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Erfolgsmodell Bürgerbus

Arzfeld. Gute Nachricht für die Verbandsgemeinde Arzfeld: Das Land steuert Geld zur Finanzierung des Bürgerbusses bei. Der Bus, seit August in der Kommune unterwegs, hat sich unterdessen als erfolgreiches Angebot erwiesen. Fritz-Peter Linden

Arzfeld. Der Bürgerbus in der Verbandsgemeinde (VG) Arzfeld scheint sich zu einem Renner zu entwickeln: Gut ein halbes Jahr nach dem Start im August (der TV berichtete) sind etwa 90 Fahrten absolviert. Mehr als 200 Menschen, so die Schätzung, haben sich innerhalb der VG in ihren Dörfern abholen und zum Einkauf, zum Arzt oder zu anderen Terminen bringen lassen.
"Es läuft unheimlich toll", freut sich Bürgermeister Andreas Kruppert. Auch von den etwa 20 ehrenamtlichen Fahrern sei noch kein einziger abgesprungen.
Der Bürgerbus fährt dreimal in der Woche - Montag, Mittwoch und Freitag, immer auf Anfrage. Bisher seien erst zwei Fahrten ausgefallen, sagt der Bürgermeister: Einmal habe niemand den Bus angefordert, einmal habe man ihn wegen heftigen Schneefalls in der Garage gelassen. Die Kosten für den Bürgerbus belaufen sich pro Jahr auf etwa 12 000 Euro - drin enthalten: die Leasing-Rate für das Elektroauto, der Stromverbrauch und die Versicherungskosten. Der Energiekonzern RWE half ebenso bei der Finanzierung wie jetzt auch die Landesregierung: Mitte März, sagt Kruppert, habe er den Bewilligungsbescheid über 1500 Euro pro Jahr (bis 2015) aus Mainz erhalten. Damit seien für die VG noch etwa 1600 Euro jährlich zu finanzieren. "Aber der Zuschuss macht es für uns deutlich einfacher", sagt Kruppert. Die Zuwendung sei das Resultat eines Besuchs von Malu Dreyer in Arzfeld: Ende 2012 hatte die heutige Ministerpräsidentin die VG besucht, damals noch als Sozialministerin von Rheinland-Pfalz. Die Kommunalvertreter und die Eifeler SPD-Landtagsabgeordnete Monika Fink hatten der Ministerin das Projekt vorgestellt. Diese Fürsprache, sagt Kruppert, habe dann offenbar zu der Bewilligung geführt.
Kruppert betont noch einmal, dass der Bürgerbus keine Konkurrenz zu Mietwagen, Taxis oder Linienverkehr sein soll. Michael Thiel vom VG-Büro für Wirtschaftsförderung weist zudem darauf hin, dass man sich vor der Einrichtung des Busses mit den privaten Anbietern verständigt habe: "Wir nehmen keinem irgendwelche Brötchen weg."
Die Fahrten sind bekanntlich kostenlos. Allerdings zeigen sich die Mitfahrer gern erkenntlich: Im Bus ist eine Spardose angebracht - für Spenden, die zur Finanzierung verwendet werden.
"Die Leute sind schon sehr froh, dass das angeboten wird. Und die meisten geben Trinkgeld, manchmal sogar kräftig", sagt Peter Antweiler - einer der 20 ehramtlichen Fahrer. Er und seine Kollegen nehmen allerdings kein Geld aus der Spardose. Nur einmal ließ sich Antweiler etwas zustecken: "Ich hab mal eine Tüte Bonbons bekommen", sagt er und lacht.
Lob für Ehrenamtler


Peter Antweiler wohnt, wie zwei weitere Fahrer, in Arzfeld. Den anderen Ehrenamtlichen aus den umliegenden Dörfern rechnet er es hoch an, dass sie sich ebenfalls zur Verfügung halten - immerhin müssten sie mit ihren Privatautos zur Busstation nach Arzfeld kommen: "Das ist schon ein ganz schöner Einsatz. Wir können ja nach Hause gehen, die anderen haben immer noch Benzinkosten."
Sein Zwischenfazit: eine gute Sache. Deshalb wolle er auf jeden Fall weitermachen, sagt Peter Antweiler. "Hoffen wir, dass die Batterie noch lange hält."
Extra

Wer sich vom Bürgerbus mitnehmen lassen will, kann dazu bei der Verbandsgemeinde-Verwaltung in Arzfeld anrufen und die Abholung vereinbaren. Anrufe nehmen Michael Thiel und Claudia Breuer entgegen. Sie sind zu erreichen unter den Rufnummern 06550/974122 und 06550/974123. Achtung: Der Bürgerbus steuert ausschließlich Ziele innerhalb der Verbandsgemeinde an. Wer weiterfahren will, muss Linienbusse oder Taxis nutzen. fpl