Schönrechnerei

Die Lage am Arbeitsmarkt hat sich im vergangenen Jahr trotz aller Reformen weiter verschlechtert. In Deutschland gingen 2003 so viele Arbeitsplätze verloren wie seit 1993 nicht mehr. Rund 400 000 Jobs wurden in den Unternehmen wegrationalisiert, ins Ausland verschoben oder gingen mit der Pleite von Firmen verloren. In der Region Trier sind im gleichen Zeitraum 2400 der ursprünglich 143 000 Stellen weggefallen. Dass trotz dieser Entwicklung die Arbeitslosenzahlen nicht ins Uferlose gestiegen sind, hat seinen Grund an den schärferen Kontrollen der Arbeitsämter. Arbeitslose, die keine Lust auf einen neuen Job haben, werden viel schneller aus der Statistik gestrichen. Zudem entlasten viele ältere Arbeitnehmer die Quote, indem sie Paragraph 428 im Sozialgesetzbuch III nutzen und so Arbeitslosengeld bekommen ohne im Bestand der Arbeitslosen aufzutauchen.Die Hartz-Maßnahmen, die den Arbeitsmarkt entlasten sollen, haben hingegen bisher die Bilanz kaum aufgehellt. Die Personalservice-Agentur (PSA), im Vorfeld als Herzstück der Hartz-Reformen gefeiert, ist ein unglaublicher Rohrkrepierer. Mit viel Tam-Tam und noch mehr Geld aus der Taufe gehoben, bringen die PSA nur geringe Vermittlungserfolge.Etwas besser stellt sich die ituation bei der "Ich-AG" dar. Den Sprung in die Selbständigkeit haben in der Region Trier schon knapp 400 Arbeitslose gewagt. Doch ist diese Entwicklung von Nachhaltigkeit geprägt? Kaum zur Selbständigkeit ausgebildet, ohne ausgefeilte Geschäfts-Idee werden die meisten dieser "Existenzgründer" schon in wenigen Monaten wieder an die Tür des Arbeitsamtes klopfen. 2003 hat deshalb vor allem eins gezeigt: Die Politik kann auch mit den Hartz-Reformen keine neuen Jobs schaffen. Das kann im großen Stil und nachhaltig nur die Wirtschaft. h.waschbuesch@volksfreund.de