Seltenes Phänomen

Selten fällt es so leicht, sich eine Meinung zu bilden wie im Fall der Selbsthilfegruppen.Die Liste der Argumente, die für sie sprechen, ist lang. Selbsthilfegruppen sind für viele Menschen ein wichtiger Rettungsanker. Sie versorgen sie mit Informationen über ihr Problem oder ihre besondere Lebenslage. Sie bieten ein Forum für den Erfahrungsaustausch und helfen so effektiv. Wer krank ist oder in einer Lebenskrise, findet unter Gleichgesinnten Verständnis und Unterstützung. Selbsthilfegruppen stärken die Eigenverantwortung. Sie sind billig - oft fallen außer der Raummiete allenfalls noch ein paar Euro für ein Flugblatt an. Und von ihnen profitieren zumindest indirekt sogar die, die ihre Hilfe nicht brauchen: Die organisierte Selbsthilfe spart der deutschen Volkswirtschaft mindestens zwei Milliarden Euro im Jahr, Geld, das andernfalls irgendwoher kommen müsste - und wer diese Quelle wäre, ist leicht zu erraten.

Die Minuspunkte der Selbsthilfegruppen? Fehlanzeige! Es gibt keine. Dass Vertreter der organisierten Selbsthilfe nichts Nachteiliges finden können, ist wenig erstaunlich. Aber auch Ärzte sind voll des Lobes, die Krankenkassen ebenfalls - wohin man sich wendet, hört man nur Gutes. Offenbar sind die Selbsthilfegruppen eins der seltenen Phänomene, die rundum positiv bewertet werden können. Wie wohltuend, dass es auch das hin und wieder gibt!

i.kreutz@volksfreund.de

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