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Begehrtes Schmuckkästchen im Prümtal

Begehrtes Schmuckkästchen im Prümtal

Ob Familienfeiern, Konzerte, Proben oder Tagungen: Das Bürgerhaus Waxweiler wird seit dem Bau vor gut zehn Jahren vielfältig und oft genutzt. Der TV hat sich vor Ort nach dem Erfolgsrezept erkundigt.

Waxweiler. Schon die Vorgeschichte des Waxweilerer Bürgerhauses ist ungewöhnlich. Der Saal im alten Jugendheim der Gemeinde wurde nur vier- bis fünfmal pro Jahr genutzt. "Dann kam die glückliche Situation, dass die Fläche für ein Einkaufszentrum gebraucht wurde", erinnert sich Ortsbürgermeister Klaus Juchmes. Der Handel: Investor Winfried Schmitz bekam das Grundstück und baute im Gegenzug auf eigene Kosten ein neues Bürgerhaus. Die Gemeinde musste nur die Ausstattung anschaffen.Passende Farben für alle Fraktionen

 Der Projektchor des Männergesangvereins Waxweiler beim Auftritt. Foto: Fritz Knob
Der Projektchor des Männergesangvereins Waxweiler beim Auftritt. Foto: Fritz Knob

Seit der Einweihung im September 1997 bis Ende 2007 gab es mehr als 350 Veranstaltungen, die regelmäßige Nutzung durch Vereine nicht mitgezählt. 2007 war das Rekordjahr mit 44 Terminen. Einer der Gründe für die große Nachfrage: Der Saal kann nach Bedarf per Trennwand aufgeteilt werden. Mit Bestuhlung passen mehr als 500 Besucher hinein. Einheimische zahlen für ein Viertel mit Küche 100 Euro und 265 Euro für die gesamte Halle (plus Strom, Wasser, Heizung, Reinigung). Auswärtige zahlen 150 Euro Basispreis oder 390 gesamt.Als Vereinsbeauftragter der Gemeinde kümmert sich Hermann Kraus von Beginn an ehrenamtlich um das Bürgerhaus. Er übernimmt die Terminverwaltung und stimmt alles mit den Nutzern ab. "Wem so etwas keinen Spaß macht, der muss aufhören", sagt Kraus. Für Juchmes ist der 71-Jährige ein "Glücksfall". "Seine Kündigungsfrist hat sich auf drei Jahre verlängert", ergänzt der Ortsbürgermeister augenzwinkernd.Kraus zur Seite stehen seine Frau Maria sowie - als wichtiger Helfer und Vertreter - Jörg Antony und dessen Lebensgefährtin Gisela Trapp. Gemeindearbeiter Werner Bormes hat das Haus 2007 innen komplett neu gestrichen.Neben der großen Küche mit Gastronomie-Spülmaschine und Geschirr für 100 Personen liegt der Kühlraum. Zur Ausstattung gehören 300 Stühle und 50 Tische, zwei große Theken, Kühltheke, behindertengerechte Toiletten, Bar/Büfett-Raum mit Nebenraum, Bühne mit Verstärkertechnik. Regelmäßig nutzen das Haus Musikverein, Karnevalsgarden, DRK-Gymnastikgruppe und Spielmannszug. Schmunzelnd erinnert sich Kraus an eine Sitzung des Kreistags, bei der jede Fraktion ein Mikrofon-Kabel in passender Partei-Farbe bekam.An Abschreibungen und Zinsen fallen für das Bürgerhaus jährlich rund 24 000 Euro an. Der laufende Betrieb kostet die Gemeinde jährlich unter dem Strich rund 8000 Euro. Wichtige anstehende Termine: Frühlingsmarkt am 13. April, Blutspende des DRK Arzfeld am 18. April, Konzert der beiden Musikvereine Ringhuscheid und Holsthum am 17. Mai. Meinung Das Geschenk bestens behandelt Eine Gemeinde, die so günstig zu einem Bürgerhaus kommt wie Waxweiler, hat zweifellos Glück gehabt. Doch ein Gebäude allein macht noch keine Erfolgsgeschichte. Erst durch die konsequente Eigennutzung und Vermarktung bekommt der Fall Vorbild-Charakter. Inzwischen wissen Veranstalter aller Art: In Waxweiler läuft es rund. Die Abrechnung übernimmt die Verbandsgemeinde-Verwaltung Arzfeld, alles andere liegt in bewährten Händen vor Ort. Ohne ehrenamtliches Engagement wäre das in dieser Form für eine Gemeinde mit 1100 Einwohnern nicht zu stemmen. Ganz ohne Defizit lässt sich eine Einrichtung in dieser Größe gleichwohl nicht betreiben. Die vielen Möglichkeiten für Bürger und Vereine und der Ansehensgewinn für die Gemeinde sind es wert. Die Waxweilerer haben ihr Geschenk durch effiziente und nachhaltige Bewirtschaftung bestens behandelt und deshalb auch verdient. m.hormes@volksfreund.de