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Mallorca noch immer nicht 17. Bundesland

Dionys Jobst.Foto: privat
Dionys Jobst.Foto: privat
Dionys Jobst, einst CSU-Bundestags-Abgeordneter, war der Mann, der im Sommer 1993 vorschlug, Mallorca zu kaufen und zum 17. Bundesland zu machen. Kein anderes Sommerloch-Thema hat seit dem für so viel Aufregung gesorgt.

Berlin. (has) 15 Jahre danach führte der TV ein Gespräch mit dem heute 80-Jährigen, der vom 1969 bis 1998 im Parlament saß. Mit Jobst sprach unser Korrespondent Hagen Strauß.

Herr Jobst, sind Sie eigentlich Ehrenbürger von Mallorca?

Jobst: Leider nicht. Man hat mich damals zwar eingeladen, als die ganze Geschichte in die Welt gesetzt wurde, aber daraus ist nichts Konkretes geworden.

Ihre Forderung vor 15 Jahren, Mallorca als 17. Bundesland zu kaufen, hat sie zum König des Sommerlochs gemacht. Wie kam es dazu?

Jobst: Das war eine lustige Unterhaltung mit einem Vertreter der Bild-Zeitung über alles Mögliche im Verkehrsbereich, bei der wir irgendwann auf Mallorca kamen. Als wir feststellten, dass die meisten aus Deutschland dort hinfahren, haben wir gesagt, die Insel müsste eigentlich gekauft werden. Ich weiß nicht, ob Bild mich bewusst darauf zu gesteuert hat, jedenfalls hat sie daraus einen Wirbel gemacht...,

...der Sie völlig überrascht hat?

Jobst: Ja, ich habe zwar angenommen, dass dazu etwas in der Bild-Zeitung stehen würde. Aber mir wäre lieber gewesen, in einer moderaten Form und nicht so marktschreierisch, dass alle Urlauber an allen Stränden der Welt zum Zeitungsstand liefen und die Bild-Zeitung gekauft haben. Manche haben das ja als bare Münze genommen.

Wie sind Sie auf 50 Milliarden Mark Kaufpreis gekommen, die die Bundesregierung für Mallorca berappen sollte?

Jobst: Einfach so aus dem Stegreif. Und wir haben uns dabei vor Lachen auf die Schenkel geschlagen. Dann haben die am nächsten Tag so eine bierernste Sache daraus gemacht, dass viele es geglaubt haben. Ich bekam Anrufe aus der ganzen Welt, aus New York, London, das spanische Königshaus ist eingeschaltet worden, der Botschafter fragte nach, was da läuft. Es war lustig - aber eben nicht ernst gemeint.

Haben Sie sich denn nicht vorgeführt gefühlt?

Jobst: Mir wäre es lieber gewesen, Bild hätte es in einer lustigen Form gebracht. Ich hab das der Zeitung schon verübelt.

Aber es war die tollste Idee, die jemals ein Sommerloch füllte.

Jobst: Wissen Sie, man kann so etwas nicht herbeizaubern. Es muss aus der Situation entstehen und irgendwie passen. Damals war Saure-Gurken-Zeit, Sommerloch, und es kam alles zusammen.

Wie waren die Reaktionen in ihrer Partei?

Jobst: Da gab es auch welche, die das für ernst gehalten haben. Zum Beispiel der damalige Generalsekretär Peter Hinze. Der hat gesagt, mit solchen Dingen muss man aufhören. Hinze hat den Unsinn auch geglaubt und mich angerufen. Helmut Kohl nicht, der hat es so genommen, wie es war. Geschadet hat mir die ganze Geschichte nicht. Aber sie ist nun mal untrennbar mit meinen Namen verbunden.