1. Meinung

Mundart-Kolumne: Trierisch balaawern: Biezi, Biezi öss verborjen

Mundart-Kolumne : Trierisch balaawern: Biezi, Biezi öss verborjen

Biezi, Biezi öss verborjen, so heißt ein altes Spiel, bei dem ein kleiner Gegenstand irgendwo verstobbt (versteckt) wird und ein mitspielendes Kind ihn finden muss, indem es beim Suchen durch die Hinweise „waaarm!“ und „kaaalt!“ unterstützt wird.

Schade, heute sind solch einfache Spiele selten geworden, genau so wie das Versteckspiel, bei dem sich die Kinder sich selwerst verstobben (sich selbst verstecken), und das im Trierischen Verstobben, Verstobb oder Verstobbsches heißt.

Aber Vorsicht! Unser trierisches Verb verstobben ist mehrdeutig. Es hat nämlich außer der eben erklärten Bedeutung von verstecken auch die von verstopfen. Eine Schatztruhe, die  irgendwo verstobbt ist, unterscheidet sich sehr stark von einer verstobbter Naos (einer verstopften Nase) oder einem verstobbte Roor (einem verstopften Rohr).

Schauen wir uns jetzt einmal das Stammwort von verstobben, das stobben lautet, an. Stobben bedeutet im Trierischen: stecken oder zwängen. Wenn eisch nuren wüsst, wu eisch mein Bröll widder hin gestobbt hann! (Wenn ich nur wüsste, wo ich meine Brille wieder hingesteckt habe!) Eisch hammer ö Frankreich de Kofferraum voll mött Kies u Wein gestobbt. (Ich habe mir in Frankreich den Kofferraum mit Käse und Wein vollgeladen.) Mei Speicher öss gestobbdene voll mött Gemöllder. (Mein Speicher ist überquellend voll mit Gerümpel.)

Jetzt wird es schon wieder kompliziert: Unser Verb stobben hat nämlich über die gerade beschriebenen Bedeutung hinaus, wie das hochdeutsche Wort stopfen auch, die Bedeutung von zunähen und verschließen: Strömmb stobben, aanem ett Maul stobben (Strümpfe stopfen, jemandem das Maul stopfen). Und natürlich heißt der Korken, der die Weinflasche verschließt, bei uns auch Stobben.

Eine Weinflasche verkorken heißt aber nicht: En Weinflasch verstobben. En verstobbt Weinflasch wäre da schon eher als Biezi für Erwachsene geeignet.