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Organspende: Ein fremdes Herz in der Brust

Organspende: Ein fremdes Herz in der Brust

Zwei Frauen berichten, warum das Thema Organspende für sie wichtig ist.

Es hat sich angefühlt, wie eine harmlose Erkältung. Die 15-jährige Gymnasiastin Alexandra W. aus Mainz fühlt sich tagelang, schlapp, kraftlos. Ein Bluttest beim Arzt ergibt, dass das Mädchen an Pfeifferschem Drüsenfieber erkrankt war. Eine normalerweise harmlos verlaufende Viruserkrankung. Doch Alexandra geht es immer schlechter. Dann die erschütternde Diagnose: Die Krankheit hat bei der 15-Jährigen eine Herzmuskelentzündung ausgelöst. Ihr Herz ist zu schwach, um sich wieder zu erholen. Alexandra braucht ein neues Herz. "Als mich die Ärzte fragten, ob ich die Transplantation möchte, war es sofort klar für mich und ich war bereit, alle Dinge, die sie mit sich zieht, auf mich zu nehmen. Aber ich denke das war einfach der pure Überlebensinstinkt", erzählt die heute 21-Jährige im Gespräch mit unserer Zeitung. Angst zu Sterben habe sie nicht gehabt. Es habe natürlich Momente gegeben, in denen es ihr so schlecht gegangen sei, "dass ich nicht genau wusste, woher ich die Kraft nehmen soll, es zu überstehen".

Anstatt sich mit ihren Freunden zu treffen und auf Partys zu gehen, liegt sie monatelang auf der Intensivstation einer Spezialklinik, wo sie auf ein Spenderherz wartet. "Ich war jeden Tag hauptsächlich damit beschäftigt, die Zeit durchzustehen."

Wegen ihres jugendlichen Alters hat Alexandra zwar weit vorne auf der Warteliste für ein Spenderherz gestanden. Wann aber ein passendes Organ zur Verfügung stehen würde, ist unklar gewesen.

Der Bruder von Marita D. aus Kaiserslautern hatte keinen Organspendeausweis. Vor elf Jahren hat der bis dahin gesunde Mann, eine Hirnblutung erlitten. Die Ärzte machten Marita D. wenig Hoffnung für ihren 46-jährigen Bruder. Irgendwann stellten sie den Hirntod des Mannes fest, erklärten ihn für tot. Dann kam die Sprache auf Organspende.

"Mein Bruder hatte keinen Organspendeausweis und wir hatten auch nie über dieses Thema gesprochen. Dass man dann in einer emotionalen Ausnahmesituation für einen anderen Menschen eine Entscheidung treffen muss, ist sehr schwer und fordert vieles von einem ab", so die Schwester. Zusammen mit ihrem Mann habe sie sich dann für die Organspende entschieden. "Denn wir sahen in ihr noch so etwas wie Trost und Sinn in einer sinnlosen Situation." Zwei Monate nach dem Tod ihres Bruders habe sie über die Deutsche Stiftung Organtransplantation erfahren, dass dadurch insgesamt sieben Menschen geholfen werden konnte. Einer der Empfänger bedankte sich anonym bei Marita D. "Der Dankesbrief war für uns ein ganz großes Geschenk. Er hat uns bestätigt, dass unsere Entscheidung die einzig richtige war. Sie können nicht ermessen, welchen Trost er uns gespendet hat." Seit kurzem engagiert sich D. für die Organspende.

Nach drei Monaten zwischen Hoffen und Bangen kam für Alexandra W. die erlösende Nachricht, ein Spenderherz war für sie gefunden. Elf Stunden später bekam sie ihr neues Herz. "Die ersten Tage danach waren einer der glücklichsten meines Lebens, glaube ich. Eine Mischung aus riesengroßer Dankbarkeit, Erleichterung und dem schönen Gefühl, sich endlich wieder fitter zu fühlen", erinnert sich die junge Frau an damals. Heute gehe es ihr wieder sehr gut. "Ich lebe eigentlich ein Leben wie jeder anderer in meinem Alter", erzählt die 21-Jährige, die mittlerweile in Wien lebt, dort kürzlich ihr Psychologie-Studium abgeschlossen hat. Zuvor ist sie ein halbes Jahr in Australien gewesen. Zwar müsse sie regelmäßig Medikamente nehmen. Ihre Lebenseinstellung habe sich geändert: "Man weiß jeden Tag zu schätzen, an dem es einem gut geht und man ein starkes Herz in seiner Brust schlagen fühlt." Info

Zu wenig Organspender

Im vergangenen Jahr spendeten in Deutschland 857 Menschen insgesamt 2867 Organe. Mehr als 10.000 Patienten warten auf ein Spenderorgan. In Rheinland-Pfalz gab es nach Angaben der Landeszentrale für Gesundheitsförderung 38 Organspender. Den Spendern seien 124 Organe entnommen worden, die vermittelt und transplantiert wurden. Gleichzeitig stehen 444 Rheinland-Pfälzer auf der Warteliste für ein Spenderorgan.

Laut einer Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung stehen 81 Prozent der Deutschen einer Organ- und Gewebespende positiv gegenüber. Allerdings haben demnach nur 58 Prozent der Befragten sich für eine Organspende entschieden. Nur jeder dritte Deutsche habe einem Organspendeausweis.