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Des Pastors tödliche Leidenschaft

Des Pastors tödliche Leidenschaft

Künstler und Kirchenmann: Heute vor 150 Jahren wurde Christoph März geboren. Bekannt wurde er als "Malerpastor".

13. April 1867: Die 29-jährige Maria Anna März aus Schweich bringt am Tag vor Palmsonntag einen Sohn zur Welt. Einen gesunden Sohn. Die zwei Kinder, die sie in den beiden Jahren zuvor geboren hatte, starben bei oder kurz nach der Geburt. Beide hatten Matthias heißen sollen. Ob die Eltern glauben, dass ein Fluch auf diesem Namen lastet und sich deshalb diesmal für einen anderen entscheiden? Wie auch immer - Christoph wird das erste Kind der Familie sein, das das Erwachsenenalter erreicht, denn der vier Jahre ältere Bruder Theodor wird nur elf Jahre alt.

64 erfüllte Jahre wird das Leben des Christoph März währen, bevor es abrupt auf tragische Weise endet. Doch davon ahnt niemand etwas, als der Junge heranwächst und im Lauf der Jahre noch fünf jüngere Geschwister bekommt. Schon früh interessiert sich Christoph für Malerei und Musik, aber Künstler ist keine berufliche Option für den Sohn einer angesehenen Familie.
So besucht er nach dem Abitur das Trierer Priesterseminar, geht 1895 nach seiner Priesterweihe für vier Jahre als Kaplan nach Püttlingen bei Saarbrücken und erhält 1899 im kleinen Eifeldorf Eschfeld seine erste Pfarrstelle. Und seine einzige.

Dabei scheint der abgelegene Ort - die Enztalbahn, die den Zugverkehr zumindest bis nach Üttfeld bringt, wird erst 1907 eröffnet - nichts für einen wie ihn zu sein. Kaum angekommen ist Christoph März schon wieder weg. Nach nur drei Monaten macht er sich auf nach Düsseldorf, wo er mehrere Wochen privaten Zeichenunterricht nimmt. Im Frühjahr darauf fährt er nach Rom. Die Pilgerreise nutzt er, um dort sowie in München und Florenz die großen Kunstwerke zu besichtigen. Ebenfalls im Jahr 1900 besucht er die Weltausstellung in Paris. In der französischen Hauptstadt fasziniert ihn die Sainte Chapelle mit ihrer farbigen Pracht. Wie armselig wirkt dagegen die 1869 erbaute, schmucklose Eschfelder Pfarrkirche St. Luzia.

Bilder malen, das kann er. Aber eine ganze Kirche gestalten? Bevor Christoph März sein Lebenswerk in Angriff nimmt, werden noch sechs weitere Jahre vergehen. Wenn er doch einmal längere Zeit in Eschfeld ist, pflastert er mit Männern aus dem Ort den Weg zwischen Ober- und Unterdorf, gestaltet ihn mit einem Alpha an der Schule, einem Omega an der Kirche, mit Darstellungen von Mondphasen und Tieren. Er gründet den Kirchenchor und den Musikverein. Und in der Üttfelder Kapelle, die im Zweiten Weltkrieg zerstört werden wird, malt er die ersten Wandbilder.

8. Oktober 1906. Endlich ist Christoph März bereit. Er setzt den ersten Pinselstrich in der Eschfelder Kirche. Die Kinder, die der Pastor jetzt tauft, werden die Volksschule verlassen haben, bis das Werk vollendet ist. Genau 15 Jahre und ein Tag werden bis dahin vergehen. Entstehen wird ein Lehrbuch des Glaubens, eine Predigt in Bildern, ein "Kunstwerk im Eifeler Dialekt", wie manche später sagen werden.
März malt Jesus und seine Jünger auf dem stürmischen See Genezareth, apokalyptische Reiter, Apostel und Kirchenväter - insgesamt mehr als 1000 Figuren.

So mancher Eschfelder hat ihm dabei als Vorbild gedient. Von seiner Liebe zur Musik zeugen Cäcilia an der Orgel und David mit der Harfe. Der Kirchenpatronin Luzia widmet er gleich mehrere Bilder. Er zieht die Konturen mit dicken Pinselstrichen, im Hintergrund dominieren die spirituellen Farben Blau und Gold. Eines aber malt der Pastor nicht: die Kreuzigung.
Hierfür spart er einen Platz an der Sakristei aus und erwirbt ein Gemälde. Es scheint, als wäre er vor dieser Szene zurückgeschreckt.

Sonntag, 9. Oktober 1921: Die Eschfelder Gemeinde feiert in Anwesenheit des Landrats und weiterer Ehrengäste das Fest des letzten Pinselstrichs. Den darf Wilhelm Thormann ausführen, einst Schüler von Christoph März und jetzt Student an der Düsseldorfer Akademie. Mit dem Querbalken eines einfachen Kreuzes über der Kanzel ist die Arbeit in der Kirche vollbracht, doch der "Malerpastor" hört nicht auf. Er gestaltet weitere Kirchen und Kapellen (siehe Extra) - und auch das 1928 neu erbaute Pfarrhaus kann noch Bilderschmuck vertragen. Zehn Jahre nach Fertigstellung der Kirche geschieht das Unglück: Christoph März fällt beim Malen vom Gerüst und kommt ins Prümer Krankenhaus.

Kurz darauf, am 15. Oktober 1931, erliegt er seinen schweren inneren Verletzungen. Noch auf dem Sterbebett soll er darum gebeten haben, dass man ihm einen Pinsel mit ins Grab lege.Extra: WEITERE WERKE VON CHRISTOPH MÄRZ

Foto: Daniel John (daj) ("TV-Upload John"
So malte er sich selbst (Foto links): Christoph März, der auch die Waldkapelle in Erden (Foto rechts) gestaltet hat. Foto: Frank Auffenberg (e_pruem )
Foto: Daniel John (daj) ("TV-Upload John"


Bevor sich der Pastor an die Eschfelder Kirche wagt, fertigt er Malereien in der Üttfelder Kapelle und der Binscheider Pfarrkirche an. Zu seinen späteren Werken nach 1921 gehören ein zwischenzeitlich übermaltes und heute wieder freigelegtes Deckengemälde in der Wißmannsdorfer Kirche St. Martin sowie Wandbilder im Pfarrhaus in Steffeln. In Wiebelskirchen (Saar) malt er mit Unterbrechungen sechs Jahre lang die katholische Kirche aus. Einige der dortigen Gemälde sind heute allerdings übermalt. Restauriert ist dagegen die kleine Waldkapelle in Erden an der Mosel, 1922 erbaut und 1927 von Christoph März in seinem unverkennbaren Stil mit Bildern gestaltet. Die Kapelle in Wawern (Eifel) konnte er nicht mehr vollenden. Einen Überblick über Leben und Werk von Christoph März gibt Karlheinz Weis in seinem vom Geschichtsverein Prümer Land herausgegebenen Buch "Christoph März - Maler, Musiker, Pastor" (2005). Viele Informationen und Abbildungen hat Georg May, ein Großneffe des Malerpastors, auf seiner Webseite zusammengetragen: christoph-maerz.jimdo.com