Autofahrer im Visier der Politik

Autofahrer im Visier der Politik

TRIER. (ik) Deutschlands Autofahrer sind gebeutelt: Erst werden sie von Politik und Mineralölkonzernen gemolken – dann das Handy-Verbot, an das sich kaum jemand hält. Jetzt sollen die Autofahrer mit einem Rauch-Verbot gegängelt werden. Automobil-Verbände laufen Sturm gegen die Pläne.

Wer am Steuer raucht, erhöht die Unfallgefahr drastisch. Das behauptet der SPD-Verkehrs-Experte Peter Danker und folgert: Deutschland braucht ein absolutes Rauchverbot für Fahrer. Rückendeckung erhält Danker von der CDU-Gesundheitspolitikerin Katherina Reiche und deren CSU-Kollegin Gerlinde Kaupa. „Für die These, dass die Unfallgefahr durch Rauchen am Steuer steigt, gibt es keine statistischen Belege“, kontern Automobil-Verbände. Verbiete man das Rauchen, müsse man auch über andere Ablenkungen wie Essen und Trinken sprechen, heißt es beim Automobilclub von Deutschland (AVD). Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) nennt Dankerts Initiative einen „nicht sonderlich gut durchdachten Schnellschuss“ und fragt, wie ein Rauchverbot durchgesetzt werden solle. Schon das seit 1. April 2004 geltende Handy-Verbot nimmt kaum jemand ernst. Bundesweit wurden nach einer ADAC-Erhebung bisher mehr als 111 000 Verstöße registriert.

Landesverkehrsminister Hans-Artur Bauckhage hält nichts von dem Vorschlag: „Nach dieser Logik müssten wir dann auch das Mitführen von Beifahrern, das Benutzen von Autoradios und den Verzehr von Schokoriegeln verbieten.“ Ewald Ternig, Verkehrsrechtsdozent an der Landespolizeischule Hahn, hält Unachtsamkeit am Steuer – auch durch Rauchen – zwar für ein Problem und wünscht sich ein Umdenken. „Aber man kann nicht alles über Verbote machen. Das muss von den Leuten selbst kommen.“ Grund für ein solches Umdenken gibt es genug: Wer einen Unfall verursache, weil er unachtsam sei, riskiere seinen Versicherungsschutz, warnt der ADAC – ob er rauche, eine CD suche oder das Navigations-system

bediene. SPD-Mann Dankert lässt aller Kritik zum Trotz nicht locker: Er will kommende Woche seine Fraktion für das Rauchverbot am Steuer und eine entsprechende Änderung der Straßenverkehrsordnung gewinnen. Dass es dazu kommt, ist eher unwahrscheinlich. Schon 2001 war ein ähnlicher Vorstoß von Abgeordneten am Verkehrsministerium gescheitert. Dort winkt man erneut ab: „Dieser Vorschlag trägt nicht zur Verkehrssicherheit bei“, sagt Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD). Schenkt man einer Umfrage des Hamburger Instituts Ears and Eyes Glauben, ist fast die Hälfte der Bundesbürger anderer Meinung: 46 Prozent der 1108 Befragten sprachen sich danach für ein juristisch verankertes Rauchverbot am Steuer aus.