"Ich mag keine Ja-Sager"

Seit 2002 amtiert Norbert Schneider als Bürgermeister der Verbandsgemeinde Neuerburg. Bei der Kommunalwahl im vergangenen Jahr erhielt er von den Bürgern eine deutliche Mehrheit für eine zweite Amtszeit. Im TV-Interview zieht er Bilanz für 2009 - und blickt auf das, was ihn in diesem Jahr beschäftigen wird.

Neuerburg. Ein ereignisreiches Jahr hat Norbert Schneider hinter sich. Und ein durchaus erfolgreiches obendrein: Bei der Kommunalwahl wurde der Bürgermeister der Verbandsgemeinde (VG) Neuerburg nicht nur mit einer deutlichen Mehrheit bestätigt; seine VG erhielt im Mai zudem den Titel "Klimaschutzkommune 2009" und wurde Ende September für das neu ins Leben gerufene Zukunftsdiplom für Kinder mit dem Umweltpreis des Landes ausgezeichnet.

Auch für dieses Jahr hat sich der 54-Jährige wieder viel vorgenommen, wie er im Interview mit TV-Redakteurin Nina Ebner verrät.

Herr Schneider, 2009 war für Sie ein Jahr mit Höhen und Tiefen. Positiv war sicher unter anderem Ihre Wiederwahl, doch zumindest das erste Halbjahr war bestimmt nicht einfach mit einem Wahlkampf, in dem es ordentlich zur Sache ging. Wie haben Sie die Zeit vor der Kommunalwahl erlebt?

Nobert Schneider: Es war zwar eine spannende Zeit mit vielen neuen Erfahrungen, aber es war auch eine Zeit, auf die ich gut hätte verzichten können. Wahlkampf gehört natürlich zu meinem Beruf, aber immer auf einer sachlichen Ebene, so ist zumindest mein Verständnis. Und das war in der VG Neuerburg eben nicht der Fall.

Hatten Sie damit gerechnet, dass der Wahlkampf so hart werden würde?

Schneider: Also, ich hatte ja bereits vor acht Jahren Wahlkampf gemacht, und der war damals schon anders als in den umliegenden Verbandsgemeinden. Aber die Schärfe und die Tatsache, dass meine Familie da mithineingezogen wurde, haben mich schon überrascht.

Fällt es da nicht schwer, nach der Wahl wieder zur Tagesordnung überzugehen und mit eben jenen Leuten, mit denen man sich im Wahlkampf heftige Auseinandersetzungen geliefert hat, wieder gemeinsam Politik zu machen?

Schneider: Es ist ja nicht die Partei als Ganzes, sondern es sind ein paar ganz besonders aggressive oder hartnäckige Vertreter. Mit denen muss ich privat nicht unbedingt ein Bier trinken. Doch die Leute, für die wir die Arbeit machen, setzen einfach voraus, dass man sich nach der Wahl wieder zusammensetzt und versucht, gute Ergebnisse zu bringen. Da habe ich auch kein Problem mit.

A propos gute Ergebnisse - was haben Sie sich denn für das Jahr 2010 vorgenommen?

Schneider: Wir haben uns einiges vorgenommen. Unter anderem planen wir ein 50-Dächer-Programm, um dort Photovoltaik aufzulegen. Was uns schon seit Jahren drückt, ist die Sanierung des Verwaltungsgebäudes; diese wollen wir in Angriff nehmen. Ganz wichtig im nächsten Jahr wird auch die Entscheidung sein, ob wir die Grundschule in Mettendorf neu bauen oder den jetzigen Trakt sanieren. Außerdem steht beim Radweg noch der Lückenschluss zwischen Daudistel und Neuerburg an.

Wird es darüber hinaus einen neuen Anlauf in Sachen Kooperation mit dem luxemburgischen Abwasserverband Siden geben - im Wahlkampf ja noch eine heiß diskutierte Frage?

Schneider: Nein. Ich halte es für besser, das Thema zunächst mal ruhen zu lassen und die Entwicklung in Sachen Kommunalreform abzuwarten. Das ist ein Schwerpunkt, der uns alle betrifft im Kreis.

Kommunalreform ist ein gutes Stichwort: Was halten Sie denn von der Initiative im Eifelkreis, Experten ein Gutachten zur Neugliederung des Kreises erarbeiten zu lassen?

Schneider: Ich begrüße die Lösung, die wir im Eifelkreis gefunden haben. Es ist besser, jemand begutachtet das von außen, als wenn wir sagen, Irrel, Kyllburg und Speicher müssen jetzt mal gucken, mit wem sie koopieren. Das funktioniert nicht.

Und was erhoffen Sie sich von den Ergebnissen der Studie?

Schneider: Es gibt bestimmte Aufgabenbereiche, die man zentral erledigen könnte - gerade in der Verwaltung. Nehmen wir nur einmal die Beispiele Personalangelegenheiten, Versicherungen oder Beihilfe. Da leisten wir uns zurzeit den Luxus, in jeder VG Spezialisten vorzuhalten. Ich kann mir schon vorstellen, dass die Fachleute sagen, in den und den Bereichen könntet ihr effektiver arbeiten. Und ich wünsche mir, dass bestimmte Aufgaben nach unten verlagert werden im Sinne der Bürgernähe. Und ein ganz wichtiger Punkt: Die Gemeinden sollten finanziell so gestellt werden, dass sie endlich wieder handeln können. Die Mehrzahl der Gemeinden hat ja überhaupt keinen Spielraum mehr.

Herr Schneider, Sie leben seit Ihrer Wahl zum Bürgermeister der VG Neuerburg im Jahr 2002 in der Region. Was mögen Sie an den Menschen im Neuerburger Land?

Schneider: Es hieß früher immer, die Leute in der Eifel seien sehr verschlossen. Den Eindruck habe ich von Anfang an nicht gehabt. Sie sind zwar kritisch - und dem Neuen gegenüber eher manchmal ein bisschen skeptisch, so dass man ein bisschen Überredungskunst braucht, um sie mitzunehmen. Aber ich mag ohnehin keine Ja-Sager.

Doch wenn sie begeistert sind, wenn sie etwas aufgenommen haben, dann gehen sie auch mit. Und wenn sie erkennen, dass der Weg augenscheinlich der richtige ist, dann stehen sie auch mit Herzblut dahinter. Und die Menschen hier leben mit beiden Beinen auf dem Boden - auch das schätze ich sehr. Zur Person Norbert Schneider wurde 1955 in Andernach-Miesenheim geboren. Nach einer Lehre zum Bauzeichner wechselte er 1975 in den öffentlichen Dienst, war beim Bundesamt für Finanzen und beim Bundesamt für Zivilschutz in Bonn und absolvierte beim Studieninstitut für kommunale Verwaltung eine Ausbildung zum Diplom-Verwaltungswirt. Von 1992 an arbeitete er in Magdeburg erst im Ministerium für Bundes- und Europaangelegenheiten des Landes Sachsen-Anhalt, dann im Ministerium der Justiz. Seit seiner Wahl zum Neuerburger VG-Chef im Jahr 2002 lebt lebt er mit seiner Frau Marita in Sinspelt, die beiden erwachsenen Kinder Sabrina und Patrick studieren außer Haus. (neb)

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