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Kunstgeschichte(n)

Die heutigen Narrenkappen erinnern in ihrer Form an einen Hahnenkamm. Foto: Rainer Knäpper, Lizenz Freie Kunst
Die heutigen Narrenkappen erinnern in ihrer Form an einen Hahnenkamm. Foto: Rainer Knäpper, Lizenz Freie Kunst
Fastnacht kommt Onkel Herbert immer richtig in Fahrt. In seinem Karnevalsverein ist er sogar eine ganz große Nummer. Eva-Maria Reuther

Für den Rosenmontagszug näht Tante Helga ihm noch schnell die abgerissenen Schellen an seine Narrenkappe. "Nicht dass mich einer nicht als Narr erkennt", lacht Onkel Herbert. "Da musst du dir keine Sorgen machen", antwortet Tante Helga spitz und näht weiter. Onkel Herbert hat recht. Seit langer Zeit müssen Narren als Narren zu erkennen sein. Ein Narr zu sein, war nämlich früher überhaupt nicht lustig. Narren kommen schon in der Bibel vor. Sie galten als Menschen, die nicht fromm waren, nur an sich dachten, in sich selbst verliebt waren, nichts als Vergnügen im Kopf hatten und pausenlos dumme Sprüche machten. Da sollte sich bloß niemand ein Beispiel dran nehmen. Die Narren zogen durch die Gegend und machten ihre Späße. An ihrer Ausstattung erkannte man, dass es Narren waren. Ihre Kleidung war oft bunt und auffällig, ihr Kopf kahl rasiert. Ungefähr vor 600 Jahren wurde es üblich, dass sich Fürsten und Könige Narren hielten, die in ihren Schlössern und an den Fürsten- und Königshöfen für Spaß sorgten. Darum hießen die dann auch Hofnarren. Auch Städte hielten sich sogenannte Stadtnarren. Der bekannteste ist übrigens Till Eulenspiegel. Die Stadt- und Hofnarren hatten "Narrenfreiheit". Das heißt: Sie konnten sagen, was sie wollten - auch Sachen, die man nicht so gerne hört und durften sogar ihre Herren verspotten. Da Narren als dumm galten, brauchte sie niemand ernst nehmen. Und da kommt Onkel Herberts Narrenkappe ins Spiel. Damit sie sofort zu erkennen waren, hatten Stadt- und Hofnarren regelrechte Uniformen. Ein Teil davon ist die Narrenkappe. Sie ist aus der Kapuze der Mönche, der Gugel, entstanden. Allerdings bekam die Gugel der Narren viel mehr und viel längere Zipfel. Die langen Zipfel stellten Eselsohren dar. An die Zipfel kamen Schellen. Sie sind ein Zeichen für Geschwätzigkeit und viel Lärm um nichts. Später bekamen die Narrenkappen noch einen Hahnenkamm, wie man ihn heute noch bei den Narrenkappen des Elferrates und der Fastnachtskomitees sieht. Auch der Hahn galt nämlich als Tier, das nur Krawall und Vergnügen im Kopf hat. Zur Narrenausstattung gehören zudem der Spiegel, den der Narr den Leuten vorhält, aber in dem er sich auch selbst bewundert und die Marotte. Das ist der Stab mit dem Narrenkopf. Er ist eine Verulkung des Zepters der Könige. Wie man sieht: So eine komplette Narrenausstattung ist eine ziemlich kniffelige Sache. Spaß macht sie trotzdem jede Menge. Helau! Eva-Maria Reuther