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Herzblut im Gigabyte-Format

Herzblut im Gigabyte-Format

Seit der aktuellen Saison muss jeder Club der Basketball-Bundesliga nach Heimspielen aktuelle Videos mit Spielszenen und Interviews zur Verfügung stellen. Bei der TBB Trier sorgen Chris Schmidt und David Vilter dafür, dass Brian Harpers krachende Dunkings nicht mehr nur den Arena-Besuchern vorbehalten sind.

Trier. Sonntagmorgen, kurz vor 8 Uhr. David Vilter hat die Nacht durchgemacht, schleppt sich zum Bäcker, Brötchen holen, kommt heim - und fällt ins Bett. Ähnlich sieht es bei Chris Schmidt aus. Augen zu, Feierabend. "Das kam zu Hause überhaupt nicht gut an", erinnern sich die beiden 30-jährigen Trierer unisono.
Dabei sind Vilter und Schmidt in jener Nacht vor zwei Wochen - es war nach der bitteren TBB-Niederlage gegen Alba Berlin - nicht etwa um die Häuser gezogen. Keine Feier- oder Alkohol-Exzesse, nur extralange Arbeit: Videos bearbeiten, sortieren, schneiden, kommentieren, hochladen. Die Partie hatte viele strittigen Szenen, bot reichlich Emotionen. Und die beiden servierten die Bewegtbilder dazu.
"Wir haben vier Kameras im Einsatz, zwei sind fest installiert auf Korbhöhe, eine filmt von oben, die vierte vom Spielfeldrand aus", sagt David Vilter dem TV-Reporter am Sonntagabend nach dem lockeren 73:48 gegen Gießen.
Erst Audio, dann Video


Der Informatikstudent kümmert sich vor allem um die Technik. "Das ergibt eine Datenmenge von bis zu 200 Gigabyte bei jedem Spiel."
Nach dem fünften Sieg ist die Stimmung im provisorischen Arbeitsraum in der TBB-Geschäftsstelle entspannt. Chris Schmidt, der am Nachmittag schon als Hallensprecher im Einsatz war und der bei Auswärtsspielen mit viel Leidenschaft den Audio-Livestream kommentiert, hat den Ablauf des Highlight-Videos zum Spiel schon im Kopf: "Lass uns mit Jermaine Bucknor anfangen, wie er beim Abklatschen mit den Fans das Mädchen auf seinen Schultern trägt", sagt er. "Dann den Dreier von Basti Doreth. Und danach den Gießener Trainer, der nur noch regungslos auf der Bank sitzt."
Schmidt und Vilter sind ein eingespieltes Team. Seit drei Jahren arbeiteten sie zusammen. Vor zwei Jahren haben sie die Internetseite basketballstream.de auf die Beine gestellt. Videos vom Spiel müssen seit dieser Saison alle BBL-Clubs anbieten. Verlangt werden von der Liga "Rough Cuts", also Bilder von den wichtigsten Spielszenen, unkommentiert hintereinander geschnitten, dazu je ein Interview mit einem Spieler jedes Teams. Diese Dateien müssen ins Internet gestellt werden und stehen dann interessierten Sendern zur Weiterverarbeitung zur Verfügung. Finanziert wird der Service von den Clubs, nicht von der Liga. Spätestens 14 Stunden nach Spielbeginn müssen die Videos online stehen.
Die Trierer bieten dabei weitaus mehr an als nur "Rohmaterial". "Wir veröffentlichen jeweils sechs Videos. Das macht schließlich Spaß - und wir stecken viel Herzblut rein", sagt Chris Schmidt, der sich darüber freut, dass ihnen die TBB bei der Videogestaltung "freie Hand" lässt: "So zeigen wir auch kritische Szenen, wie im Spiel gegen Berlin die Aktion von Jarrett Howell gegen Heiko Schaffartzik." Die hatte für Ärger gesorgt: Sie zeigte zwar, dass man den TBB-Aufbauspieler zwar nicht ernsthaft als "Hobby-Boxer" bezeichnen konnte (so haute nur der Hauptstadt-Boulevard rein) - aber sauber war Howells Aktion auch nicht. Laut Zähler auf der offiziellen BBL-Video-Homepage wurde die Seite mit dem Highlight-Video gegen Berlin 70 000 Mal aufgerufen.
"Wir wollen in den Videos den ganzen Spielverlauf wiedergeben", sagt Schmidt, der noch weitere Unterstützer gebrauchen könnte (Vilter: "Wir sind am Limit"). Zumindest an diesem Abend fällt die Nachtschicht aus: "Wir waren um 23.30 Uhr mit allem fertig", sagt Chris Schmidt.
Zu sehen sind die Ergebnisse auf beko-bbl.tv.
Extra

Basketball im Fernsehen: Ausgewählte BBL-Spiele werden im frei empfangbaren Fernsehen vom Spartensender Sport 1 übertragen. Am Sonntagmittag gab es zudem das erste Livespiel bei Kabel 1: Die Quoten beim Spiel Bamberg gegen Bayern München waren aber ernüchternd: Der Marktanteil lag trotz engem Spiel nur bei gut zwei Prozent - im Schnitt hat der Sender eine Quote von über fünf Prozent. AF