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FUSSBALL: Fit wie Fandel

FUSSBALL: Fit wie Fandel

DÖRBACH. (dab) Einen Lehrabend der besonderen Art erlebten die Schiedsrichter im Spielkreis Mosel: Zu Gast war Fifa-Schiedsrichter Herbert Fandel aus Kyllburg.

Zwei Stunden lang plauderte Herbert Fandel aus dem Nähkästchen, berichtete von seinen ersten Spielen in den Jugendklassen, dem Aufstieg in die Bundesliga, von großen Turnieren wie den Olympischen Spielen 2000 in Sydney oder dem Confederations Cup 2005. Und von seinen Zielen: der Hoffnung auf eine Teilnahme an der WM 2006, und wenn das nicht klappen sollte, an der EM 2008 in Österreich und der Schweiz. Mehr als 100 Schiedsrichter waren zu dem außergewöhnlichen Lehrabend nach Dörbach gekommen, um sich den Vortrag von Herbert Fandel anzuhören. Statt über Regeln referierte der 41-Jährige über Merkmale, die einen guten Schiedsrichter ausmachen - und die seiner Ansicht nach notwendig sind, um den Weg in obere Klassen zu schaffen. Als Erstes brauche man als Schiedsrichter Durchsetzungsvermögen und Geradlinigkeit. "Wenn ich als junger Schiedsrichter nicht weiß, was ich will, schaffe ich es erst gar nicht", sagte Fandel. "Auf dem Rasen darf man sich nicht zum Spielball der Spieler machen lassen, sondern muss unbeirrt an seiner Linie festhalten, dabei aber auch ehrlich und berechenbar sein." Dies gelte nicht nur auf dem Platz, sondern ebenso für den privaten Bereich. "Mut ist auch ganz wichtig", stellte Fandel klar. "Wer keinen Mumm in den Knochen hat, wird nichts bewegen." Ehrgeiz zu entwickeln sei für ihn eine Selbstverständlichkeit. "Man muss sich Ziele setzen und dann daran arbeiten." Und sich auch von Kritik nicht umwerfen lassen. "Die notwendigen Persönlichkeitsmerkmale sind nicht mehr die gleichen wie vor 15 Jahren: Heute steht die Fitness vielmehr im Zentrum als früher." Auch die Belastung durch die vielen Spiele und die damit verbundenen Reisen hat zugenommen. "Wer stressempfindlich oder schnell überfordert ist, hat da nichts verloren." Die beruflichen Voraussetzungen für eine Schiedsrichter-Karriere hatte sich Herbert Fandel schon frühzeitig geschaffen. Anstelle eines Konzertpianisten ist er Musiklehrer geworden, für die Schiedsrichter-Tätigkeit opfert er seine komplette Freizeit. Nach dem rund einstündigen Vortrag nutzten die Mosel-Schiedsrichter die Gelegenheit, den Gast mit Fragen zu bombardieren. Herbert Fandel über......das Spiel, das er nie vergisst: "Irland gegen Frankreich in der WM-Qualifikation hat alles getoppt. Vor allem die Atmosphäre an der Lansdowne Road in Dublin war einmalig."...sein Lieblings-Stadion: "In Deutschland ist es Dortmund. Die Südtribüne ist einfach gigantisch, wenn man davor steht. International gibt es viele schöne Stadien, ob Mailand, Madrid, Barcelona oder Manchester."...die Einführung eines Videobeweises: "Den wird es nicht geben."...die Verständigung bei internationalen Spielen: "Am besten ist Eifeler Platt. Da kann man einem Spieler auch mal ein paar deftige Sätze sagen. Das versteht zwar kein Mensch, aber trotzdem weiß jeder, was gemeint ist."...einen Nationalspieler-Bonus in der Bundesliga: "Da diese Vorfälle gehäuft passieren, gibt es einen solchen Bonus offensichtlich wirklich. Das passiert aber mit Sicherheit nicht bewusst."...sein Training: "Wenn ich am Wochenende ein Spiel habe, trainiere ich zwei bis drei Mal die Woche, sonst täglich. Den Trainingsplan schickt mir ein Fitnesstrainer per E-Mail zu."