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Der Kanzler wollte die Einigung Deutschlands. Dazu zettelte er einen Krieg mit Frankreich an.

Geschichte : Kaiser – dank Otto von Bismarck

Der Kanzler wollte die Einigung Deutschlands. Dazu zettelte er einen Krieg mit Frankreich an. Kurz vor dessen Ende fordern die Fürsten Wilhelm I. auf, die Kaiserkrone aufzusetzen. Hierzu haben Soldaten aus Trier wesentlich beigetragen.

„Eben kehre ich vom Schlosse nach vollbrachten Kaiserakt zurück! Ich kann Dir nicht sagen, in welcher morosen (veraltet für mürrisch, verdrießlich) Emotion ich in diesen letzten Tagen war, teils wegen der hohen Verantwortung, die ich nun zu übernehmen habe, teils und vor allem über den Schmerz, den preußischen Titel verdrängt zu sehen! In einer Konferenz gestern war ich zuletzt so moros, dass ich drauf und dran war, zurückzutreten und Fritz (gemeint ist Kronprinz Friedrich III.) alles zu übertragen!“  Wer das an seine Frau schreibt, ist der Deutsche Kaiser Wilhelm I. (1797-1888). Bis zuletzt haderte er mit der ihm von den deutschen Fürsten zugedachten neuen Rolle.

Aber wie kam es dazu? Eine wichtige Rolle spielte der Kanzler des Norddeutschen Bundes, Otto von Bismarck. In dem Konflikt um den spanischen Thron standen sich das deutsche Fürstenhaus Hohenzollern-Sigmaringen und das französische Königshaus der Bourbonen gegenüber. Beide beanspruchten für sich den vakanten Thron in Madrid. Insbesondere forderten die Franzosen nachdrücklich den Verzicht des Fürstenhauses, dessen Sprecher der preußische König Wilhelm I. war, auf die Regentschaft.

Und eigentlich war der Konflikt schon beigelegt, als der französische Kaiser Louis-Napoléon Bonaparte (1808-1873) noch mal nachhakte und einen definitiven Thronverzicht des Fürstenhauses auch für die Zukunft forderte. Der französische Botschafter Vincent Benedetti (1817-1900) hatte diese Forderung am 13. Juli 1870 Wilhelm I. persönlich in (Bad) Ems vorgetragen. Im persönlichen Gespräch lehnte der preußische König die weitergehenden Forderung von Louis-Napoléon Bonaparte ab. Hierzu verfasste er eine entsprechende Depesche, die aber in die Hände von Kanzler Otto von Bismarck (1815-1898) geriet.

Den Inhalt dieser Depesche änderte der Kanzler des Norddeutschen Bundes. Die sogenannte „Emser Depesche“ musste bei den Franzosen den Eindruck erwecken, dass Graf Benedetti nicht zur Audienz bei Wilhelm I. vorgelassen worden war. Dies hätte eine schwere Missachtung des diplomatischen Kodex bedeutet. Etwas, auf das man letztlich nur mit einer Kriegserklärung antworten konnte.

Am Abend des 14. Juli 1870, dem französischen Nationalfeiertag, versammelten sich Tausende auf den Straße von Paris und skandierten „Nach Berlin“ und Nieder mit Preußen“. Schon einen Tag später votierten 245 der 255 Abgeordneten des französischen Parlaments nach elfstündiger Debatte für die Aufnahme von Kriegskrediten. Am 19. Juli erklärte Frankreich Preußen den Krieg. Die Regierung rechtfertigte ihr Handeln damit, dass „das Projekt, einen preußischen Prinzen auf den spanischen Thron zu erheben, als eine gegen die territoriale Sicherheit Frankreichs gerichtete Unternehmung“ sei.

Die kaiserliche Armee überquerte am Morgen des 2. August 1870 mit drei Divisionen die Saar und besetzte nach einem kurzen Schusswechsel Saarbrücken. Die preußischen Verluste an diesem Morgen betrugen 80 Mann. Louis-Napoléon Bonaparte ließ verbreiten, dass sein 14-jähriger Sohn, liebevoll Prinz „Lulu“ genannt, bei diesem Angriff seine „Feuertaufe“ erhalten habe. Aber drei Tage später zogen sich die Besatzer auf die Spicherer Höhen zurück – ohne die Brücken über die Saar noch eine Telegrafenstation zu zerstören.

Schon einige Monate zuvor hatte der Chef des Großen Generalstabs, Helmuth Graf von Moltke (1800-1891), für einen etwaigen Frankreichfeldzug vorgegeben: „Die Operation gegen Frankreich wird darin bestehen, dass wir möglichst geschlossen einige Märsche auf französischem Boden vorgehen, bis wir der Französischen Armee begegnen, um dann die Schlacht zu liefern. Die Richtung dieses Vorgehens ist im allgemeinen Paris, weil wir in derselben am sichersten den Zielpunkt des Vorgehens, das feindliche Heer zu treffen, erwarten dürfen.“ Oberstleutnat von Jaski, Kommandeur des Nassauischen 2. Infanterie-Regimentes Nr. 88, formuliert es so: „Unser Grundsatz muss sein, dass wir das erste Gefecht, die erste Schlacht, gewinnen, mögen die Kompanie, das Bataillon, das Regiment darauf gehen.“

Schon bald kam in Saarbrücken Verstärkung aus Trier an. Das VIII. Armee-Korps stand unter Führung von August Karl von Goeben (1816-1880). Er führte das Armee-Korps in das Gefecht um die Spicherer Höhen sowie in Schlachten von Colombey und Gravelotte. Zugleich war sein Armee-Korps an der Belagerung von Metz beteiligt. Nach der Kapitulation der heutigen Partnerstadt von Trier, kämpfte er noch bei Amiens, an der Hallue (einem Fluss) und bei Bapaume sowie einen Tag nach der Proklamation von Wilhelm I. zum Deutschen Kaiser bei Saint-Quentin.

Bei Gravelotte am 18. August 1870 zählten von Goebens Einheiten zu denen, die im südlichen Flügel kämpften. Sie hatten als Aufgabe über die Chaussée Rezonville – Gravelotte gegen das II. französische Korps vorzugehen. Eine schwierige Aufgabe die wegen der heftigen Gegenwhr der Franzosen in Wirrwarr, Chaos und Denkelheit endete. In dieser Schlacht büßten beide Armeen etwa ein Achtel ihres Bestandes ein. Die französische Rheinarmee zog sich nach Metz zurück und saß nach der Schlacht von Sedan am 1. September 1870 in der Falle. Und die Deutschen hatten seit der Völkerschlacht bei Leipzig (16. bis 19. Oktober 1813) keinen verlustreicheren Kampf mehr geführt. An diese blutigen Kämpfe erinnert die französische Redewendung „Ça tombe comme à Gravelotte“ (deutsch: „Das kommt runter, wie in Gravelotte“).

Nach dieser verlustreichen Schlacht waren die Trierer Einheiten an der Belagerung von Metz beteiligt. Sie dauerte vom 20. August bis zum 27. Oktober 1870. Der Versuch, am 30. August 1870 den Belagerungsring zu sprengen, scheiterte. Marschall François-Achille Bazaine (1811-1888) übergab am 27. Oktober die französische Festungsstadt an die preußische Armee. Wegen einer ausgebrochenen Ruhr-Epidemie waren die Lazarette mit 20 000 Kranken überfüllt, was eine Versorgung der Stadt nicht mehr zuließ. 142 000 französische Soldaten gerieten in Kriegsgefangenschaft und wurden durch die Region – in Gerolstein erinnert ein Gedenkstein an den Tod mehrerer Soldaten während des Gefangenentransports – in den Raum Köln verlegt.

Danach war der Weg nach Paris frei; und die deutschen Fürsten hatten Zeit Wilhelm I., heute vor 150 Jahren, zum Kaiser zu proklamieren.