HINTERGRUND

Die Großherzogin ganz privat In ihrer Jugend kannte Joséphine-Charlotte schwierige Zeiten. Dieser Tatsache ist es wohl zu verdanken, dass diese Frau von klein auf stets einen sehr ausgeprägten Familiensinn hatte.

Wie in Laeken, wo Joséphine-Charlotte ihre Kindheit verbrachte, waren auch auf Schloss Betzdorf, später auf Schloss Berg und Schloss Fischbach die Familienbande sehr eng. Die Großherzogin lebte förmlich auf, wenn sie zusammen mit Großherzog Jean und ihren fünf Kindern ihre Freizeit verbringen konnte. Ob es nun hieß, sich sportlich zu betätigen, oder ob es eher künstlerisch zuging, sie war stets die mit Rat und Tat zur Seite stehende Mutter. Für Joséphine-Charlotte waren es auch später die schönsten Momente in ihrem Leben, wenn sie die 20 Enkelkinder um sich versammelt hatte. Im Gegensatz zu den Verpflichtungen des Großherzogs sind die Aufgaben der Großherzogin nirgends festgehalten. Joséphine-Charlotte hatte aber eine sehr wichtige Rolle an der Seite ihres Mannes inne. Während Jean mit der gesetzlichen Ausübung der großherzoglichen Funktion beschäftigt war, kümmerte sie sich mit viel Hingabe um die vielen privaten und weniger privaten Aufgaben im Monarchen-Haus. Des öfteren sah man sie in der Anlage von Schloss Berg in Arbeitskleidung, vor allem während des Umbaus am offiziellen Wohnsitz der großherzoglichen Familie, oder bei der Gartenarbeit und der Pflege ihrer Rosen. Kunst war eine ihrer Lieblingsbeschäftigungen. Sie konnte nicht nur eine große Sammlung moderner Kunstobjekte ihr Eigen nennen, sie verfügte zudem über außerordentlich gute Kunstkenntnisse. "Eingeführt in die moderne Kunst wurde Joséphine-Charlotte von dem Kunstkenner und -kritiker Joseph Emile Muller", schrieb im Jahr 2000 die Zeitschrift Revue. "Sie hat zahlreiche luxemburgische Künstler in ihren Ateliers aufgesucht und so etliche Freundschaften geschlossen. Der ,Cercle artistique de Luxembourg‘ steht unter ihrer Schirmherrschaft, und gerne überreicht die Fürstin den ,Prix Grand-Duc Adolphe‘ an die Laureaten." Auf Staatsbesuchen oder privaten Reisen besichtigte die Großherzogin stets Kunststätten, und mit der Zeit hatte ihr Kunstverständnis auf internationaler Ebene Anerkennung gefunden, was ihr auch den Titel "Honorary Co-Chairman" im "Advisary Board" der "Peggy Guggenheim Collection" im italienischen Venedig einbrachte. Kunst spielte aber auch eine sehr große Rolle bei der Auswahl ihrer Kleider. Die elegant gekleidete Großherzogin hatte stets ein Faible für französische Couturiers, mit an der Spitze Jean Dessès, gefolgt von Balmain, Lanvin und Chanel. Bei offiziellen Anlässen sah man sie natürlich nur in sehr schicken Roben, privat aber auch oft im Hosenanzug, doch immer auf Eleganz bedacht. Roger Infalt Roger Infalt und Jos Telen sind Redakteure des Luxemburger "Tageblatt".