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Wie sieht das Fernsehduell in Rheinland-Pfalz aus?

Landtagswahl 2021 : Vorstoß von CDU-Herausforderer Baldauf: Dreier-Fernsehduell mit Dreyer und Spiegel zur Landtagswahl?

Im Fernsehen treffen Ministerpräsidentin und Oppositionsführer aufeinander. Und vielleicht auch mehr. CDU-Spitzenkandidat Christian Baldauf schlägt in einem Brief an den SWR vor, die Grünen einzubinden.

Das Fernsehduell zwischen der Ministerpräsidentin und dem Spitzenkandidaten der größten Oppositionspartei gehört inzwischen zu jeder Landtagswahl wie Popcorn und Cola zum Kinobesuch. So soll es auch im kommenden Jahr sein. Nun regt CDU-Herausforderer Christian Baldauf aber an, die Runde vor der Wahl am 14. März 2021 zu erweitern und in ein Dreier-Duell mit der amtierenden Regierungschefin Malu Dreyer (SPD) zu treten. Damit startet der Pfälzer zugleich eine Charmeoffensive an die Grünen.

Denn in einem Brief an den Südwestrundfunk (SWR) schlägt Baldauf vor, die grüne Spitzenkandidatin Anne Spiegel mit in die Fernsehrunde einzubinden. „Die Grünen haben sich in den Umfragen auf Bundesebene als zweitstärkste Kraft etabliert. Sie sind in elf von 16 Länderregierungen vertreten. In Rheinland-Pfalz haben sich die Grünen laut der jüngsten Politrend-Umfrage als drittstärkste Kraft etabliert. Nach meiner Auffassung könnte ein solches Dreier-Duell das Format eines TV-Duells beleben, zumal die Themen Umwelt- und Klimaschutz auch weiterhin auf der Agenda bleiben werden“, schreibt Baldauf an den SWR. Laut dem Brief, der unserer Zeitung vorliegt, soll das Fernsehduell in Rheinland-Pfalz am 5. März sein.

Das Format, so führt es der CDU-Oppositionsführer von Rheinland-Pfalz aus, sei grundsätzlich wichtig, damit sich die Zuschauer ein Bild von den Spitzenkandidaten machen könnten. Ähnlich sieht es der Politikforscher Thorsten Faas von der Freien Universität Berlin, der die politische Fernsehrunde in Rheinland-Pfalz bei der Landtagswahl 2016 wissenschaftlich begleitet hat. „Fernsehduelle sind die reichweitenstärksten  Einzelereignisse in Wahlkämpfen.

Das gilt vor allem auf Bundes-, aber auch auf Landesebene. Gerade für weniger Interessierte sind sie wichtige Meilensteine, weil man sich sehr effizient in kurzer Zeit ein Bild von den wichtigsten Akteuren und ihren Positionen machen kann“, sagt der Parteien-Experte. Abgeguckt haben sich die Deutschen die politischen Fernsehduelle von den USA, die schon 1960 John F. Kennedy und Richard Nixon live vor den Bildschirmen diskutieren ließen. Nixon, der zuvor viele Tage im Krankenhaus gelegen hatte, wirkte geschwächt, nervös, schwitzte in der Hitze der Scheinwerfer. Er verlor erst das Duell gegen den lässigen Sonnyboy Kennedy – und dann die Wahl.

Angesichts bundesweiter Umfragen glaubt Politikforscher Faas, dass sich Zweier-Duelle mit Union und SPD überholt hätten. Es fehle aber an einer neuen Standardlösung. Die Frage nach den Teilnehmern dürfte sich im kommenden Jahr auch im politischen Schlagabtausch vor der Bundestagswahl stellen, wo die Grünen der SPD in Umfragen längst den Rang abgelaufen haben und hinter der Union liegen. Das Fernsehduell bei der Wahl in Hamburg im Frühjahr 2020 fochten dagegen SPD-Bürgermeister Peter Tschentscher und die grüne Katharina Fegebank unter sich aus.

In Rheinland-Pfalz setzte der SWR bei den jüngsten Wahlen auch auf eine zusätzliche Elefantenrunde mit Spitzenkandidaten weiterer Parteien. 2016 geriet diese bundesweit in die Schlagzeilen, weil Malu Dreyer es ablehnte, sich im Fernsehen mit der damals noch nicht im Parlament vertretenen AfD auseinanderzusetzen und der Runde fern blieb. In jüngsten Umfragen vor der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz 2021 führt die CDU mit 34 Prozent vor der SPD mit 26 Prozent.

Die Grünen, um die Baldauf gerne das Fernsehduell mit Dreyer erweitern will, kommen momentan auf 17 Prozent.