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Von der NPD zum Netzwerk freier Patrioten

Diesen Flyer verschickte die NPD 2006 an Haushalte in Frankfurt. Michael Idir (unten rechts) kandidierte auf Listenplatz 3 für den Stadtrat. Im Kreis Trier-Saarburg tritt er jetzt für das „Netzwerk Freie Patrioten für Natur, Umwelt und Region“ an. Foto: Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung/NPD
Diesen Flyer verschickte die NPD 2006 an Haushalte in Frankfurt. Michael Idir (unten rechts) kandidierte auf Listenplatz 3 für den Stadtrat. Im Kreis Trier-Saarburg tritt er jetzt für das „Netzwerk Freie Patrioten für Natur, Umwelt und Region“ an. Foto: Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung/NPD
Das "Netzwerk Freie Patrioten für Natur, Umwelt und Region" tritt am 7. Juni bei der Kreistagswahl an. Die Gruppierung ist neu, ihr Spitzenkandidat Michael Idir (48) jedoch kein Unbekannter: 2006 kandidierte er für die NPD in Frankfurt. Von unserem Redakteur Albert Follmann

Trier. Während die Linken keine Liste für die Kreistagswahl am 7. Juni aufgestellt haben, gibt es am rechten Rand Bewegung: Das "Netzwerk Freie Patrioten für Natur, Umwelt und Region" (NFP-NUR) geht als Wahlvorschlag 7 ins Rennen um die Wählergunst. Eine politische Einordnung ist auf den ersten Blick schwierig, weil der Name keine klare Zuordnung verrät und bisher auch kein Wahlprogramm aufgetaucht ist. Jedoch lassen Äußerungen des Spitzenkandidaten Michael Idir aus Pluwig eindeutig dessen nationalistische Gesinnung erkennen: 2006 trat der 48-Jährige auf Platz 3 der NPD für den Römer an, das Stadtparlament von Frankfurt.

Der Heuschrecken-Kapitalismus mache unser Land kaputt; ausländische Spekulanten vernichteten deutsche Arbeitsplätze - so tönte der kaufmännische Angestellte damals auf Flugblättern. Auch in Internet-Foren gibt sich Michael Idir eindeutig als Rechter zu erkennen.

Eine zwielichtige Rolle spielte er als Zeuge eines brutalen Überfalls auf einen Reisebus von Gewerkschaftern im Februar dieses Jahres an der Raststätte Teufelstal (Thüringen). Laut Medienberichten waren DGB-Reisende sowie Friedensaktivisten und Mitglieder der Linkspartei auf der Rückreise von einer Protestkundgebung gegen einen Neonazi-Aufmarsch in Dresden auf einen Bus mit Rechtsradikalen getroffen. Nach Beschimpfungen der Reisenden und Attacken gegen den Bus, so berichtete ein Augenzeuge, hätten die Rechtsextremen einen Mann aus der Bustür herausgezogen und minutenlang auf ihn eingetreten. Insgesamt gab es fünf Schwerverletzte.

In einer unmittelbar nach dem Vorfall von der NPD verbreiteten Pressemitteilung kam ein Augenzeuge namens Michael Idir zu Wort, der von einer "dreisten Verdrehung der Tatsachen durch DGB und Linke" sprach. Laut Idir gingen die Angriffe nicht von "unseren Leuten" aus, sondern von linken Demonstranten. Die Staatsanwaltschaft Gera sah dafür allerdings keine Anhaltspunkte und widersprach vehement Idirs Darstellung.

Im Kreis Trier-Saarburg ist es Michael Idir und seinen Helfern gelungen, die erforderlichen 230 Unterstützungs-Unterschriften für die Zulassung zur Kreistagswahl beim Wahlamt abzuliefern; 15 Kandidaten stehen auf der Liste. In nur sieben Wochen seit der Gründung der NFP-NUR als Verein sei die Voraussetzung geschaffen worden, schreibt der 48-Jährige in einer Pressemitteilung, "echte nationale Politik im Landkreis greifbar werden zu lassen und einen national-politisch gesehen weißen Fleck einzufärben". Und das trotz "Behinderungen durch hiesige Meldestellen" und der "argwöhnischen Beobachtung und Katalogisierung des Spitzenkandidaten".

Idirs "Freie Patrioten" wollten auch für den Gemeinderat Pluwig und den Verbandsgemeinderat Ruwer kandidieren. Dies sei aber an der zu geringen Zahl von Unterstützungs-Unterschriften gescheitert, teilt die VG-Verwaltung Ruwer mit.