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Theatergeschichte(n) mit Bariton Carl Rumstadt und dem Intedanten als Feierbiest

THEATERGESCHICHTE(N): : Kolumne: Theaterleute zwischen Discofox und Don Giovanni

Der TV-Kolumnist Dirk Tenbrock blickt hinter die Kulissen – so verrät er, welchen besonderen Meistertitel Opernsänger Carl Rumstadt schon gewonnen hat.

Stand vor nicht allzu langer Zeit vor Premieren im Trierer Theater die (oft bange) Frage im Raum, ob das Stück den Zuschauern wohl gefallen werde, herrscht jetzt einfach entspannte Vorfreude beim Publikum und den Theaterleuten. Da ist dann auch mal das Outfit des äußerst engagierten und theateraffinen Kulturdezernenten Thomas Schmitt wichtigstes Thema beim Smalltalk im Foyer; ob denn der Aufschlag seiner blauen Denim-Hosen und sein Schuhwerk zum Fünfziger-Jahre-Thema der Revue „Blue Jeans“ passen oder nicht. Der Erfolg ist momentan quasi programmiert, was Intendant Manfred Langner und seine Truppe anfassen, scheint zu Gold zu werden. Es herrscht eine regelrechte Begeisterungstrunkenheit, Standing Ovations sind eher die Regel als die Ausnahme. „Unter dem tun sie es ja nicht mehr“, sagt augenzwinkernd ein Theaterfreund nach der umjubelten Premiere von Puccinis Oper „Madama Butterfly“ am ersten Februarsamstag (Regie Cornelia Rainer, Musikalische Leitung: Jochem Hochstenbach). Und das trotz der krankheitsbedingten, leichten Indisponiertheit der Hauptdarstellerin Siheng Yi, die sich nicht einmal per Ansage entschuldigen ließ. Hut ab vor so viel professionellem Mut!

Und bald kommt das erste wirklich dramatische Schauspiel ins große Haus, ganz ohne Trallala, Tanz oder Gesang: Shakespeares Tragödie „Romeo und Julia“. Dafür mit einem original britischen Regisseur, dem jungen Ryan McBryde, der schon für die Royal Shakespeare Company gearbeitet hat. Die Proben laufen daher überwiegend auf Englisch, die Texte (Übersetzung: Schlegel-Tieck) sind deutsch. Sehr spannend! Die Premiere wird am 23. März stattfinden. Gefeiert, höchstwahrscheinlich.

In der oben erwähnten „Butterfly“ fällt, wie schon als „Don Giovanni“, ein junger Sänger besonders auf: Bariton Carl Rumstadt beeindruckt mit seiner starken und facettenreichen Stimme, Spielkultur und einer unglaublichen Bühnenpräsenz, die den sympathisch zurückhaltenden 26-Jährigen schon jetzt zum Publikumsliebling des Gesangsensembles machen. Hier ist es GMD Hochstenbach zu verdanken, dass Rumstadt überhaupt in Trier singt, er hatte den hoffnungsvollen Jungstar dem Theater Bern (CH) vor der Nase weggeschnappt. Dass Rumstadt ein Tausendsassa ist, wissen wir nun schon, allein welche Talente noch in ihm schlummern, war bisher unbekannt: Er ist nämlich auch bayerischer Meister im Discofox-Tanz (zwar in der Schülerklasse Anfang der 2000er, aber immerhin erstaunlich). Ob wir dieses Talent auch einmal in einer postmodernen Opernregie zu sehen bekommen, wagen wir uns gar nicht auszumalen.

Und noch einmal zum Intendanten Langner. Dessen ruhiges und ausgleichendes Gemüt ist mittlerweile hinreichend bekannt und ein nicht zu unterschätzender Vorteil in den Stürmen des Theatergeschäftes. Doch der Mann kann auch anders: Wie aus gut unterrichteten Kreisen zu hören ist, mutiert der sonst so seriöse Theatermanager im Karneval gelegentlich zum Feierbiest. In dieser Session reservierte er sich aus dem Fundus des mega-erfolgreichen Märchenstückes „Der Zauberer von OZ“ genderübergreifend die Kostüme der guten (Luisa Braz-Batista) und der bösen Hexe (Barbara Ullmann), der Vogelscheuche (Gideon Rapp) und des Löwen (Benjamin Schardt). Wie die Schneiderei die Änderungen der Größen hinbekommt, ist die eine Frage, die andere lautet: Was sagt das über den Charakter des Intendanten aus? Jedenfalls: Gut gebrüllt, Manfred Langner!

Dirk Tenbrock