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Wenn das Leben keinen Spaß mehr macht

Wenn das Leben keinen Spaß mehr macht

Jeder Zehnte über 65-Jährige, der zu Hause lebt, leidet an einer Depression. Depressionen sind die häufigsten psychischen Erkrankungen im Alter. Darauf weist die Landestherapeutenkammer zum heutigen Tag der seelischen Gesundheit hin.

Plötzlich ist das Leben nicht mehr lebenswert. Der Sinn ist verloren gegangen. Das Lebensende vor Augen, der Partner womöglich gestorben. Man fühlt sich einsam. Nutzlos. Die vielleicht schon seit Jahren existierenden Schmerzen, die Gebrechen des Alters, werden nun mehr wahrgenommen. Sie rücken in den Mittelpunkt. Die Kräfte lassen nach. Man fühlt sich ständig traurig, mutlos. Hat das Gefühl, hilflos zu sein und immer müde. Das Essen schmeckt nicht mehr. Einkaufen und Kochen werden zur Last. familie und volksfreund

Früher hat man das vielleicht Melancholie genannt. Heute weiß man, dass es sich nicht selten um Symptome handelt, die für eine Altersdepression stehen können. Depressionen gehören zu den häufigsten Erkrankungen im Alter, sagt Petra Regelin, Geschäftsführerin der Landespsychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz. Jeder Zehnte über 65 Jahre, der im eigenen Zuhause wohne, sei betroffen. Bei Menschen in Pflegeheimen seien es 40 Prozent. Schuld daran sind zumeist die Bedingungen des Alters. Das Gefühl, nicht mehr gebraucht zu werden. Durch den Renteneintritt ist ein wesentlicher Bestandteil des Lebens verloren gegangen. Für viele Menschen ist der Job lebensbestimmend. Mit dem Ende der Berufsphase enden oft auch soziale Kontakte, der gesellschaftliche Einfluss schwindet, auch ein gewisses Maß an Verantwortung, die sie im Beruf übernommen haben, fehlt vielen Älteren. Das Selbstwertgefühl leidet. Vor allem Männer leiden an dem sogenannten Pensionsschock. Kommen dann noch chronische Krankheiten, finanzielle Probleme oder der Verlust des Lebenspartners hinzu, besteht ein erhöhtes Risiko, an Altersdepression zu erkranken. Wer im Alter allein ist, ist ebenfalls anfälliger für Depressionen. Immerhin knapp zwei Drittel der über 65-Jährigen leben allein. Rückzug ist typisch

Doch die meisten schämen sich ihrer Krankheit, sie verschweigen sie. "Viele ältere Menschen, die unter einer depressiven Störung leiden, reden nicht oder kaum über ihren Zustand", sagt Gisela Borgmann-Schäfer, Vorstandsmitglied der Landespsychotherapeutenkammer. Ihnen ist oft selbst nicht bewusst, dass sie krank sind. "Die Betroffenen ziehen sich immer weiter zurück. Deshalb wird die Krankheit häufig nicht oder erst sehr spät erkannt." Oft würden die Symptome auf den normalen Alterungsprozess geschoben und daher nicht ernst genommen und behandelt, sagt Borgmann-Schäfer. Doch die Betroffenen bräuchten dringend professionelle Hilfe. "Wer ernsthaft erkrankt ist, kommt allein aus der Abwärtsspirale der Depression nicht mehr heraus." Die Folgen sind nicht selten tatsächliche Lebensmüdigkeit. Die Betroffenen machen ihrem Leben ein Ende. 2011 hat es in Rheinland-Pfalz laut Statistischem Landesamt 543 Selbsttötungen gegeben. 161 Personen davon waren über 70 Jahre alt, elf waren unter 20. Und es sind überwiegend Männer, die sich selbst umbringen. Hinweise auf Krankheit

Anzeichen für eine Depression können laut Borgmann-Schäfer sein, dass die Betroffenen sich immer mehr zurückziehen, keine Kontakte mehr mit Mitmenschen haben wollen. "Auch Mut- und Antriebslosigkeit, Gewichtsverlust oder Schlafstörungen und die Unfähigkeit, Freude oder Gefühle zu empfinden, weisen auf eine Krankheit hin." Wer entsprechende Symptome an sich oder einem Angehörigen feststellt, sollte einen Psychotherapeuten aufsuchen oder zu seinem Arzt gehen, rät Borgmann-Schäfer. Extra

So kann man einer Altersdepression vorbeugen: Pflegen Sie soziale Kontakte! "Vergessen Sie das Lachen nicht!", rät Petra Regelin, Geschäftsführerin der Landespsychotherapeutenkammer. Regelmäßig an die frische Luft gehen. Regelin: "Licht und Sauerstoff tun der Seele gut." Ausdauersport treiben: Radfahren, Schwimmen, Walken, Joggen. Auf ausgewogene Ernährung achten. Psychotherapeuten in der Nähe lassen sich über die Internetseite der Landespsychotherapeutenkammer Rheinland-Pfalz finden. wie lpk-rlp.de