Rekultivierung brachliegender Steillagen: Elf Winzer sollt ihr sein

Kröv · Sie nennt ihren Wein Bergrettung: Die Winzervereinigung "Klitzekleiner Ring", zu dem auch Jan Klein vom Staffelter Hof in Kröv gehört, hat sich die Rekultivierung brachliegender Steillagen auf die Fahnen geschrieben.

 Winzer Jan Klein im Weinberg. Foto: Christoph Strouvelle

Winzer Jan Klein im Weinberg. Foto: Christoph Strouvelle

Kröv. Den Ort Kröv (Landkreis Bernkastel-Wittlich) hat der Hagel hart erwischt, wenn auch nicht so heftig wie etwa Veldenz. Auch beim Staffelter Hof gingen Scheiben zu Bruch, und die Weinernte wurde um rund 30 Prozent dezimiert. Der Hagelschlag macht es notwendig, jede Traube einzeln zu begutachten, und dafür müssen erfahrene Erntehelfer eine Woche länger als üblich zur Verfügung stehen. "Letztes Jahr hatten wir sogar die Hälfte weniger als im Durchschnitt, aber bei guter Qualität können wir geringe Mengen mit höheren Preisen teilweise ausgleichen", sagt Jan Klein.

Die Tücken des Wetters einkalkuliert



Sein Betrieb setzt - wie auch seine Mitstreiter im Klitzekleinen Ring - auf eine naturnahe und nicht auf große Mengen zielende Bewirtschaftungsweise, welche die Tücken des Wetters mit einkalkuliert. "In zwei von zehn Jahren spielt die Natur nicht mit. Nur Winzer mit entsprechendem Know-how und finanziellem Polster überstehen das unbeschadet. Jeder von uns ist sein eigener Chef und vermarktet seine eigenen Weine, die Hälfte davon sind Bioweine. Aber wir haben ein Gemeinschaftsprojekt."

Dessen hochwertige Erzeugnisse sind in Flaschen mit einem auffälligen Etikett abgefüllt: Auf knallblauem Grund prangt ein gelbes Kreuz, darunter steht Bergrettung und die schlichte Herkunftsangabe Mosel. Das Design erinnert eher an Erste Hilfe als an urige Weingemütlichkeit, aber es sorgt sofort für Aufmerksamkeit. Der Inhalt ist so modern wie das Marketingkonzept: Mit 8,5 Prozent Alkoholgehalt liegt die Riesling-Spätlese 2010 voll im Trend zu leichten, aber nuancenreichen Weinen.

Tatsächlich ist der Name Bergrettung ein bewusstes Wortspiel: Hier wird buchstäblich der Berg gerettet, nämlich vom Brachliegen bedrohte oder bereits aufgegebene Weinhänge. Das ungewöhnliche Logo bleibt den Weinverbrauchern im Gedächtnis, ist sich Klein sicher. Weiteres Merchandising im selben Stil, etwa mit T-Shirts, sei sehr gut angelaufen.

"Die hervorragenden Flächen in den Steillagen, die das Anbaugebiet Mosel weltweit einzigartig machen, müssen rekultiviert werden. Das stärkt das Image der gesamten Region." Der Klitzekleine Ring spricht für sein Bergrettungsprojekt Gastronomen und Unternehmer an. Sie gönnen sich mit ihrem Engagement als Paten einer vor dem Verfall geretteten Weinlage ein Marketing instrument, das auch steuerlich absetzbar ist. Klein erläutert: "Für rund 10 000 Euro können sie 1000 Quadratmeter erstklassige Steillage erwerben, die wir dann mit bestem önologischen Fachwissen bewirtschaften. Dafür bekommen sie rund 800 Flaschen. Das ist für die Paten wiederum ein ideales Give-away für die eigenen Kunden, mit dem sie Qualitätsbewusstsein signalisieren."

Einsatz in den steilen Lagen hält fit



Die Bergrettung ist über den Erhalt der Kulturland schaft hinaus program matisch. Der Einsatz in den rekultivierten Steilstlagen stellt für die dort arbeitenden Winzer ein Training dar, das jung und fit hält. "Damit verbunden ist eine ganze Philosophie. Wir lieben den Sportsgeist, der so geweckt wird, und wir sind überzeugt, dass der Weg des geringsten Widerstands nicht weit führt", sagt Klein.

Die vier- bis fünffach höheren Erzeugungskosten im Vergleich zu den bequemeren flachen Lagen kommen durch die deutlich besseren Ertragsqualitäten wieder herein. Letztlich sei diese auf viel Einsatz und Hoch wertigkeit ausgerichtete Erzeugung lukrativer als eine, die eher auf Masse setzt.

Eine Art stilvolle Eigen willigkeit charakterisiert auch das Ambiente, in dem der Klitzekleine Ring seine Weinpräsentationen mit dem Titel Tafelrunde anbietet. Da ist nicht urwüchsige Behaglichkeit gefragt, sondern Außergewöhnliches und Modernes. Mal war das Buddha-Museum in Traben-Trarbach der Rahmen, in diesem Jahr war es die ehemalige Batra-Messpapier fabrik, die seit vergangenem Jahr leer steht. Nüchterne Industriekultur als Kulisse, kein Weingewölbekeller: Moselwein auf die innova tive Art.

www.klitzekleinerring.de

EXTRA


Die Idee zum Netzwerk Klitzekleiner Ring entstand bei einer Wein präsentation im Jahr 2005 und in An lehnung an den seit 100 Jahren be stehen den Großen Ring des Verbands Deutscher Prädikats weingüter (VDP). Die kreativen Jungwinzer aus der Umgebung von Tra ben-Trarbach wollten sich mit einem Augen zwinkern davon abheben und ein frisches Image aufbauen. "Dabei heißt jung, dass eine hohe Dynamik da ist, das Alter an sich ist nicht gemeint. Wir sind ein Kreis von Freunden, bei denen die Chemie stimmt, und auch kein Verein, son dern eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts", berichtet Winzer Jan Klein.