Immer Ärger mit Ludwig dem Frommen

Immer Ärger mit Ludwig dem Frommen

Die erste Hälfte des 9. Jahrhunderts ist in der Dynastie der Karolinger geprägt durch innerfamiliäre Machtkämpfe. Vor allem sein Vater Ludwig der Fromme, aber auch sein Halbbruder Karl der Kahle machten Kaiser Lothar ständig zu schaffen, bis er sich 855 schließlich in die Prümer Abtei zurückzog.

Prüm. Geld verdirbt den Charakter. Und die Aussicht auf eine Kaiserkrone anscheinend auch. Zumindest gibt es im engeren Familienumfeld von Lothar I. fast Zeit seines Lebens engere Verwandte, die wie er einen Anspruch auf den Titel und das dazu gehörende Reich beanspruchen. Da ist zunächst Ludwig der Fromme. Er ist Lothars Vater und zudem ein direkter Nachfolger Karls des Großen. Wie das Verhältnis zwischen Vater Ludwig und Sohn Lothar in jungen Jahren ist, darüber ist historisch nicht viel überliefert.

Söhne setzen den Vater ab



Doch die Tatsache, dass Ludwig seinem Sohn aus zweiter Ehe, Karl der Kahle, im Jahr 829 Allemanien zuteilt, verärgert den Erstgeborenen Lothar und dessen zwei Brüder so sehr, dass die Geschwister den Vater kurz darauf absetzen. Zu diesem Zeitpunkt ist der 795 im Herrschergeschlecht der Karolinger geborene Lothar I. bereits Mitkaiser des Römischen Reichs. Und angesichts der Tatsache, dass der Vater verdrängt wurde, scheint die Karriere des Erstgeborenen gerettet, wären da nicht seine Mitstreiter um die Macht, deren Loyalität zu wünschen übrig lässt. Ludwig der Fromme wird schließlich befreit, und Sohn Lothar zieht zurück nach Italien, von wo er auch gekommen ist.

833 versuchen es die drei Söhne aus erster Ehe erneut auf den Thron - und haben Erfolg. Ludwig der Fromme verliert, und der nicht akzeptierte Karl der Kahle wird ins Kloster verbannt. Doch während Lothar nun glaubt, die Herrschaft endlich im Griff zu haben, verbünden sich die beiden jüngeren Brüder nun mit dem Vater und verdrängen Kaiser Lothar erneut. Schließlich stirbt der Vater 840, so dass Lothar zunächst die Oberherrschaft über das Karolingerreich erhält, das später aber auf Drängen der beiden noch lebenden Brüder (Ludwig und Karl der Kahle) im Jahr 843 geteilt wird. Lothar behält seine Kaiserwürde und zudem das so genannte Mittelreich mit den beiden Hauptstädten Rom und Aachen, das sich von Italien bis zur Nordsee erstreckt.

Der Kaiser, der sich schließlich zur Festigung seiner Macht auf den Standort Aachen konzentriert, muss von dort aus hilflos zusehen, wie sein Reich im Norden von den Normannen und im Süden von den Arabern ausgeraubt wird. 855 zieht er sich schwer erkrankt nach Prüm zurück, wo er sein Reich unter seinen Söhnen aufteilt. Kurze Zeit später, am 29. September des gleichen Jahres, stirbt er nach einem kurzen Dasein als Mönch in der Prümer Abtei. Dort wird er auch beigesetzt.

Seine letzte Ruhe findet er allerdings erst über 1000 Jahre später. Als der alte Hochaltar, unter dem auch der Kaiser begraben liegt, 1860 abgebaut und durch einen neuen ersetzt wird, kommen die Gebeine Lothars zum Vorschein. Mit finanzieller Unterstützung von Kaiser Wilhelm I. wird 1874 ein neues Grabmal errichtet, in das die sterblichen Überreste des Kaisers umgebettet werden. Dort ruht Lothar bis heute.

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