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Corona setzt die Themen. Das gilt nicht nur für die Politik, sondern auch für Karikaturisten und Fotografen.

Rückblende 2020 : Blick auf die Welt mit spitzer Feder und Kamera

Corona setzt die Themen. Das gilt nicht nur für die Politik, sondern auch für Karikaturisten und Fotografen. Die Landesvertretung Rheinland-Pfalz und die Zeitungsverleger haben die besten Arbeiten des Jahres 2020 jüngst ausgezeichnet.

Die Nachricht des Tages mit nur wenigen Strichen herauszukristallisieren, das ist die große Kunst eines Karikaturisten. Und zwar egal, ob es um Themen wie „Föderalismus“, „Lockdown“ oder die „Klimahysterie“ geht. Diese drei Aufgaben bewältigten die Zeichner Mario Lars, Klaus Stuttmann und Matthias Hühn preiswürdig – zumindest aus Sicht der Jury des vom Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) ausgeschriebenen „Karikaturenpreises der deutschen Zeitungen“. Die drei Künstler überzeugten die Jury mit den von ihnen eingereichten Arbeiten am meisten. Gewonnen hat diesen Preis am Ende des Auswahlprozesses Mario Lars mit seiner Arbeit „Lockdown“.

Für die „taz – Die Tageszeitung“ zeichnete er eine „Sofakartoffel“ (abgeleitet vom englischsprachigen Begriff Couchpotatoe), und das bereits Monate bevor die Bundesregierung mit einer ähnlich angelegten TV-Kampagne das „Zuhausebleiben“ als wirkungsvollste Maßnahme gegen die Ausbreitung des Coronavirus bewarb. Denn: „Nichtstun rettet Leben!“ Dotiert war die Auszeichnung mit 5 000 Euro. Auf den zweiten Platz (2 000 Euro) hat die Jury Klaus Stuttmann gewählt, der mit spitzer Feder für „Der Tagesspiegel“ den bundesdeutschen Föderalismus in Corona-Zeiten festhielt. Matthias Hühn (dritter Platz, 1 000 Euro) karikierte ebenfalls für die „taz – Die Tageszeitung“ den AfD-Fraktionsvorsitzenden im Bundestag Alexander Gauland, wie er einem Geländewagen entstiegen, einen vertrockneten Baum als „linksgrünen Arsch“ und „Klimahysteriker“ anbrüllt.

„Wir haben erwartet, dass die eingereichten Karikaturen sich um Corona, noch mehr Corona und ein bisschen Donald Trump drehen würden“, sagte dazu BDZV-Hauptgeschäftsführer Dietmar Wolff. Doch sei es jedes Mal wieder faszinierend, wie unterschiedlich jeweils der Zugriff auf das Thema ausfalle. „Politische Karikaturisten verbinden künstlerisches Können mit journalistischem Anspruch“, erläuterte Wolff weiter. Das sei eine hochkomplexe Übersetzungsleistung, die im Idealfall nicht nur Gelächter oder Irritation beim Betrachten auslöse, sondern auch Erkenntnis. „Deshalb behauptet das Stilmittel Karikatur auch seinen angestammten Platz auf den Meinungsseiten unserer Zeitungen“, so Wolff, „gedruckt und zunehmend auch digital.“ Um den Karikaturpreis des BDZV bewarben sich 66 Karikaturisten.

Die Kunst der Pressefotografen besteht darin genau hinzuschauen und in dem Moment den Auslöser zu drücken, in dem sich eine bestimmte Stimmung wiederfindet. So entstehen politische Fotografien, die über den festgehaltenen Moment hinaus eine Aussage transportieren. Den mit 7000 Euro dotierten ersten Platz belegte der freie Fotograf Christian Mang. Er beobachtet im April in Berlin eine Demonstration der sogenannten „Hygieneleugner“. Schon damals offenbarten die Demo-Teilnehmer ihre ganze Aggression gegenüber der Staatsmacht, die versucht, ein Demonstrationsverbot durchzusetzen. „In dem Moment, als ich das Bild machte, richtete sich die ganze Wut der Demonstranten allein gegen die Polizei. Wir als Pressevertreter wurden mehr oder weniger ignoriert“, sagt Christian Mang bei der Preisübergabe in Berlin.

Mit dem Preis für die „Beste Serie“ wird der freie Fotograf Daniel Pilar ausgezeichnet. Und der dpa-Fotograf Michael Kappeler wurde für sein Porträtbild von Friedrich Merz, das ihn zeigt, wie er seinem Herausforderer um den CDU-Parteivorsitz, Armin Laschet, zuhört, mit dem Preis „Das scharfe Sehen 2020“ gewürdigt. Um den Fotopreis der Landesvertretung Rheinland-Pfalz bewarben sich 259 Fotografen.

Die Gewinner sowie die Arbeiten von 100 Fotografen und von 50 Karikaturisten sind bis zum 17. Februar in der Landesvertretung des Landes Rheinland-Pfalz in Berlin zu sehen. So lange kann auch noch online über die Vergabe eines Publikumspreises in den Kategorien „Fotografie“ und „Karikatur“ abgestimmt werden. Anschließend geht die Ausstellung „Rückblende“ auf Reisen. Sie wird in Koblenz, Neustadt an der Weinstraße, Trier (hier mit Unterstützung des Medienpartners Trierischer Volksfreund), Mainz, Bonn, Dortmund, Leipzig und Brüssel gezeigt. Zu sehen sind die jeweils 50 besten Karikaturen sowie 100 besten Fotos und Serien, die eine unabhängige Jury aus den weit über 1.000 eingereichten Arbeiten ausgewählt hat.

Bis zum 17. Februar kann die Öffentlichkeit erstmals ihr Lieblingsbild und ihre Lieblingskarikatur online auf der Webseite https://rueckblende.rlp.de/showroom wählen. Die Sieger werden am 17. Februar bekanntgegeben.

 Klaus Stuttmann hat mit seiner Karikatur "Föderalismus" den zweiten Platz bei der Rückblende 2020 belegt.
Klaus Stuttmann hat mit seiner Karikatur "Föderalismus" den zweiten Platz bei der Rückblende 2020 belegt. Foto: Der Tagesspiegel/Klaus Stuttmann
 Mario Lars hat mit „Lockdown“ den Karikaturenpreis der deutschen Zeitungen gewonnen (Mitte), den zweiten Platz belegte Klaus Stuttmann mit seiner Zeichnung „Es lebe der Föderalismus!“ (links) und auf den dritten Platz wählte die Jury die Karikatur „Klimahysterie“ von Matthias Hühn.
Mario Lars hat mit „Lockdown“ den Karikaturenpreis der deutschen Zeitungen gewonnen (Mitte), den zweiten Platz belegte Klaus Stuttmann mit seiner Zeichnung „Es lebe der Föderalismus!“ (links) und auf den dritten Platz wählte die Jury die Karikatur „Klimahysterie“ von Matthias Hühn. Foto: taz/Mario Lars
 Den Preis „Das scharfe Sehen 2020“ hat der dpa-Fotograf Michael  Kappeler mit einem Portrait von Friedrich Merz gewonnen, der Armin Laschet zuhört, wie er zu Mitgliedern der Jungen Union spricht.
Den Preis „Das scharfe Sehen 2020“ hat der dpa-Fotograf Michael  Kappeler mit einem Portrait von Friedrich Merz gewonnen, der Armin Laschet zuhört, wie er zu Mitgliedern der Jungen Union spricht. Foto: picture alliance/dpa/Michael Kappeler
 Der Fotograf Daniel Pilar hat mit seiner Serie „Geschlossene Gesellschaft – Stillstandsverwalter in der Corona-Pandemie“ den Preis „Beste Serie 2020“ gewonnen. Auf dem linken Bild ist Birgit Ponadev, Empfangsmitarbeiterin im Konzertsaal der Elbphilharmonie in Hamburg, und auf dem rechten Foto Tristan Schäfer, Domschweizer im Kölner Dom, zu sehen.
Der Fotograf Daniel Pilar hat mit seiner Serie „Geschlossene Gesellschaft – Stillstandsverwalter in der Corona-Pandemie“ den Preis „Beste Serie 2020“ gewonnen. Auf dem linken Bild ist Birgit Ponadev, Empfangsmitarbeiterin im Konzertsaal der Elbphilharmonie in Hamburg, und auf dem rechten Foto Tristan Schäfer, Domschweizer im Kölner Dom, zu sehen. Foto: Pilar, Daniel
 Porträt Tristan Schäfer (33), Domschweizer, im Kölner Dom am 03.04.2020.
Porträt Tristan Schäfer (33), Domschweizer, im Kölner Dom am 03.04.2020. Foto: Pilar, Daniel
 Christian Mang hat mit diesem Foto einer "Hygiene"-Demo den Rückblende-Wettbewerb 2020 gewonnen.
Christian Mang hat mit diesem Foto einer "Hygiene"-Demo den Rückblende-Wettbewerb 2020 gewonnen. Foto: Christian Mang/CHRISTIAN MANG

Die Ausstellung geht mit 100 Fotos, fünf Serien und 50 Karikaturen auf Tournee. In Trier ist sie – sofern es die Corona-Lage zulässt – vom 20. April bis zum 7. Mai in den Räumen der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) montags bis donnerstags von 8.30 bis 16.30 Uhr sowie freitags von 8.30 bis 15 Uhr zu sehen.

(ots)