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Landwirtschaft: Äpfel satt, Lager knapp

Landwirtschaft : Äpfel satt, Lager knapp

Der „Gastronomiesommer 2018“ hat den Obstbauern in der Region vor allem eines beschert: jede Menge Obst. Doch die reiche Ernte hatte auch ihre Tücken.

Das Obstjahr 2018 war ein Jahr der Extreme: Massiver Niederschlag in kurzer Zeit auf der einen Seite, der eine erste Obsternte etwa bei Erdbeeren hat völlig ausfallen lassen, eine langanhaltende Hitze- und Dürrewelle im Sommer sowie eine große Erntemenge wie an Äpfeln im Herbst auf der anderen Seite. „Es war ein Jahr der Extreme mit einem buchstäblichen Gastronomiesommer“, bestätigt Franz-Josef Scheuer vom Kompetenzzentrum Gartenbau des Dienstleistungszentrums ländlicher Raum (DLR) in Trier. Beim 18. deutsch-luxemburgischen Obstbautag in Remich sind die Obstbauern der Region Trier und des Großherzogtums dennoch zufrieden. „Jahre mit guten Ernten bieten die Möglichkeit, um sich für schlechte Jahre zu wappnen, und die Chance, sich gut zu positionieren“, sagt Norbert Laun vom DLR Rheinpfalz.

Bernhard Grieshop aus Erden (Kreis Bernkastel-Wittlich) etwa bewirtschaftet mit seiner Familie und Saisonkräften etwa 48 Hektar Felder und liefert seine Waren an Edeka und die Luxemburger Supermarktkette Cactus (siehe Info): „Wir sind sehr zufrieden. Im Vergleich zu 2017 haben wir unsere Apfelerntemenge etwa verfünffacht“, sagt Grieshop. Dafür habe er fast nicht genug Hilfskräfte gehabt, um die gesamte Ernte einzufahren. Dabei wächst der Druck im Lebensmitteleinzelhandel, stets ausreichend Menge und gleiche Qualität zu liefern. Hier sieht Grieshop die regionale Vermarktung durch „Eist Uebst a Geméis“ als „Segen für die Obstbauern in der Region“. Cactus nehme garantiert Ware ab und zahle zudem mehr als in Deutschland.

Auch Norbert Briesch aus Bekond (Kreis Trier-Saarburg) ist mit „dem fairen Preis und dem Umgang“ durch Cactus zufrieden: „Da gilt ein Wort noch ein Wort, auch ohne Vertrag. Das geht in Deutschland nicht mehr“, sagt der Obstbauer, der als Familie zu dritt und mit Saisonkräften rund 6,5 Hektar Apfelwiesen bewirtschaftet. Auch Briesch hat 2018 fast mehr geerntet, als er lagern kann: „Die Ernte war sehr gut, die Qualität auch, allerdings war die Menge fast zu groß“, sagt er. Und angesichts der Wetterextreme und Lieferkonkurrenz aus dem Ausland müsse er sich auch Gedanken machen, auf welche Obstsorte er in den kommenden Jahren setzen will. Denn billigere Äpfel kämen zunehmend aus Osteuropa. Er setzt künftig stärker auf Süßkirschen und Aprikosen, um noch mehr Obstalternativen bieten zu können.

Auch DLR-Experte Franz-Josef Scheuer sieht die Obstbauern vor großen Herausforderungen: „In Sonderkulturen ist im Sommer eine Bewässerung ein Muss, wie wir 2018 gesehen haben, aber auch ein Sonnenschutz von oben wie etwa Hagelschutznetze“, sagt er. In diesem Sommer habe er auf der Apfeloberfläche eine Temperatur von bis zu 48 Grad Celsius gemessen: „Das war fast wie Apfelmus“, sagt er. Außerdem bestätigt auch Scheuer fehlende Lagerflächen bei den Obstbauern: „Es gab Veränderungen an der Apfeloberfläche, weil schlecht gelagert oder zu wenig vorsortiert wurde“, bemängelt Scheuer. Das erfordere Investitionen – und Weitsicht. Von der Bestäubung durch ausreichend und geeignete Insekten über den zunehmenden Einsatz von mechanischer Unkrautbekämpfung aufgrund von Herbizid- und Insektizidverboten bis hin zu Mikroschadstoffen im Wasser und einem vorgezogenen Vegetationsbeginn um zwei Wochen: Die Herausforderungen für die Obstbauern in der Region sind auch im kommenden Jahr neben der Wetterabhängigkeit ähnlich. Scheuer: „Manchmal sind die Lösungen jedoch von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich.“