Erste Wahl für letzte Ruhestätte - Bekommt Prüm einen Bestattungswald?

Erste Wahl für letzte Ruhestätte - Bekommt Prüm einen Bestattungswald?

Ein Bestattungswald am Prümer Kalvarienberg: Der Vorschlag aus dem Stadtrat ist auf ein sehr positives Echo gestoßen. Die Verwaltung der Verbandsgemeinde soll nun prüfen, ob der Anregung von Peter Wind etwas im Wege steht.

Prüm Die Reaktion aus der Bürgerschaft kam schnell: Als der TV vorige Woche darüber berichtete, dass Peter Wind, Forstamtsleiter und parteiloses Mitglied der CDU-Fraktion, im Stadtrat einen Ruhewald für Prüm vorgeschlagen hatte, klingelte bei Mathilde Weinandy gleich das Telefon: "Bei mir hat direkt jemand angerufen und gesagt, es sei schon immer ihr Wunsch gewesen, da oben eine letzte Ruhestätte zu finden", sagt die Stadtbürgermeisterin.

"Da oben" - damit ist der Waldbestand zwischen Kalvarienbergkapelle, -krater und Krankenhaus gemeint.
Peter Wind hatte in der Stadtratssitzung angeregt, diese Fläche für einen Bestattungswald in Augenschein zu nehmen - und bereits aus allen Fraktionen dafür Zustimmung erhalten.

Die Anruferin jedenfalls, sagt Mathilde Weinandy, habe gleich eine Grabstelle reservieren wollen. Bis das aber möglich ist, wird noch etwas Zeit vergehen: Bei der Verwaltung der Verbandsgemeinde (VG) muss erst einmal alles geprüft werden. Obwohl auch VG-Bürgermeister Aloysius Söhngen den Vorschlag offensichtlich gut findet: "Das ist ein Ort, der sich für einen Ruhewald grundsätzlich schon einmal eignet", sagt er. Und der mit der Kapelle auch einen Raum zur Besinnung biete.

Geprüft werden müsse unter anderem, ob der Bestand dafür der Richtige sei, was Söhngen allerdings vermutet: Dort stehen kaum Fichten, dafür vorrangig Douglasien - stabile Bäume, die ein hohes Alter erreichen können.
"Ich freu mich natürlich riesig, dass das so eine positive Resonanz hat", sagt Peter Wind. Und, apropos Douglasien - auch das gefällt dem Forstmann: Es scheine allgemein der Glaube vorzuherrschen, nur ein Laubwad sei auch ein guter Ruhewald. "Ich persönlich sehe das völlig anders." Entscheidend sei die Stabilität, "und das gibt die Douglasie her". Außerdem wäre dann ein Nadel-Ruhewald sogar eine Art Alleinstellungsmerkmal für Prüm.

Das jetzt ins Auge gefasste Waldstück gehört der Stadt schon lange: weil damals der Platz auf dem Friedhof an Bahnhofstraße und Gerberweg auszugehen drohte, plante man vor 15 Jahren, zu Zeiten von Stadtbürgermeister Hansgerd Haas (FWG), eine neue Anlage am Kalvarienberg.
Anfangs war die Rede von 1600 Grabstellen, später reduzierte man die Pläne auf 500. Und 2010 legte man das Vorhaben zu den Akten: "Als der neue Friedhof geplant wurde", sagte damals Haas' Nachfolgerin Mathilde Weinandy, habe es in Prüm zwei Urnenbestattungen pro Jahr gegeben. Aber bereits 2009 waren 23 von 39 Beerdigungen Urnenbestattungen. Und diese Entwicklung hat in Prüm angehalten, gerade erst hat man deshalb weitere Urnenstelen für den Friedhof bestellt (der TV berichtete).

Sie werde sich nun dafür einsetzen, dass diese Möglichkeit am Kalvarienberg geschaffen werde und das Thema dann bald auch im Rat auf die Tagesordnung komme, sagt Mathilde Weinandy: "Wenn das möglich ist und weiter Zustimmung dafür kommt, dann werden wir das auch machen."
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Der Vorschlag ist gut, die Bürger wünschen es sich, die Kosten werden sich in Grenzen halten und die Stadt hat sogar die geeignete Fläche: Wenn nicht noch irgendetwas Unerwartetes dagegen spricht, wird der Ruhewald am Kalvarienberg eine wunderbare und würdevolle Ergänzung für die Bestattungskultur in Prüm. f.linden@volksfreund.deNEUE FORM DER BESTATTUNG

Extra

(aff) Als Bestattungs- oder Ruhewald wird ein Bereich bezeichnet, in dem unter Bäumen die Beisetzung von Totenasche ermöglicht wird. Die Bezeichnungen "Friedwald" und "Ruheforst" haben sich zwei Unternehmen schützen lassen. Die Fläche wird meist nicht eingezäunt, aber durch Hinweistafeln gekennzeichnet. Die Asche wird entweder direkt zu Füßen eines Baums im Erdreich beigesetzt oder in biologisch abbaubaren Urnen, seltener auch in metallenen Behältern, bestattet. Die sterblichen Überreste sollen möglichst schnell in den Naturkreislauf eingehen. Die Nutzungszeit eines Begräbniswalds liegt in der Regel bei mindestens 99 Jahren. Nach Wunsch des Verstorbenen oder der Angehörigen kann an den Bäumen ein Schild mit Namen des Verstorbenen, einer Nummer oder auch einem religiösen Symbol angebracht werden. Der Baum selber dient als Grabmal. Eine Pflege des Grabs ist nicht nötig. Die nächste Möglichkeit, sich in einem Eifeler Ruhewald bestatten zu lassen, besteht in Jünkerath.

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