Esel, Eier und Zweige am Palmsonntag

Esel, Eier und Zweige am Palmsonntag

Mit Prozessionen und anderen Zeremonien wird am kommenden Wochenende in vielen Gemeinden in der Region der Palmsonntag gefeiert. Ritten früher noch Jesusdarsteller auf echten Eseln durch die Dörfer, finden heute vielfach Palmweihen statt. In der Vergangenheit schrieb man den Zweigen magische Kräfte zu.

Daun/Gerolstein. Der sechste Sonntag in der Fastenzeit ist der Palmsonntag: Die Christen gedenken dem Einzug Jesu in Jerusalem. Und weil mit diesem Sonntag, der "Pälmdaach" genannt wird, die "hellisch Woch", die heilige Karwoche, eingeleitet wird, sind im Laufe der Jahrhunderte volkstümliche Bräuche entstanden.
DORF GESCHICHTEN


Bereits im sechsten Jahrhundert sind religiöse Formen während der Messfeier zu finden, die an das biblische Ereignis erinnern, bei dem die Juden Tücher und Palmen auf der Erde ausbreiteten, um den Einzug des Messias würdig zu gestalten.
Aus dieser biblischen Erzählung heraus, sozusagen als gespielte Gedächtnisbrücke, stammen auch szenische Darstellungen von "Palmprozessionen", die nicht nur in Süddeutschland, sondern auch im Rheinland und in der Eifel bekannt waren. In einer Prozession wurde anfangs ein lebendiger Esel durch den Ort geführt, auf seinem Rücken ein Schauspieler, der Christus darstellen sollte.
Doch dabei kam es teils zu grotesken Szenen, wenn ein störrischer Esel oder ein schlechter Jesus-Reiter die fromme Haltung der Zuschauer trübte. Deshalb wurden sie später durch einen aus Holz geschnitzten Esel auf Rädern, auf dem eine Christusfigur saß, ersetzt.
Im Eifelraum wurde dieser "Palmesel-Umritt" durch ein Verbot des Trierer Kurfürsten abgeschafft. 1790 ordneten die revolutionären Franzosen erneut ein Prozessionsverbot an.
Bis heute ist allerdings der Brauch der Palmweihe sehr lebendig. Die Gläubigen bringen Palmzweige mit zur Kirche, die durch den Priester gesegnet werden. Es sind keine echten Palmzweige, sie stammen vom Buchsbaum (oder Weidenkätzchen), man nennt sie dennoch Palmzweige. Und für all diejenigen, die in ihrem Garten keinen eigenen Palmbusch haben, stellt die Kirchengemeinde in einem großen Korb Palmzweige zur Verfügung.
In der Vergangenheit schrieb man den Palmzweigen magische Kräfte und Wirkungen zu. Ein Zweiglein wird in der Wohnung am Kruzifix befestigt. Auf Friedhöfen sind sie in Weihwasserkesseln zu finden. "Ich habe einen gesegneten Zweig an meinem Traktor und in meinem Auto, um so Gottes Segen zu erhalten", sagt ein Daleidener. Er erzählt: "Meiner Oma wurden noch gesegnete Palmzweige mit in den Sarg gelegt. Bis kurz nach dem Krieg war es üblich, solche in Saatfelder zu stecken. Aber das tut heute wahrscheinlich niemand mehr."
Im Aussterben begriffen ist der Brauch, bei schweren Gewittern Palmzweige ins Feuer zu werfen, um so Hagel und Blitz vom Haus fernzuhalten. "Heute hat ja jeder Blitzableiter", sagt eine Arzfelderin. "Die alten trockenen Palmzweige des vergangenen Jahres würde ich nie fortwerfen. Die sind ja gesegnet. Ich verbrenne die in einem Behälter und streue die Asche dann in den Garten."
Noch bis vor wenigen Jahrzehnten kannten die Eifeldörfer den heute vergessenen Brauch eines "Palm-Eis". In fast allen Orten hatte der Küster dafür zu sorgen, dass jede Familie genügend geweihte Palmzweige erhielt. So fuhren sie mit ihrem Fuhrwerk meist an die Mosel, wo teilweise ganze Buchsbaumkulturen wuchsen. Für diese Arbeit war dem Küster als Dank von jedem Haushalt ein "Palm-Ei" zu zahlen. avi

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