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Umwelt
Die Spuren eines heißen Sommers

Ein Borkenkäfer ist in einem Gang zu sehen, den das Insekt in den Stamm einer Fichte gefressen hat.
Ein Borkenkäfer ist in einem Gang zu sehen, den das Insekt in den Stamm einer Fichte gefressen hat. FOTO: dpa / Klaus-Dietmar Gabbert
Trier. Hitze, Trockenheit und Borkenkäfer setzen den Bäumen derzeit zu. Vor allem Fichten haben es so schwer, dass die Art in der Region wenig Zukunft hat. Von Katharina De Mos

Sie tragen Namen, die so klingen, als müsse es sich um höchst produktive Wesen handeln: Kupferstecher, Buchdrucker, Vielschreiber, Waldgärtner. Doch weit gefehlt. Hinter den blumigen Bezeichnungen verbergen sich Borkenkäfer. Die bohren sich derzeit in jeden Nadelbaum, der sich nicht mehr wehren kann.Ein gesunder Baum würde Käfer mit dickflüssigen Harztropfen aufhalten. Doch hat die lange Trockenheit viele Fichten und Tannen so geschwächt, dass sie das nicht mehr können.

Da bleibt den Förstern der Region nur noch eines: Die kranken Bäume so schnell wie möglich aus dem Wald zu entfernen. Kann ein einzelnes Käferweibchen in heißen Jahren doch mehr als 100 000 Nachkommen erzeugen.

So lässt das Forstamt Trier die gefällten Stämme in ein Trockenlager nach Föhren bringen. „Das ist so weit weg, dass die kleinen, orientierungslosen Käfer den Wald nicht mehr finden“, sagt Forstamtschef Gundolf Bartmann.

Normalerweise dauert es nach einem heißen Sommer eine ganze Zeit, bis die Insekten sich so stark vermehrt haben, dass sie zur Plage werden. So waren die schlimmsten Folgen des Jahrhundertsommer 2003 im Jahr 2006 zu spüren. „2018 war es aber so lange trocken, dass die Käfer sich schon dieses Jahr vermehren konnten“, sagt Peter Wind, Leiter des Forstamts Prüm. „Das lässt befürchten, dass es nächstes und übernächstes Jahr auch schlimm wird.“ Zumal Klimaforscher davon ausgehen, dass Extremsommer wie jener des Jahres 2018 zur Normalität werden.

Das Land Rheinland-Pfalz hat seine Waldwirtschaft bereits vor Jahren am Klimawandel ausgerichtet. „Es bestätigt sich erneut, dass die Fichte mit den Klimawandelfolgen in weiten Bereichen unseres Landes kaum zurechtkommen wird“, sagt Franziska Richter, Pressesprecherin des Umweltministeriums. Denn die flach wurzelnde Fichte  mag es gerne kühl und feucht. Optimal sind für sie in der Region die Hänge des mehr als 800 Meter hohen Erbeskopfs. In tieferen Lagen hingegen, insbesondere in den warmen Flusstälern, leidet sie schnell unter Wassermangel.

Reine Fichtenforste sind ohnehin von gestern. Förster streben heute nach Wäldern mit vielen Baumarten. „Vielfalt schützt am besten. Wenn von fünf Baumarten zwei ausfallen, dann haben wir zumindest noch einen Wald da stehen“, sagt Bartmann.

„Naturferne Nadelbestände ,überführen’ wir behutsam in naturnähere Mischwälder“, sagt Richter. Aber wie funktioniert so etwas?

Die Antwort erstaunt, denn sie lautet: in Klumpen. Statt junge Bäume in Reihen unter Fichtenbestände zu pflanzen, werden sie in Gruppen von fünf bis 20 gesetzt, im Abstand von bis zu 20 Metern. Zwischen diesen Klumpen kann dann einfach sprießen, was die Natur selbst hervorbringt: Brombeeren, Fingerhut und Weidenröschen, Buchen, Birken, Lärchen, Hainbuchen – oder auch einzelne Fichten.

Mit solchen Pflanzungen wurde laut Ministerium schon nach den Orkanen 1990 begonnen. „Das wurde in den vergangenen 20 Jahren im Staatswald, aber auch in Gemeinde- und Privatwäldern, erheblich verstärkt“, teilt Richter mit.  Auf mehr als 5000 Hektar entstehen landesweit nun solche Mischwälder. Im Staatswald habe man dafür in den vergangenen fünf Jahren mehr als eine Million Euro ausgegeben.

Fichten oder Douglasien werden deshalb aber nicht schon morgen aus den heimischen Forsten verschwunden sein. „Das ist eine Daueraufgabe“, sagt Richter. Denn erst wenn die Bäume mehr als 40 oder 50 Jahre alt sind, fällt genug Licht auf den Boden, um dort Laubbäumchen zu pflanzen – meist Buchen, die gut mit dem Schatten zurechtkommen. Zwischen 500 und 2000 Euro kann das pro Hektar kosten.

Dieses Vorgehen bietet laut Umweltministerium den großen Vorteil, „dass die Baumartenzusammensetzung der nächsten Waldgeneration zunächst weitgehend offen bleibt“. Erst in 30 oder 40 Jahren müsse man entscheiden, ob sich der einzelne Wald eher in Richtung Laub- oder Nadelbäume entwickeln soll.  „Diese Flexibilität ist in der Waldwirtschaft sehr wichtig, um in den kommenden 50 oder 100 Jahren mit den klimatischen oder gesellschaftlichen Bedingungen umgehen zu können“, betont Richter.

Aktuell haben wegen der langen Trockenheit allerdings nicht nur vom Buchdrucker und Kupferstecher befallene Fichten zu kämpfen, deren tote Kronen von weitem rotbraun leuchten.  Auch geschwächte Laubbäume zeigen viel zu früh Herbstfarben. Folgen eines extremen Sommers, die Baumliebhaber beunruhigen.