Hilfe sogar aus Amerika

Es ist heute der Normalfall, dass Menschen aus beruflichen oder privaten Gründen aus ihrer Heimat wegziehen. Erkrankt dann ein Angehöriger an Demenz, sind sie nicht mehr vor Ort. Stellen wie das Demenzzentrum sorgen für die Betreuung der Erkrankten und halten die Angehörigen auf dem Laufenden.

Trier. Seit einem Jahr lebt Gisela Warnke in Boston in den USA. Vorher hat sie sieben Jahre in England verbracht. In Trier blieb eine Tante, die für sie wie eine "zweite Mutter" ist. Bei ihren Besuchen in Trier - dreimal im Jahr versucht sie, aus den USA rüberzukommen - ist der Kinderärztin schon früh aufgefallen, dass mit ihrer Tante (87) irgendetwas nicht stimmt. Das Kurzzeitgedächtnis ließ immer weiter nach.

"Meine Tante ist in Trier fast alleine. Sie hat keine Kinder und auch keinen Ehemann", erzählt Warnke. "Nur ihre beste Freundin hat sie vor Ort unterstützt." Diese Freundin hilft der Tante, wo sie kann. Sie ist aber selbst schon 82 und brauchte Warnke zufolge Entlastung.

Denn die Demenz von Warnkes Tante hatte schon ein fortgeschrittenes Stadium erreicht, und diese Situation machte ihr zu schaffen. Bei einem Besuch in Trier fiel ihr im Seniorenbüro eine Broschüre des Demenzzentrums in die Hände. Telefonisch meldete sie sich bei Mitarbeiterin Uschi Wihr. Wihr habe sofort reagiert, die Freundin der Tante kontaktiert und sich bei einem Hausbesuch die Situation genau angesehen.

Durch die Unterstützung von Wihr ist es Warnke gelungen, für ihre Tante die Pflegestufe I durchzubringen. Vor allem für die zeitliche Koordinierung der Termine mit dem medizinischen Dienst ist sie sehr dankbar.

Wihr hat alles so organisiert, dass die Wahlamerikanerin dabei sein konnte. Mit Hilfe des Demenzzentrums habe ihre Tante jetzt die Möglichkeit, so lange wie möglich in ihrer gewohnten Umgebung zu leben. "Ohne das Demenzzentrum hätte ich das nicht geschafft", meint Warnke.

Das Kümmern um die Angehörigen ist aber nicht nur von Übersee aus schwer. Schon innerhalb Deutschlands verkompliziert die Entfernung die Aufgabe. Das bestätigt Andrea K. (45) aus Heidelberg. Ihre 82-jährige Mutter lebt in Trier. Verwandte hat sie dort nicht mehr. Im Januar dieses Jahres hat Andrea K. Verdacht geschöpft, dass ihre Mutter erkrankt sein könnte. "Bei einem Termin mit Frau Wihr hat sie mir gesagt, dass es sich vermutlich um eine Demenz in einem relativ frühen Stadium handelt", sagt sie. Professor Bernd Krönig, Vorsitzender des Hauses der Gesundheit, dem derzeitigen Träger des Demenzzentrums, bestätigte den Verdacht durch einen Demenztest. Ein Neurologe diagnostizierte zwei Arten der Demenz.

Schon beim ersten Treffen hat Wihr Andrea K. empfohlen, ihre Mutter eine der Gruppen im Demenzzentrum besuchen zu lassen. Das helfe gegen die Einsamkeit. Andere gesellige Beschäftigungen, wie das Singen im Kirchenchor, hatte die Mutter zuvor einstellen müssen. Jetzt besucht sie die Betreuungsgruppe "Memory". Dort kochen, malen, basteln, singen, spielen und reden die Teilnehmer miteinander. Von Gruppenleiterin Helga Müller ist die 82-Jährige total begeistert. Die ehrenamtliche Helferin versuche immer, die Fähigkeiten der Leute aufzuspüren und sie dann zu fördern, sagt Stefan Kugel, ebenfalls Mitarbeiter im Demenzzentrum.

Einen weiteren Tipp von Wihr hat Andrea K. ebenfalls befolgt: Sie nutzt jetzt für ihre Mutter das "Essen auf Rädern"-Angebot und einen sozialen Dienst, der der Demenzkranken jeden Tag die notwendigen Medikamente verabreicht. Noch muss die 82-Jährige das selbst finanzieren, aber vielleicht sind bald mit Hilfe des Demenzzentrums die bürokratischen Hürden zur Pflegestufe überwunden.

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