehmen bei potenziellen Auszubildenden bewerben müssten. „Kreativität bei der Rekrutierung von Auszubildenden ist gefragt, um junge Menschen für das eigene Unternehmen zu begeistern“, sagt er. Benninghoven mache das, sagt Wilhelmi. Vor allem tue sich das Wittlicher Unternehmen besonders dabei hervor, junge Frauen für die sogenannten MINT-Berufe zu begeistern, sagt er. Mit diesem Begriff werden Tätigkeiten in den Feldern Mathematik, Ingenieur- und Naturwissenschaften sowie Technik zusammengefasst, also Berufe, die traditionell eher von jungen Männern gewählt werden werden. „Wir sind im Umbruch“, sagt Martina Kappes, Ausbildungsleiterin beim Unternehmen  Benninghoven, das rund 60 junge Menschen in elf Ausbildungsberufen beschäftigt. Seit etwa fünf Jahren sei ein Wandel festzustellen. Junge Frauen strebten zunehmend in technische statt in typische „Mädelsberufe“ und folgten so vermehrt ihren Interessen und weniger den üblichen Klischees, sagt sie. Eine der fünf weiblichen Auszubildenden in den MINT-Berufen bei Benninghoven ist die 21-jährige Bianca Kreber, die als technische Produktdesignerin im Team die Maschinen am Zeichenbrett konstruiert. Nach ihren Vorgaben werden diese anschließend im Werk gefertigt. Stets interessiert an Mathematik und Physik hat sie nach dem Abitur eine Möglichkeit gesucht, statt eines theoretischen Studiums einen praktischen Beruf zu erlernen. „Wir zeichnen Elemente für Brenner, mit denen Asphalt erhitzt wird“, beschreibt sie ihre Tätigkeit genauer. Während ihrer Ausbildung ist sie auch handwerklich tätig. Ihre Arbeit empfindet Kreber als sehr abwechslungsreich. „Technische Berufe bieten auch viele Chancen für Frauen“, sagt sie. Zudem würden technische Berufe besser bezahlt als typische Frauenberufe.

Laut Ausbildungsleiterin Kappes sind Eigenschaften wie geringere körperliche Kraft von Frauen kein ausschlaggebendes Kriterium mehr. „Dafür gibt es Hilfsmittel“, sagt sie. Im Gegenteil: Frauen arbeiteten eher präziser und genauer als Männer, hat sie beobachtet. Teams, in denen beide Geschlechter vertreten sind, verschmelzen zu einer Einheit und arbeiteten Hand in Hand. „Früher war eine Frau in einem technischen Beruf etwas Außergewöhnliches, heute ist es in unserer Wahrnehmung normal“, sagt Dr. Frank Scheer, Prokurist und Leiter Personal bei Benninghoven. „Es ist bewundernswert, wie schnell sich dieser Wandel vollzieht“, sagt er. Für Heribert Wilhelmi ist das erfolgreiche Engagement Benninghovens, junge Frauen in technische Berufe zu bringen, vorbildlich: „Sie sind ein gutes Beispiel dafür, dass auch andere Betriebe Mädchen in MINT-Berufen ausbilden können“, sagt er.