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Mehr Mediziner fürs Land: So soll das klappen

Gesundheit : Nach der Reform hofft die Region auf neue Landärzte

Ab dem nächsten Wintersemester soll eine Quote bei der Vergabe von Medizinstudienplätzen dafür sorgen, dass mehr Mediziner aufs Land gehen. Die Regierung in Rheinland-Pfalz sieht darin einen wichtigen Schritt im Kampf gegen den Medizinermangel abseits der Städte – der Opposition genügt das nicht.

(dpa/flor) Hausärzte fehlen in der Eifel, im Hunsrück und an der Mosel. Nun darf die Region hoffen, dass neue Mediziner ihr Studium starten, weil sie genau in den Gebieten mit drohenden Engpässen in der Versorgung irgendwann arbeiten wollen. Lange ist über eine Landarzt-Quote in Rheinland-Pfalz debattiert worden. Nun geht es ans Eingemachte: Ab dem kommenden Wintersemester werden erstmals Medizinstudienplätze auch über dieses Verfahren vergeben. Zusätzlich werden Plätze an Interessenten vergeben, die sich für eine spätere Arbeit in einem Gesundheitsamt verpflichten. Das Kabinett in Mainz beschloss in dieser Woche die entsprechenden Landesverordnungen, wie das Gesundheitsministerium in Mainz mitteilte.

Für Bewerber steht vom 1. bis 31. März ein Online-Portal bereit, auf dem die nötigen Unterlagen hochgeladen werden können. Die Landarzt-Quote sieht vor, dass von jährlich rund 430 Medizinstudienplätzen im Land etwa 27 an Personen gehen, die sich später zehn Jahre als Hausarzt in einem Gebiet mit aktueller oder künftig drohender Unterversorgung verpflichten. Das entspricht einem Anteil von 6,3 Prozent. Zudem sind 1,5 Prozent der Studienplätze – sechs Plätze – für angehende Mediziner vorgesehen, die sich für den öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) verpflichten. Insgesamt geht es also um 33 Studierende pro Jahr sowie 16 bis 17 pro Semester.

Der gesundheitspolitische Sprecher der oppositionellen CDU-Fraktion, Christoph Gensch, warf der Landesregierung halbherziges Handeln vor. Angesichts der langen Ausbildungszeit bei Medizinern dauere es nach dem Modell der Ampelkoalition viel zu lange, bis junge Ärzte zur Entlastung zur Verfügung stünden. Bereits nach dem eigentlichen Medizinstudium seien sie voll ausgebildet und könnten parallel zur Facharztausbildung in unterversorgten Gebieten eingesetzt werden. Die Regierung wolle aber, dass sie erst ihre Fachausbildung absolvierten. Das Grundproblem sei, dass es zu wenig Studienplätze für Humanmedizin gebe. Die Grünen preschten wiederum bei ihrem jüngsten Parteitag mit dem Vorschlag vor, nach Mainz eine zweite Unimedizin in Rheinland-Pfalz zu schaffen, um mehr Studienplätze zu schaffen – als Standort wurde Trier genannt.

 Ein Landarzt nimmt sein Stethoskop aus dem Koffer. Damit genügend Ärzte im Land unterwegs sind, dreht die Regierung an der Studienplatzquote.
Ein Landarzt nimmt sein Stethoskop aus dem Koffer. Damit genügend Ärzte im Land unterwegs sind, dreht die Regierung an der Studienplatzquote. Foto: dpa/Oliver Berg

Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) nannte die Landarzt- und ÖGD-Quote ein „wichtiges Projekt“, das nun in die Umsetzung starte. Es sei Teil der langfristigen Strategie des Landes zur Sicherstellung der ärztlichen Versorgung. Nach der Bewerbungsphase im März folgt laut Ministerium eine Vorauswahl. Berücksichtigt würden dabei etwa das Ergebnis eines fachspezifischen Studierfähigkeitstests, die Berufserfahrung sowie ehrenamtliche und praktische Tätigkeiten der Interessenten. Befürworter der Quote heben hervor, dass auch Abiturienten ohne einen Noten-Abschluss von 1,0 bessere Chancen hätten, ein Medizin-Studium zu starten. Es würden doppelt so viele Kandidaten zu Auswahlgesprächen eingeladen, wie am Ende Plätze zu vergeben seien, bevor dann die Vergabe erfolge. Allein in der Region Trier gehen bis zum Jahr 2023 insgesamt 173 Hausärzte in Rente.

(dpa)