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Nicht jede Kirche hat eine Zukunft - Bistum schaut künftig genauer hin, für welche Immobilie Zuschüsse bezahlt werden

Entweiht: die Thomas-Morus-Kirche in Daun.TV-Foto: Archiv/ Stephan Sartoris
Entweiht: die Thomas-Morus-Kirche in Daun.TV-Foto: Archiv/ Stephan Sartoris FOTO: (e_daun )
Trier. Im Bistum Trier kommen in den nächsten Jahren alle 3750 Immobilien in Kirchenbesitz auf den Prüfstand. Für unwirtschaftliche oder kaum genutzte Gebäude soll es künftig keine Zuschüsse mehr geben. Auch etlichen Kirchen droht das Aus. Rolf Seydewitz

Trier. Für viele gläubige Katholiken aus der Vulkaneifel war es ein schwerer Gang: Vor anderthalb Wochen wurde in der Dauner Thomas-Morus-Kirche der letzte Sonntagsgottesdienst gefeiert. Wenige Tage später wurde das vor 45 Jahren erbaute Gotteshaus vom Trierer Weihbischof Helmut Dieser entweiht. Grund für die Profanierung: Die Renovierung der an vielen Stellen maroden Kirche hätte viel Geld verschlungen, die Zahl der Gottesdienstbesucher ging in den vergangenen Jahren zudem kontinuierlich zurück.Trier dreht Geldhahn zu


So wie der Dauner Thomas-Morus-Kirche wird es in den kommenden Jahren noch einigen der insgesamt 1860 katholischen Kirchen und Kapellen im Bistum ergehen. Denn das Trierer Generalvikariat wird künftig längst nicht mehr jede Baumaßnahme in den Kirchengemeinden bezuschussen. Ein Gotteshaus wie die Dauner Thomas-Morus-Kirche, stark renovierungsbedürftig und schwach frequentiert, muss künftig auf Geld aus Trier verzichten. Und wenn die Pfarrgemeinde dann aus eigener Kraft nicht mehr in der Lage ist, die Bewirtschaftungskosten und den Unterhalt zu tragen, bleibt am Ende nur die Profanierung. Um einen Überblick über den Bestand, Zustand und die Nutzung der Kirchen, Pfarrhäuser und Pfarrheime im Bistum zu bekommen, wird derzeit in der Bauabteilung des Generalvikariats für jede der 173 Pfarreiengemeinschaften ein Immobilienkonzept erstellt. Das Konzept soll den Verantwortlichen vor Ort die Entscheidung darüber erleichtern, welche Immobilien in den jeweiligen Pfarreien pastoral sinnvoll und zugleich finanzierbar sind.
Das erste Immobilienkonzept für die Kirchengemeinde Grafschaft (Kreis Ahrweiler) liegt inzwischen vor, fünf weitere werden in diesem Jahr noch folgen; die übrigen Konzepte sollen bis Ende 2017 vorliegen. In Grafschaft kommt das 70-seitige Konzept zu dem Ergebnis, dass drei von sechs Pfarrheimen nicht mehr bezuschusst werden, allerdings noch alle 14 Kirchen und Kapellen.
Der Unmut vor Ort dürfte sich daher in Grenzen halten. Andernorts im Bistum ist der Unmut oder zumindest die Skepsis gegenüber Trier offenbar schon jetzt groß. In 19 der 173 Pfarreien haben sich die Verantwortlichen wegen eines Immobilienkonzepts erst gar nicht beim Generalvikariat gemeldet. Heißt im Umkehrschluss, dass diese Pfarreiengemeinschaften auf Baukostenzuschüsse aus Trier vorläufig ganz verzichten müssen. Die liegen - je nach Projekt - zwischen 60 und 70 Prozent.
"Wir wollen die Menschen mitnehmen", macht Projektleiter Otmar Brittner deutlich, dass dem Generalvikariat an einer möglichst einvernehmlichen Zusammenarbeit mit Verantwortlichen in den einzelnen Pfarreien gelegen ist. Nur wenn es keine Einigung gebe, müsse Trier entscheiden, sagt Brittner, der auf Nachfrage einräumt, derzeit keinen einfachen Job zu haben. "Und manchmal bekommt man auch Prügel", fügt der Projektleiter hinzu und meint wohl eher verbale Keile.
In Daun ging die Profanierung friedlich über die Bühne. "Bei aller Wehmut", sagte Pfarrer Ludwig Hoffmann vor einer knappen Woche am Ende des Gottesdienstes, "es wird etwas Neues, Sinnvolles an dieser Stelle entstehen." Ein Investor will auf dem Gelände der ehemaligen Thomas-Morus-Kirche seniorengerechte Wohnungen bauen.Extra

Im Bistum Trier leben 1,43 Millionen Katholiken. In den 173 Pfarreiengemeinschaften gibt es 1860 katholische Kirchen und Kapellen, 690 Pfarrhäuser sowie 570 Pfarr- und Jugendheime. In den vergangenen zwölf Jahren wurden 22 Kirchen profaniert, drei weitere Kirchen sollen demnächst entweiht werden. Seit 2000 ist die Zahl der Katholiken im Bistum um 14 Prozent gesunken, die Zahl der Gottesdienstbesucher um 49 Prozent. Entsprechend schwieriger ist es für die Pfarreien, bei Baumaßnahmen den Eigenanteil aufzubringen. Das Bistum zahlte zuletzt rund 22 Millionen Euro Baukostenzuschüsse pro Jahr. Wegen des Kostensenkungsbeschlusses sollen aber 2016 1,5 Millionen Euro eingespart werden. sey