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Marx-Unterhose wird wieder ausgestellt

Der Altar von 1996: oben das angebliche Beinkleid von Karl Marx. Foto: privat
Der Altar von 1996: oben das angebliche Beinkleid von Karl Marx. Foto: privat
Trier. Schon während der Heilig-Rock-Wallfahrt 1996 sorgte sie für ein großes Medienecho - nun soll sie auch 2012 wieder ausgestellt werden: Die Unterhose von Karl Marx, ein satirisch angelegtes Werk des Künstlers Helmut Schwickerath.

Trier. Die Ausstellung in der Tuchfabrik hieß 1996 "Rock-Art. Kunst und Provokation". Sie nahm die Reliquienverehrung der Kirche aufs Korn. Neben einem Misthaufen in Form des Heiligen Rocks sorgte vor allem die "Heilige Unterhose" für Aufsehen. Angeblich sollte das Beinkleid von Karl Marx stammen. Der Trierer Künstler Helmut Schwickerath präsentierte es auf einer Art Altar - und fand damit in den Medien eine große Resonanz, auch wenn die Ausstellung selbst nicht besonders gut besucht war.
Die Unterhose wurde in fast allen großen Medienberichten über die Heilig-Rock-Wallfahrt erwähnt, von der Welt über die FAZ, Die Zeit und den Spiegel bis hin zum britischen Independent und Zeitungen aus Italien und Spanien. Neu war die Idee schon damals nicht, denn bereits seit 1994 wurde in der Trier-Süder Kneipe Glasmost eine Karl-Marx-Unterhose ausgestellt. Nun wird das Original-Objekt aus der Tufa wieder hervorgekramt, wie Helmut Schwickerath dem TV bestätigte.
Die Unterhose ist seinen Erzählungen zufolge nach der jüngsten Wallfahrt verschwunden. Ein bisher unbekannter "Geheimbund der Heiligen Unterhose" habe sie entführt und in einer alten Kapelle versteckt. Nach langen Verhandlungen sei es ihm gelungen, die Unterhose wiederzubekommen.
"Durch unsachgemäße Lagerung ist die Hose Opfer von Mottenfraß geworden", sagt Schwickerath. Ein größeres Loch an der Hinterseite des linken Beines müsse daher gestopft werden. "Das ist natürlich ein Nachteil im Vergleich zum Heiligen Rock, der ja ohne Naht auskommt", sagt der 74-Jährige, der noch eifrig an der Erforschung der Legende arbeitet - "streng wissenschaftlich natürlich".
Zur Aufstellung verrät er schon so viel: Er konstruiere gerade eine Art Triptychon, also einen dreiflügeligen Altar. Auf dem linken Flügel sei Karl Marxens Haushälterin Helena Demuth zu sehen, auf dem rechten Linken-Politikerin Sahra Wagenknecht. Ort der Ausstellung ist diesmal ein Schaufenster: das des Skater-Ladens "Zupport" in unmittelbarer Nähe zum Karl-Marx-Haus.
Heute nur noch wenig provokant


Er glaube nicht, dass die "Heilige Unterhose" noch sehr provokant sei, meint Schwickerath, ernsthaft auf den Hintergrund der Ausstellung angesprochen. 1996 sei auch von der Kirche noch mehr Wert auf die Reliquienverehrung gelegt worden. "Ich will einfach weiterspinnen an einer alten Geschichte." Ein künstlicher Jux also.
Tatsächlich reagiert das Bistum gelassen: "Wir leben - Gott sei Dank - in einer Gesellschaft, in der jeder seine kritischen Einstellungen zur Kirche offen und öffentlich äußern kann", erklärt Wallfahrts-Sprecherin Judith Rupp dem TV auf Anfrage. "Selbst kritische Äußerungen zeigen doch zumindest, dass die Heilig-Rock-Wallfahrt auch für diese Menschen ein Anlass ist, sich mit Glauben und Religion auseinanderzusetzen." mic