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Facebook-Freunde lösen kniffligen Fall: Eifeler klärt Ursache von Autounfall im sozialen Netzwerk

Facebook-Freunde lösen kniffligen Fall: Eifeler klärt Ursache von Autounfall im sozialen Netzwerk

Erstaunlich, was man mit sozialen Netzwerken alles machen kann. Mithilfe seiner Facebook-Freunde hat Stefan Krämer aus Brandscheid den Autounfall seiner Frau aufklären können. Auch die Polizei nutzt Facebook für ihre Ermittlungen.

Ganz schön gefährlich: Als Verena Krämer um 14.15 Uhr aus Brandscheid mit ihren Kindern zum Schwimmbad nach St. Vith fährt, liegt plötzlich in einer Rechtskurve hinter der Ortschaft Großlangenfeld ein Eisenteil auf der Straße.

Die Fahrerin sieht das Hindernis zu spät und fährt mit ihrem Golf genau über das Metallstück. Dadurch werden Stoßstange, Kühler und Klimaanlage des Wagens demoliert.

Die Autowerkstatt in Bleialf schätzt den Schaden anfangs auf 2500 Euro. "Mittlerweile ist der Schaden aber noch erheblich höher", sagt ihr Ehemann Stefan Krämer.

Die Polizei, bei der er den Schaden meldet, bittet per Pressemitteilung unter anderem im Trierischen Volksfreund um Zeugenhinweise, macht dem Fahrzeughalter aber wenig Hoffnung.

Das weckt den detektivischen Ehrgeiz des 39-Jährigen. Er fotografiert das Metallstück, das seine Frau an der Unfallstelle eingesammelt hat, und stellt es auf seine Facebook-Seite. "Was ist das denn? Wozu wird dieses Bauteil verwendet? Lag heute in Großlangenfeld auf der Straße..... Danke für eure Hilfe!" postet er um kurz vor 23 Uhr auf seiner Seite.

Um 1.24 Uhr kommt schon die erste Antwort. Das Teil könnte die Verriegelung eines Schlauchs vom Güllefass sein.

Stefan Krämer will daraufhin wissen, wer an dieser Stelle Gülle gefahren hat und es dauert nicht lange, da bekommt er eine Handvoll Handynummern von Landwirten, die infrage kommen könnten.

Schneller als die Polizei erlaubt

Nach wenigen Telefonaten wird Krämer fündig. "Ich bin dann da hingefahren und habe dem Landwirt das Teil wiedergegeben. Der hatte gar nicht bemerkt, wann und wo er es verloren hat", sagt Krämer. Beide sind froh, dass nichts Schlimmeres passiert ist.

Der Unfallschaden wird als klassischer Haftpflichtschaden reguliert. Krämer erzählt, dass er mit dem Landwirt problemlos einig wurde.

Dass er mit seiner Anfrage in Facebook so einen Erfolg haben würde, daran hat er selbst nicht geglaubt. "Viele sehen die sozialen Netzwerke total kritisch und meinen das wäre alles Quatsch. Ich sehe das anders. Nach diesem Erlebnis sowieso", sagt er.

Auch die Polizei nutzt die sozialen Netzwerke für ihre Recherchen. Wie erfolgreich die Ermittlungen mit Facebook sind, kann Sabine Bamberg, Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Trier, allerdings nicht in Zahlen ausdrücken. "Alle unsere Pressemitteilungen stellen wir auch auf unsere Facebook-Seite, die für ganz Rheinland-Pfalz gilt. Wir brauchen Zeugenhinweise, davon leben die Ermittlungen der Polizei", sagt sie. "Wenn jemand über Facebook einen Hinweis bekommt, soll er das der Polizei mitteilen", rät sie.

Frank Kerner von der Polizeiinspektion Prüm hat den Fall bearbeitet. Auch ihn erstaunt die schnelle Auflösung, zumal zunächst gar nicht klar war, woher das Eisenteil stammt. "Wirklich eine ganz tolle Sache. Dass der Fall so schnell gelöst wurde, ist top. Das muss ja auch jemand lesen, der fachkundig ist." Das sei auch für die Polizei beeindruckend. "So schnell kamen wir gar nicht in die Stiefel rein - zumal es Wochenende war. Facebook war schneller als die Polizei erlaubt", sagt Kerner und lacht.

Positiv anerkennen müsse man aber auch die Reaktion des Landwirts, von dessen Fass das Teil abgefallen war, sagt der Polizeihauptkommissar.