Kontrollieren und investieren

Das Unglück von Bad Reichenhall hat den Blick auf die Sicherheit öffentlicher Bauwerke gelenkt. Sogar in Berlin bemerkt man, dass marode Freizeiteinrichtungen, Hallen, Schulen und Brücken inzwischen ein hohes Risiko darstellen.

Das ist ein für die Berliner Szene maßgeschneidertes Thema, denn die meisten dieser Bauwerke gehören ohnehin den Städten und Gemeinden und die vielerorts dringend notwendigen Sanierungen würde somit den Bundeshaushalt nicht belasten. Da fällt das Fordern leicht. Dabei ist die Idee eines "Bau-Tüv" zur schärferen Überprüfung der Sicherheit von Bauwerken durchaus sinnvoll. Dies allein wird freilich nicht ausreichen, denn Stadien, Sporthallen, Kindergärten und Schulen sind ja vor allem deshalb baulich in einem Besorgnis erregenden Zustand, weil die öffentlichen Finanzen genauso marode sind wie ein Teil der Gebäude. Regelmäßigere Überprüfungen allein bringen jedoch wenig, wenn keine Taten folgen. Das zeigt der Zustand vieler Brücken in Deutschland. Diese werden zwar ständig geprüft, Experten schlagen seit Jahren Alarm. Die Dekra stellte schon vor einem Jahr fest, dass fast 20 000 Brücken dringend saniert werden müssten, bei 14 000 davon empfahlen die Prüfer sogar sofortige Sperrung. Getan hat sich jedoch wenig. Umgekehrt wären die Folgen für die Infrastruktur im Land vermutlich verheerend, wenn plötzlich tausende Gebäudeprüfer unterwegs wären und ähnlich hohe Maßstäbe durchsetzen wollten, wie die Prüfer bei den Tests an Kraftfahrzeugen: Vermutlich müssten Schwimmbäder und Sporthallen reihenweise geschlossen werden. Nichtsdestotrotz muss höchstmögliche Sicherheit das Ziel bleiben. Diese ist nur durch scharfe, regelmäßige Kontrolle und konsequentes Durchsetzen hoher Standards zu erreichen. Daher müssen die Kontrollen durch ein umfassendes Programm zur Sanierung öffentlicher Bauwerke ergänzt werden, an dem sich alle staatlichen Ebenen beteiligen. Damit die finanzielle Last nicht - wie schon so oft - allein bei den Kommunen abgeladen wird. l.ross@volksfreund.de