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Pianist Joseph Moog aus Wincheringen im Meisterkurs mit Daniel Barenboim

Klassik : Wie ein musikalischer Ritterschlag

Erfolg für Pianist Joseph Moog aus Wincheringen an der Obermosel: Der Musiker durfte einen Meisterkurs des weltberühmten Dirigenten und Pianisten Daniel Barenboim, Chefdirigent der Berliner Staatskapelle, besuchen.

Wenn ein Pianist zu einem Workshop bei Daniel Barenboim nach Berlin eingeladen wird, ist das kein Zufallstreffer, sondern eine bemerkenswerte Anerkennung. Für Joseph Moog, angesehener Konzertpianist mit Wohnsitz in Wincheringen (Kreis Trier-Saarburg) und künstlerischer Leiter der Konzer Sommerakademie, war diese Einladung so etwas wie ein musikalischer Ritterschlag. Selbstverständlich lässt sich der Chef der Berliner Staatsoper nicht auf Mittelmaß ein. Wen Barenboim zu einem Workshop einlädt, der ist selbst schon ein Pianist mit deutlichem Profil und herausragender Qualität.

Barenboim, der gerade seine zweite Einspielung sämtlicher Beethoven-Klaviersonaten abgeschlossen hat, hat mit Joseph Moog an der Interpretation der berühmten Klaviersonaten „Pathétique“ op.  10,1 und „Les Adieux“, op. 81a und der kleineren Sonate op. 79 gearbeitet. Moog schätzt bei Barenboim neben der präzisen Detailarbeit vor allem eins: das „ursprüngliche Ohr“, die Fähigkeit, die Schönheit von Klängen und musikalischen Entwicklungen aufzuspüren und weiterzugeben. Er schätzt, wie sorgfältig Barenboim an Klängen feilt, sie aushört.

Ganz klar: für Moog ein Vorbild. Und abgesehen von Barenboim – welche Pianisten sind für Moog wegweisend? Natürlich Bernd Glemser, Moogs Lehrer an der Würzburger Hochschule, und Arie Vari in Hannover. Aber auch Bruno-Leonardo Gelber, an dessen Spiel Joachim Kaiser ein „südländisches Brio“ rühmte, Claudio Arrau, der die deutsche Pianisten-Tradition nach Südamerika brachte, dann Wilhelm Backhaus und Wilhelm Kempff. Und eher erstaunlich: Auch Cyprien Katsaris gehört dazu. Der war lange Jahre neben Adrien Meisch Leiter der Echternacher Festspiele und ein Pianist, der sich an der deutschen Tradition orientierte. Katsaris hat ein Konzert in der Echternacher Basilika ausdrücklich Wilhelm Kempff gewidmet.

Da kommt eine aktuelle CD gerade recht. Joseph Moog hat auf ihr das erste Klavierkonzert von Johannes Brahms eingespielt und sich damit an ein Werk aus der deutschen Tradition gewagt, das zu den Höhepunkten der Klavier-Literatur zählt. Die Zahl der Einspielungen dieser Komposition ist immens und die Zahl der Interpretationen, der Deutungen auch. Und doch suchen Interpreten immer wieder neu ihren eigenen, ganz  persönlichen Zugang zu diesem Werk. Die Entstehungsgeschichte spricht für sich – zunächst Sinfonie, dann eine Version für zwei Klaviere und erst dann die heute gültige Fassung für Klavier und Orchester. Die Endfassung ist ein Ergebnis langer, mühseliger Arbeit. „Brahms hat mit diesem Werk gerungen“, sagt Moog.

Und der Komponist macht es auch den Interpreten nicht leicht. Pianistische Brillanz und kompositorische Substanz wollen verbunden sein. Eine Spannung muss aufgebaut werden zwischen dem  wuchtigen, diesseitigen Stil in den Ecksätzen und der stillen, sanften Religiosität im Mittelsatz. Und auch technisch gehört diese Komposition zum Anspruchsvollsten der Klavierliteratur.

Aber Joseph Moog findet in der Vielfalt an Einspielungen mit erstaunlicher Sicherheit seinen eigenen, persönlichen Zugang. Über das gesamte Werk hinweg breitet er einen faszinierend kantablen Stil aus.

„Ich möchte singen auf dem Flügel“, hatte Moog schon einmal bekannt. Jetzt gelingt ihm das Kunststück, der Musik dieses Singende mitzugeben und doch jede idyllische Harmlosigkeit zu vermeiden. Dazu sind Nicholas Milton und die Deutsche Radiophilharmonie nicht nur willige Begleiter. Sie setzen Schwerpunkte, vertiefen sich in die Orchestersprache von Brahms und finden einen Weg zu ausgeprägter Partnerschaft mit dem Solisten. So werde das Konzert zur „Sinfonie mit Klavier“, sagt Moog.

Joseph Moog gehört zu den freischaffenden Künstlern, die sich nicht auf eine Professur oder den Lehrauftrag an einer Musikhochschule verlassen können. Was seine eigene Situation während der Corona-Pandemie betrifft, so reagiert er gelassen: „Von meinen normalerweise 90 Konzerten pro Saison sind noch 30 übrig geblieben“, sagt er, deutet aber an, dass für ihn die künstlerischen Defizite gravierender sind als die finanziellen. Weniger Konzerte bedeuteten nicht allein weniger Einnahmen. Mit ihnen reduziere sich auch die Aufführungsroutine, die für professionelles Musizieren sehr wichtig sei. Patentrezepte gegen die schwierige Lage der Künstler hat auch Joseph Moog nicht. Was bleibt, ist die Hoffnung auf ein rasches Ende der Pandemie.

Joseph Moog im Meisterkurs bei Daniel Barenboim Foto: Josef Moog/Joseph Moog

Johannes Brahms, Klavierkonzert Nr. 1, d-Moll. Vier Stücke für Klavier op. 119. Joseph Moog, Klavier, Deutsche Radio Philharmonie, Dirigent  Nicholas  Milton, Onyx Classics 4214.